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Unter Atemschutz kümmern sich Thorsten Kreutz (l.) und Eike Bergmann um einen simulierten Autobrand auf einem Supermarkt-Parkplatz.

Öffentliche Übungen: Feuerwehr macht Werbung in eigener Sache

Deutsch Evern. Ausgerechnet dann, wenn sie gaffen sollen, tun sie es nicht. Ob Höhenrettung aus einem Baugerüst, Gefahrgut­unfall mit Säure oder schwerer Verkehrsunfall mit Autobrand, die mit großem Aufwand von der Feuerwehr Deutsch Evern durchgeführten öffentlichen Übungen am Sonnabend weckten bei Passanten nur mäßig Aufmerksamkeit.

Dabei wollten die ehrenamtlichen Brandschützer auf diese Art und Weise dafür werben, wie wichtig ihre Aufgaben sind und dass sie dringend Unterstützung aus der Bevölkerung benötigen. Denn im Vergleich zur Einwohnerzahl – mehr als 3800 – zählt die Freiwillige Feuerwehr Deutsch Evern recht wenige aktive Mitglieder. „Gerade etwas mehr als 40, die im Notfall helfen können“, sagt Ilmenaus Gemeindebrandmeister Uwe Hauschild.

Als am Sonnabend um halb zwölf zum dritten Mal an dem Tag die Alarmsirenen in der Gemeinde aufheulten, hatten es die Helfer nicht ganz so weit. Unter Blaulicht preschten sie mit drei Einsatzfahrzeugen auf den Supermarkt-Parkplatz neben dem Feuerwehrgerätehaus. Dort waren zwei Kleinwagen wie nach einem heftigen Autounfall ineinander geschoben. Ein Wagen verschwand zunächst im Nebel einer Rauchgranate, die ein simuliertes Feuer anzeigte.

Im anderen Unfallwagen saß eine Puppe als verletzte, eingeklemmte Person, die es zu retten galt. Dafür packten die Helfer das große Besteck aus.

Voller Einsatz in Deutsch Evern

Zuschauer bleiben Mangelware

Eike Bergmann (28) und Thorsten Kreutz (35) eilten in voller Atemschutzmontur zum rauchenden Auto. Kreutz hebelte mit Gewalt die Motorhaube auf und Eike Bergmann schoss eine Ladung Löschschaum hinein. Währenddessen kümmerte sich Lars Bergmann mit weiteren Kameraden um den anderen Wagen, zunächst mit einem hydraulischen Spreizer entfernten sie die Fahrertür und zu Übungszwecken sägten sie auch noch die Windschutzscheibe heraus und knipsten mit einer hydraulischen Rettungsschere auch noch das komplette Dach ab. An Einsatzwillen mangelte es nicht, allein an interessierten Zuschauern. Und das lag nicht nur am Regenwetter.

Während die Deutsch Everner Feuerwehr mit vollem Aufgebot auf dem Supermarkt-Parkplatz zugange war, gingen Anwohner nur wenige Meter weiter seelenruhig einkaufen und suchten danach oft schnellstmöglich das Weite. Brandschützer Klaus-Dieter Röschke sprach einzelne Passanten an, ob sie sich nicht für die Feuerwehr interessierten und er bekam nicht nur einmal zu hören „Für so etwas habe ich keine Zeit!“.

Mit Werbung dem demographischem Wandel entgegentreten

Auch die LZ sprach mehrere scheue Beobachter zu ihrer Haltung an, nur einer mochte offen darüber reden. Anwohner Holger Klinke (40) sagte: „Die haben meinen höchsten Respekt, dass sie ihre Freizeit opfern, um anderen zu helfen.“ Dass er sich auch derart engagiere, lasse aber seine „zeitintensive Arbeit“ nicht zu. Er habe deshalb auch schon ein schlechtes Gewissen. Er zeigte sich aber interessiert zumindest für eine Fördermitgliedschaft. Aber es geht um mehr.

„Um dem demographischen Wandel entgegenzutreten, ist die Werbeaktion unabdingbar. Ein weiteres Problem ist, dass immer weniger Feuerwehrmitglieder einen Arbeitsplatz vor Ort haben“, sagt Jan-Christian Simon, Pressewart der Feuerwehr Deutsch Evern. „Viele pendeln nach Hamburg oder nach Lüneburg. Durch Schichtarbeiter ist aktuell noch eine gute Tages­alarmstärke vorhanden.

Um dies auch noch in Zukunft gewährleisten zu können, ist es von hoher Bedeutung, Quereinsteiger zum ehrenamtlichen Feuerwehrdienst zu motivieren oder bereits ausgebildete Feuerwehrmitglieder, die aber in Deutsch Evern nicht aktiv sind, zu reaktivieren.“

Dabei können sich die Deutsch Everner sogar auf eine Handvoll Feuerwehrleute verlassen, die Doppelmitgliedschaften pflegen in Deutsch Evern und der Stadt Lüneburg. Neben Simon zählt auch der Lüneburger Jan Kressin (29) dazu. Der sagt: „Ich bin hier geboren und hänge noch an der Feuerwehr Deutsch Evern und helfe gerne aus.“ Wenn aber beide Wehren gefordert sind, kann auch er sich nicht teilen.

Von Dennis Thomas