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Auf dem Grundstück am Drosselweg haben Experten gestern mit Erdarbeiten rund um den Blindgänger begonnen. Die explosive Hinterlassenschaft muss beseitigt werden. Die Bewohner müssen ihre Häuser dann vorübergehend verlassen. Foto: lz/be

+++ Blindgängerfund: Wilschenbruch wird Mittwoch geräumt +++ mit Evakuierungsplan

Lüneburg. Die Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg geht weiter. Am Montag suchten Mitarbeiter der Firma Kampfmittelbergung Schollenberger auf zwei Flächen in Wilschenbruch nach dem explosiven Erbe – am Drosselweg und auf einer Wiese an der Amselbrücke. Ergebnis: Es handelt sich um zwei Blindgänger.

Die Stadt will sie am Mittwochvormittag unschädlich machen, die Aktion startet morgens um 8:30 Uhr. Hunderte Anwohner im Umkreis von jeweils 500 Metern um die Fundorte müssen ihre Häuser verlassen. Die Stadt richtet Ausweichquartiere ein. Für Verwaltung, Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr ist es inzwischen Routine: Bekanntlich waren im Baugebiet Ilmenaugarten auch Blindgänger gefunden worden, mehr als ein Dutzend Mal wurden angrenzende Gebiete evakuiert.

Dreizehn Verdachtspunkte im Stadtgebiet

Wie berichtet, hatte die Stadt Luftbildaufnahmen der Alliierten auswerten lassen. Dabei waren Experten an 13 Punkten auf mögliche Bombenfundorte im Stadtgebiet gestoßen. Die waren in den vergangenen Monaten in Absprache mit den Eigentümern der betroffenen Flächen markiert worden. Die Behörden gehen davon aus, dass keine unmittelbare Gefahr besteht, sofern die Sprengkörper „in Ruhe“ gelassen werden, also beispielsweise keine Bauarbeiten erfolgen.

Bei mehreren Überprüfungen kam heraus, dass bestimmte Funde keine Gefahr darstellen, zum Beispiel weil nur Metallschrott im Boden liegt. Anders auf dem Grundstück bei Gabriela Thiem, die mit ihrer Familie am Drosselweg lebt. Für sie war es gestern ein Schock, als ihr die Kampfmittelräumer eröffneten, dass sie neben einer Bombe wohnt, auch wenn sie von den Sondierungen und möglichen Ergebnissen seit Monaten wusste. Sie sagt: „Es ist gut, künftig nicht weiter damit leben zu müssen.“

Grundstücksbesitzer an Kostendeckung beteiligt

Doch die Lüneburgerin ärgert sich auch, dass sie einen Teil der Kosten bezahlen muss: „Wir können ja nichts für die Ursache.“ Es sei Zufall, dass ihr Grundstück betroffen sei, eigentlich sei es eine Aufgabe der Allgemeinheit, die Hinterlassenschaften des Krieges nach mehr als sieben Jahrzehnten zu beseitigen. Sie geht davon aus, dass auf sie für die Sondierungsarbeiten rund 6000 Euro zukommen.

Die Stadt hatte in der Vergangenheit erklärt, für die Entschärfung, Bergung und Entsorgung komme das Land auf. Gabriela Thiems Nachbarin, auf deren Grundstück ebenfalls gesucht wurde, hatte Glück: kein Blindgänger.

Bei den jetzigen Blindgängern soll es sich – wie in der Vergangenheit – vermutlich um 75 Kilo schwere amerikanische Fliegerbomben handeln. Sie werden erst unmittelbar vor der Entschärfung freigelegt. Lüneburg war 1945 in den letzten Wochen des Krieges zweimal Ziel von Luftangriffen, die sich vor allem auf den Güterbahnhof und das Schienennetz konzentrierten. Die Stadt hatte bereits 2010 für rund 50 000 Euro ein Kampfmittelkataster erstellen lassen, anhand dessen sie die Gefahrenpunkte beseitigen will.

Von Carlo Eggeling

Diese Straßen müssen evakuiert werden

Die Evakuierung startet um 8:30 Uhr:

  • Am Hang 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 20, 22, 24 A
  • Am Wilschenbruch 12, 14, 16, 20, 22, 23
  • Amselweg
  • An der Soltauer Bahn
  • An der Wittenberger Bahn 10, 12
  • Barckhausenstraße 71, 73, 73A, 75, 77, 79, 81, 104, 106, 108, 110, 112
  • Bussardweg
  • Busseweg
  • Drosselweg
  • Eichhornweg
  • Elsterallee
  • Eulenweg
  • Falkenhorst
  • Fasanenweg
  • Finkenweg
  • Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 2, 4, 6, 11, 11A, 13, 15, 17, 19, 21
  • Goethestraße 28, 30, 32, 34, 34A, 36, 36A, 36B, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50
  • Habichtsweg
  • Harvey-Benjamin-Fuller-Straße 1
  • Heinrich-Heine-Straße 31, 33, 35, 37, 39, 50, 52
  • In den Stuken 12, 14, 16, 18, 20
  • Kantstraße 14, 16, 18
  • Kuckucksweg
  • Pirolweg 1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 10, 12
  • Rehhagen 13, 15, 17, 19, 21, 23
  • Reiherstieg
  • Schnepfenwinkel
  • Spechtsweg 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10, 12, 15
  • Sperberweg 13, 15A
  • Uelzener Straße 90, 108, 110, 112A, 112B, 112C, 112D, 112E, 112F, 112G, 112H, 112I, 112J, 112K, 114, 116
  • Willy-Brandt-Straße 18, 20
Stab tagt heute: Laufend aktuelle Neuigkeiten

Die Stadt und LZonline informieren heute und morgen fortlaufend über den neuesten Stand. Heute Vormittag sitzen Stadt, Polizei, Kampfmittelbeseitigungsdienst und Rettungsdienste zusammen und zurren den Zeitplan und Maßnahmen fest.

Sobald dann verlässliche Informationen vorliegen, finden Bürger Antworten laufend aktualisiert auf den Info-Kanälen der Stadt sowie über die Facebook-Seite der LZ. Auch am Bürgertelefon der Stadt unter (04131)  3093100 können voraussichtlich ab heute Mittag Fragen beantwortet werden.

Die Evakuierung beginnt voraussichtlich am Mittwochvormittag. Betroffen sind wahrscheinlich Wilschenbruch, südliches Rotes Feld und süd-westliches Schäferfeld.

Mehr dazu:

Blindgänger: Grundschule Rotes Feld und zwei Kitas bleiben Mittwoch zu

One comment

  1. Habe mal eine Frage zu den Kosten. 6000Euro muss die Grundstückbesitzerin zahlen (für Sondierungsarbeiten). Wie war es beim Ilmenau-Garten ? Waren die Grundstücke damals schon verkauft ? Wer hat damals die Kosten übernommen ?