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Sie stellen sich den Fragen der Jugendlichen, die zahlreich zu der Veranstaltung gekommen waren: (v.l.) Moritz Meister von der Grünen Jugend, Klaus Petrasek (FDP), Michèl Pauly von der Links-Partei, Hiltrud Lotze (SPD) und Eckhard Pols von der CDU. Foto: t&w

Politiker sollen sich für Wahlrecht ab 16 einsetzen

Lüneburg. Die vorangegangene Jugendversammlung hinterließ vor allem bei den jungen Teilnehmern ein Gefühl von Machtlosigkeit, die Kommunikation stimmte nicht (L Z berichtete). Jetzt hat die Politik eine zweite Chance erhalten, die Vertreter der Parteien durften erneut mit der Jugend im Glockenhaus diskutieren. Rund 100 junge Menschen kamen zu dem Diskussionsabend, der von Stadtjugendring, Jugendpflege und -forum organisiert wurde. Sie hatten viele Fragen, aber auch Forderungen. Und im Anschluss durften alle, die jünger als 18 und somit noch nicht wahlberechtigt sind, einer Partei ihre Stimme geben. Die Veranstalter hatten dafür extra Wahlkabinen aufgestellt.

Kandidaten lassen sich entschuldigen

Eigentlich waren die Kandidaten für die Bundestagswahl eingeladen, doch sowohl Dr. Julia Verlinden (Grüne) als auch Dr. Edzard Schmidt-Jortzig (FDP) ließen sich entschuldigen. Moritz Meister von der Grünen Jugend und Klaus Petrasek, FDP-Landtagskandidat für den Wahlkreis Elbe, sprangen ein.

Zu den wohl jüngsten Teilnehmerinnen zählten mit zwölf Jahren Lucie, Julia und Nathalie. „Das ist eine gute Sache. Hier kann man Erfahrungen sammeln“, sagt Lucie, die Politik interessant findet, sich in Fernseh–Nachrichten und der Zeitung informiert. Julia nutzte die Gelegenheit, um mehr über die Parteiprogramme zu erfahren. „Ich weiß gar nicht so genau, wofür sie im Einzelnen stehen“, gab die Herderschülerin zu. Erst im nächsten Jahr stehe Politik als Unterrichtsfach auf dem Stundenplan. „Darauf freue ich mich.“

Jugendliche fordern Fortbewegungsmöglichkeiten

Erste Berührungsängste lösten sich nach einer kurzen Vorstellungsrunde. Moderator Dirk Garvels bat Hiltrud Lotze (SPD), Eckhard Pols (CDU), Michèl Pauly (Linke), Klaus Petrasek und Moritz Meister, ihren persönlichen Einsatz für Jugendliche zu skizzieren. Emil ergriff als Erster die Chance, er nahm Bezug auf die Aussage von Pauly, der zuvor „vernünftige Fortbewegungsmöglichkeiten“ für Jugendliche gefordert hatte. „Wir möchten nicht immer von unseren Eltern gefahren werden müssen.“ Seine Frage richtete Emil gezielt an die anderen Parteien: „Ich frage mich also, wie Ihr plant, das umzusetzen?“

Pols sagte, dass es unstrittig sei, dass man in Lüneburg mehr Radwege benötige. „Der Bund gibt dafür Geld, aber die Umsetzung ist nun mal Aufgabe der Kommune.“ Hiltrud Lotze, die betonte, dass sie sich als rege Radfahrerin in Lüneburg auch über viele Ecken ärgere, lud Emil und seine Freunde in ihr Büro ein. „Dann können wir gemeinsam sehen, wo wir etwas verbessern können.“ Klaus Petrasek und Moritz Meister sprachen kurz über das Konzept „Shared Space“, danach sollte es keinerlei Begrenzungen mehr zwischen Verkehrsteilnehmern geben.

Wahlrecht schon mit 13 Jahren? 

