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Botho von Ziegner kann aufatmen: Seit dem 23. August ist die Sperrung seines Reitschulbetriebes aufgehoben worden. Der Fall allerdings ist ihn teuer zu stehen gekommen. (Foto: t&w)
Botho von Ziegner kann aufatmen: Seit dem 23. August ist die Sperrung seines Reitschulbetriebes aufgehoben worden. Der Fall allerdings ist ihn teuer zu stehen gekommen. (Foto: t&w)

Keine Seuche im Pferdedorf

Mechtersen. Entwarnung im Reiterdorf Mechtersen: Der Verdacht auf einen Ausbruch der hochansteckenden und tödlichen Blutarmut ist ausgeräumt . Wie berichtet, hatten zwei Pferde, die im Stall der Reitschule Mechtersen stehen, bei einem Polo-Turnier in Hamburg Kontakt mit einem infizierten Pferd, woraufhin das Kreisveterinäramt den Betrieb Ende Juni vorsorglich zum Sperrbezirk ernannt hatte. „Mittlerweile ist die Drei-Monats-Frist vorbei und auch die letzten Blutproben waren negativ“, sagt Kreissprecherin Katrin Holzmann, „damit kann eine Infektion der Tiere endgültig ausgeschlossen werden.“ Offiziell ist der Fall erledigt. Auf dem Betrieb hingegen wirkt er nach.

Dienstagabend, kurz vor 18 Uhr, auf dem Hof der Reitschule Mechtersen. Das Schild „Gesperrt für fremde Pferde“ am Eingangstor ist verschwunden. Reiter gehen ein und aus, die Tiere dürfen wieder auf die umliegenden Wiesen, die Kinder mit ihren Ponys zum Reiten in den Wald. Die Normalität ist zurück auf dem Betrieb am Ortsrand – zumindest augenscheinlich. Betreiber Botho von Ziegner hingegen wird noch länger mit den Folgen des Falls zu kämpfen haben: Der Seuchenverdacht ist ihn teuer zu stehen gekommen. Und auch das Image hat gelitten.

Während der dreimonatigen Sperrung lief der Reitschulbetrieb nur eingeschränkt, entsprechend groß waren die Einnahmeverluste. „Da fremde Pferde den Hof nicht betreten und unsere Pferde den Betrieb nicht verlassen durften, mussten wir zahlreiche Lehrgänge und den Unterricht im Gelände absagen“, berichtet Botho von Ziegner. Besonders bitter, weil die Sperrung die gesamten Sommerferien umfasste – normalerweise eine der Hochzeiten auf dem Betrieb.

Hinzu kam, dass die Pferde in den drei Monaten nicht auf die umliegenden Weiden durften. „Das heißt, wir mussten entsprechend mehr Heu und Stroh einsetzen“, sagt von Ziegner. „Außerdem waren wir gezwungen, die Weiden extra mähen zu lassen.“ Kosten, auf denen er als Betreiber sitzen bleiben wird. „Jemand, der uns für die finanziellen Ausfälle entschädigt, gibt es nicht.“ Lediglich der Aufwand für die dreiwöchigen Blutuntersuchungen der Pferde sei von der Tierseuchenkasse übernommen worden.

Vielseitigkeitsturnier am Wochenende

Zu spüren bekommt von Ziegner allerdings nicht nur die finanziellen Folgen, „man merkt auch, dass viele in der Szene noch immer verunsichert sind“, sagt er. Für das Vielseitigkeitsturnier am Wochenende, 9. und 10. September, zum Beispiel hätten sich fast 30 Prozent weniger Reiter angemeldet als üblich. „Und auch viele junge Eltern haben in den letzten Wochen bei uns nachgefragt, ob unser Betrieb jetzt geschlossen hat.“

Für den 70-Jährigen war es der erste Vorfall dieser Art, „etwas Vergleichbares habe ich in meiner Zeit als Reitschulbetreiber nicht erlebt“, sagt er. Um nichts zu riskieren, sei er von Anfang an auf Nummer sicher gegangen, habe die Einrichtung eines Sperrbezirks widerstandslos akzeptiert. Dass er mit den wirtschaftlichen Folgen nun allein dasteht, sei ärgerlich, „aber gehört wohl zu den Risiken eines Reitschulbetreibers, zumal wir mit einem blauen Auge davongekommen sind“.

Hätten sich die beiden Pferde tatsächlich mit der Ansteckenden Blutarmut infiziert, wären sie sofort eingeschläfert und der Sperrbezirk auf einen Kilometer Radius ausgeweitet worden. Alle Pferde in diesem Gebiet hätten getestet, notfalls ebenfalls getötet werden müssen. Ein Horror-Szenario, „an dem wir glücklicherweise vorbeigekommen sind“, sagt von Ziegner. „Nun müssen wir nach vorne schauen.“

Von Anna Sprockhoff

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