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Matthias Rötting will einen seiner Geschäftsräume neben seiner Werkstatt in Handorf wieder an die Post vermieten. (Foto: dth)

Post zurück in Handorf

Handorf. Trotz seiner Beharrlichkeit konnte er die Post nicht umstimmen. Doch nach rund anderthalb Jahren ist es nun die Macht des Faktischen, die den Konzern zum Handeln zwingt und Handorfs ehrenamtlichen Bürgermeister Peter Herm (CDU) zumindest etwas Genugtuung beschert: In der Gemeinde soll ab 11. Oktober wieder eine Poststelle den Betrieb aufnehmen, nachdem die letzte Ende 2015 gegen den Widerstand der Gemeinde geschlossen worden war. Da Handorf nach einem kurzzeitigen Rückgang Anfang des Jahres erneut die Marke von 2000 Einwohner erreicht hat, ist die Post verpflichtet, ihre Dienstleistungen wieder stationär anzubieten. Herm sagt: „Dieses Hin und Her hätte sich die Post sparen können“, wenn sie gleich auf die Gemeinde gehört hätte.

Wegen einiger Todesfälle und des Wegzugs größerer Familien war die Einwohnerzahl in Handorf vorübergend unter die magische Zahl von 2000 auf 1959 gefallen, die mit Hauptwohnsitz in Handorf gemeldet waren. Aus Sicht der Post war das zu wenig, um den „defizitären Filialbetrieb in Handorf wie bisher aufrechtzuerhalten“. In der gleichen Zeit eröffnete die Gemeinde aufgrund steigender Nachfrage die dritte Kindergartengruppe und Herm erwartete mit Blick auf den damals ersten Bauabschnitt des neuen Wohngebietes Handorf-Süd wieder ein Ansteigen der Einwohnerzahlen. Argumente, die aber bei der Post nicht verfingen. Die Post kündigte den Mitarbeiterinnen und schloss die kleine Poststelle. Und das Baugebiet füllte sich und die Einwohnerzahl stieg wieder.

Post wieder in Nebenraum einer Werkstatt

„Anfang 2017 hatten wir offziell wieder mehr als 2000 Einwohner“, freut sich Herm. „Damit muss die Post nach der Post-Universaldienstleistungsverordnung mindestens eine stationäre Einrichtung vorhalten.“ Aber auch auf Drängen Herms werden künftig die Öffnungszeiten der kleinen Poststelle andere sein. Vorher öffnete die Handorfer Postniederlassung montags bis freitags von 9 bis 10 Uhr. Herm: „Für Berufstätige waren die Zeiten unmöglich.“ Künftig sind die Öffnungszeiten von 15 bis 17 Uhr geplant und zusätzlich sonnabends von 10 bis 11 Uhr.

"Dieses Hin und Her
hätte sich die Post sparen können."
Peter Hern, Bürgermeister von Handorf

Da die Post nach eigener Auskunft keinen adäquaten Einzelhändler habe finden können, bei dem sie mit ihrer neuen Poststelle hätte unterkommen können, „werden wir auf den altbewährten Standort zurückgreifen“, sagt auf LZ-Nachfrage Post-Sprecher Jens-Uwe Hogardt. Bis Ende 2015 war die Poststelle in einem Nebenraum der Werkstatt von „Rötting Haustechnik“ in der Bäckerstraße 16 untergebracht. Inhaber Matthias Rötting ist auch bereit, die rund 30 Quadratmeter an die Post erneut zu vermieten. Jedoch: „Ich habe bisher erst einen Vorvertrag erhalten.“

Herm: Handorf wächst weiter

Noch sei also die Tinte unter dem Mietvertrag nicht trocken. Doch Rötting freut sich, dass die Post zurückkehren will, denn dann könnten auch die an der Außenwand festinstallierten Paketschränke, die die Post hinterlassen hatte, wieder ihrer Bestimmung zugeführt werden. Allerdings macht Hogardt auch keinen Hehl daraus, dass der Standort nur ein Provisorium sein solle, „bis wir im Ort einen Einzelhändler als Partner gefunden haben“.

Seinerzeit hatte die Post die Schließung der kleinen Filiale auch damit gerechtfertigt, dass ein Betrieb nicht wirtschaftlich sei. „Das wird sich auch so bei knapp über 2000 Einwohnern nicht anders darstellen, aber wir sind jetzt dazu verpflichtet“, sagt Postsprecher Hogardt. Gleichwohl: „Wir wollen auch in Handorf die Dienstleistungen der Post in dem Umfang anbieten, wie es dort nötig ist und nachgefragt wird.“ Dass das auch langfristig mit einer stationären Poststelle erfüllt wird, glaubt Herm: „Unsere Einwohnerzahl könnte bis Jahresende sogar auf rund 2100 Einwohner steigen.“

Von Dennis Thomas