Finja richtete ihre Frage direkt an SPD und Grüne. „Ihr seid die Spitze des Landtags, warum habt Ihr Euch nicht dafür eingesetzt, dass es bei der Landtagswahl das Wahlrecht ab 16 gibt?“ Meister betonte, dass es einen solchen Antrag gegeben habe, die notwendige Zweidrittelmehrheit aber nicht erreicht wurde. Lotze sagte: „Wir wollen das auch für die Bundestagswahl, Ihr Jugendlichen seid heute so fit und durchaus in der Lage, solche Entscheidungen zu treffen. Wir werben bereits um die entsprechenden Mehrheiten.“

Für reichlich Zündstoff sorgte die Aussage von Pauly, der der SPD-Kandidatin zu verstehen gab, dass es nicht reiche, nur dafür zu sein. „Man muss auch dafür stimmen.“ Er sei sogar dafür, dass auch ein 13-Jähriger schon wählen dürfe. „Wenn man sich fit fühlt, ist man sicher informierter als der Durchschnittswähler.“

Daran wollte Tom aus dem Publikum nicht so recht glauben. „Führt das nicht dazu, dass Kinder das Wählen als Spaß ansehen?“ Der FDP-Politiker bat den Jungen daraufhin, sich nicht zu unterschätzen. „Derjenige, der aus Quatsch wählt, ist immer noch besser als jemand, der aus Prinzip immer die gleiche Partei wählt.“

Eine Teilnahme der AfD war von den Veranstaltern nicht gewünscht. Thorben Peters, Stadtjugendring Lüneburg, verweist nach einer LZ-Anfrage auf eine Stellungnahme des Landesjugendrings Niedersachsens vom 30. Mai 2017.

Von Anna Paarmann

Ergebnisse: Pauly punktet

Laut dem ARD-Deutschlandtrend kommt die Union derzeit auf 37, die SPD auf 21, die Grünen auf 8, die FDP auf 9, die Linke auf 10 und die AfD auf 11 Prozent der Stimmen. Im Glockenhaus ging die Wahl bei 36 Erst- und 34 Zweitstimmen ganz anders aus.

Die Grünen kamen auf 47 Prozent, die SPD auf 23,5, die FDP auf 8,8, die Tierschutzpartei auf 6 Prozent. Als Kandidaten fanden die Jugendlichen Michèl Pauly am überzeugendsten, er erhielt 16 Stimmen, Hiltrud Lotze und Julia Verlinden je 6, Eckhard Pols 5 und Edzard Schmidt-Jortzig 3. Repräsentativ ist das natürlich nicht.

9 Kommentare

  1. in der pups-phase, ist dass andere geschlecht wichtiger, als wahlen. die jugendlichen, die sich für politik interessieren, sind die ausnahmen und nicht die regel.

    • Das hält bei einigen bis in die späte Rentenphase an. Vor allem,daß unreflektierte Nachreden von Floskeln und das Argumentieren ohne Fakten aus dem Bauch heraus, oder weil es uninformierte Vorplappern.
      So ist mit den Halbwahrheiten und Wortverdreheungen ,wie „auf Flüchtlinge schiessen“ , oder „die wollen KZ`s bauen“.
      Auch gerade aktuell, die plötzliche gelesene Email, in der natürlich von rassistischen Äusserungen einer Politikerin, die man samt ihrer Partei loswerden will, die Rede ist. Die ist nun plötzlich wieder da, da sie seit 2013(!) verschollen war.
      Aber wer interessiert sich schon für die Wahrheit,wenn die Regel ist, einfach blind zu glauben,was die öffentlich rechtlichen Sender und die Presse so ausposaunen ,so 2 Wochen vor der Wahl.*schmunzel*

      • Andreas H.
        warum afd vorstände zurücktreten, wissen sie aber schon, oder? der arme prof runkel,wie tief muss man sinken , um von der spd kommend, in der afd zu landen?

