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In Tracht führte Ursula Schwanitz-Roth Besucher über den Nikolaihof.

Geschichte zum Anfassen Tag des offenen Denkmals

Lüneburg. Groß war der Andrang im Rathaus bereits vor 10 Uhr. Dort konnten sich Interessierte am Stand des Ortskuratoriums Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der Stadtarchäologie und des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt für einige Führungen am Tag des offenen Denkmals anmelden, der bundesweit unter dem Motto „Macht und Pracht“ stand.

Zahlreiche bauhistorische Schätze in Lüneburg und im Umland hatten ihre Türen geöffnet und boten Einblicke in die Entstehungsgeschichte sowie die Erhaltung. „Ein hoch interessantes Programm. Vieles ist heute dabei, was bisher noch nicht geöffnet war“, waren sich Brigitte Killmer aus Lüneburg und das Ehepaar Dr. Dirk und Birthe Hagener aus Mechtersen einig.

Stadtarchäologe erklärt Baugeschichte

Kloster-, Bau- und Wohngeschichte präsentiert sich in dem Gebäude „Auf dem Klosterhof 1“, das viele Jahre leer stand. Bauhistorische Untersuchungen hätten die besondere Bedeutung des Hauses ergeben, erläuterte bei einer Führung Stadtarchäologe Prof. Dr. Edgar Ring. Es gehört zu den sich nördlich anschließenden Erweiterungsbauten des 1229 gegründeten Franziskanerklosters und wird auf 1427 datiert.

Zunächst seien die Räume vom Kloster genutzt worden. Nach der Reformation übernahm der Rat die Kapelle, die Rats- und Franziskanerbibliothek wurden vereint. Das Gebäude „Auf dem Klosterhof 1“ wurde 1666 umgebaut und stand fortan armen Menschen zur Verfügung.

Aufgrund der Untersuchungen der Bausubstanz konnte rekonstruiert werden, wie das schmale Gebäude um 1427 ausgesehen hat. „Über einem hohen Erdgeschoss gab es ein weiteres Geschoss. Der Dachraum war offen bis zum First“, erklärte Ring anhand von Bildtafeln. Wie es in klösterlicher Zeit genutzt worden sei, dazu gebe es leider keine Quellen. Bei einem Umbau sei dann das Erdgeschoss unterteilt worden.

Unten gab es nun einen kleinen Raum, die Stube. Dort befand sich der einzige Kachelofen im Haus, der auch in der dahinter liegenden Küche für Wärme sorgte. Beim Rundgang ging es dann über die Treppe, die aus dem 19. Jahrhundert stammt, in den niedrigen Raum darüber. Zwölf Besucher drängen sich in dem 2 x 2 Meter großen und 1,75 Meter hohen Raum, der vermutlich als Schlafraum diente.

Prof. Dr. Edgar Ring erläuterte die Baugeschichte des 1427 errichteten Gebäudes „Auf dem Klosterhof 1“, das sich auf dem Hof neben der Ratsbücherei befindet.

Vielfältiges Programm auch anderswo

Zu Besonderheiten des Hauses gehören auch Wandmalereien, „sogenanntes Beschlagwerk“. Außergewöhnlich für Lüneburg, deren Baudenkmäler sich eher durch wertvolle Deckenmalereien auszeichnen. Für die wandelvolle Geschichte des Hauses sprächen auch 25 Tapetenschichten, die im Schlafraum ausgemacht wurden, berichtete Ring. Ziel einer Instandsetzung sei der Erhalt eines originalen Objektes mit seiner vielfältigen Bau- und Nutzungsgeschichte.

Vielfältig gestaltete sich auch das Programm zum Tag des offenen Denkmals im Domflecken Bardowick. Als verbindendes Element zwischen Lüneburg und Bardowick pendelte auf der Ilmenau der historische Salz-Ewer hin und her. An Bord der Lüneburger Shantychor, der aus vollen Kehlen Seemannslieder schmetterte und so auch Radfahrer auf dem Treidelpfad erfreute. Kehrt machte das Boot an der Bardowicker Schleuse, die immer noch wegen Baufälligkeit gesperrt ist.

Von Lüneburg nach Bardowick schipperte der historische Salz-Ewer.

Für den Erhalt von Schleusen und Wehren warben vor Ort die Vereine Ilmenauschiffer und Historische Ilme­nau. Wer von dort aus durch das Eichenwäldchen lustwandelte, konnte sich in die großen Besuchergruppen einreihen, die sich unter Führung von Ursula Schwanitz-Roth und Birgit Lund durch die alten Gemäuer des Nikolaihofs schoben.

In dem ehemaligen Leprosenhospital der Stadt Lüneburg, 1251 erstmals urkundlich erwähnt, ist heute die Bücherei Bardowick zu Hause. In den modernisierten Räumen zwischen den Bücherregalen wurde zudem alte Handwerkskunst gezeigt: Friedemann Rost demonstrierte mit Nadel und Faden, wie man früher Bücher band. Der Barnstedter Schönschreiber Norbert Birnbaum verzückte Besucher mit seiner Kalligraphie.

Von Antje Schäfer und Dennis Thomas

Organisatoren zufrieden: Führungen gut besucht
Die Denkmalpflegerinnen Cornelia Abheiden und Doreen Braun von der Stadt hatten das Programm für Lüneburg zusammen mit dem Ortskuratorium Deutsche Stiftung Denkmalpflege, der Stadtarchäologie, dem Arbeitskreis Lüneburger Altstadt und Eigentümern von privaten Gebäuden organisiert.

Ihr Fazit: Alle Führungen waren gut besucht. Erfreulich sei auch, dass wieder Private die Türen geöffnet hätten, das sei nicht selbstverständlich.