        • Das ist Ihre alleinige Sichtweise. Die steht Ihnen zu.
          Aber vielleicht ist der Professor auch besser informiert.
          Dann wohl vielleicht, als er bemerkte, daß dort Inhalte in der Partei entscheidend sind und nicht Personen, wie Runkel oder Lucke und diese Partei auch nicht die üblichen leeren Phrasen und leeren Worthülsen ,wie „Sicherheit und soziale Gerechtigkeit, Fachkräftezuwanderung “ hinterherplappert, sondern Fakten setzt, einfach wieder ausgeschieden,weil er nur die alten Floskeln kennt und nun nicht den bekannten „Diskutierverein“ mit Kaffee und Kuchen der Altparteien vorfindet, deren einzig priorisiertes Ziel es zu sein scheint, ihre eigene finanzielle Sicherheit in trockene Tücher zu bringen.
          Solche Menschen sollen lieber bei Ihrer Meinung bleiben,daß man den wilden Westen einführen und KZ`s bauen will. *schmunzel*

        • @Hr. Bruns
          Na, die SPD ist ja nun Meilen von der ehemaligen Schmidt -SPD -Ära entfernt und auch weder eine Volks-noch eine Arbeiterpartei.
          Hartz hat vielen den Rest gegeben.
          Ich dachte eigentlich weiter kann eine Volkspartei nicht sinken. Aber nun hat ein EU-Bonze wie Schulz und ein Elefant im Porzellanladen,wie Gabriel , der arme und benachteiligte Hartz4 -Würstchen als Pack und Pöbel bezeichnet , und zurückpöbelt wie ein Bauerbeiter mit 2,0 Promille ,mitsamt seinen Kollegen , alles vermasselt. Einschliesslich den Plakaten „Gerechtigkeit für alle“ (!).
          Und die staatstreuen IGM und Verdi machen den Rest in den Betrieben, indem sie Pamphlete gegen die AFD herausgeben und darin Möglichkeiten des Anschwärzens und Diffamierens bei den Chefs und dem Betriebsrat beschreiben.
          Na, wie weit muss man sinken!?*schmunzel*

      • Halbwahrheiten, Wortverdrehungen, auf Flüchtlinge schießen, rassistischen Äußerungen einfach blind glauben, die üblichen leeren Phrasen und leeren Worthülsen, einzig priorisiertes Ziel die eigene finanzielle Sicherheit, den wilden Westen einführen und KZs bauen …

        Na, A. H., Sie als Insider haben ja ein dolles Bild von der AfD. Das alles ist furchtbar abstoßend, wie Sie ihre eigenen Leute hier beschreiben!

  2. Na Herr Bruns, Sie als gereiftes Semester mit ganz viel und direktem Kontakt zur Jugend können das natürlich fachgerecht beurteilen!

    Zum Thema Flatulenzen: während sich Jüngere durchaus über Witze mit dem Gegenstand „körperwarme Abgase“ freuen können, sind es eher Menschen Ihres Alters, Herr Bruns, die ihre Schließmuskel nicht mehr völlig unter Kontrolle haben – fragen Sie bitte zur Aufklärung Ihren Hausarzt…

  3. „Als Kandidaten fanden die Jugendlichen Michèl Pauly am überzeugendsten, er erhielt 16 Stimmen, Hiltrud Lotze und Julia Verlinden je 6, Eckhard Pols 5 und Edzard Schmidt-Jortzig 3. Repräsentativ ist das natürlich nicht.“

    Natürlich nicht! Es haben ja bloß Jugendliche abgestimmt.

    Aber es ist das Ergebnis!

  4. Wer es für nötig hält, einen „witzigen“ Aliasnamen für das Forum zu verwenden, muß sich niicht wundern, welcher politischen Ecke man ihn zuordnet! Der Versuch sich als sachlich argumentierender Zeitgenosse darzustellen, geht auch dadurch nach hinten los.