Aktuell
Home | Bundestagswahl 2017 | Kandidaten zur Bundestagswahl: Prof. Dr. Gunter Runkel (AfD)
Seit einem Jahr macht Prof. Dr. Gunter Runkel als Vorsitzender der AfD-Stadtratsfraktion Politik in Lüneburg. Jetzt kämpft der 70-Jährige um Stimmen für den Bundestag. Foto: lz/t&w

Kandidaten zur Bundestagswahl: Prof. Dr. Gunter Runkel (AfD)

Lüneburg. Nein, in die SPD werde er sicher nicht wieder eintreten. „Daran ändert auch die neue von Herrn Schulz ausgegebene Richtung nichts“, sagt Prof. Dr. Gunter Runkel mit Anspielung auf die Ankündigung des SPD-Kanzlerkandidaten, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen. Seine SPD-Ära hat Runkel längst hinter sich, jetzt konzentriert sich der Lüneburger AfD-Politiker auf ganz andere Ziele. Er ist der Bundestagskandidat.

„Die Euro-Krise ist noch nicht gelöst, nur verschoben“

Runkel gibt sich gern bürgerlich, doch im Stadtrat sorgte er schon mehr als einmal mit Wortmeldungen für Zündstoff. „Die Euro-Krise ist noch nicht gelöst, nur verschoben“, sagt Runkel und lehnt sich kurz in seinem grün gepolsterten Sofa zurück, um dann doch wieder auf das Thema zurückzukommen, das den 70-Jährigen seit Jahren politisch umtreibt: Europa und der Euro. So lautet auch der Titel eines Buches, das vor ihm auf dem Tisch des Wohnzimmers seines denkmalgeschützten Hauses liegt. Der Untertitel: „Die Zerstörung der Wirtschaft und Demokratie in Europa“, Autor: Gunter Runkel.

Die Kohl‘sche Europa-Politik sei „blauäugig“ gewesen, findet Runkel. Dass ein Land wie Malta in der EU die gleichen Stimmrechte habe wie Deutschland, sei „ein Unding“, ebenso der Bruch der Maastricht-Verträge im Zuge der Euro-Rettungsversuche. Diese „Konstruktionsfehler“ müssten dringend korrigiert werden.

Einen Mitstreiter für dieses politische Ziel fand Runkel 2013 in dem späteren AfD-Gründer Bernd Lucke, den er 2010 bei den Freien Wählern kennenlernte, eine für beide kurze politische Zwischenetappe. Dass Lucke die AfD später verließ, er aber blieb, erklärt Runkel mit dem Flüchtlings-Thema, „dem Lucke sich so nicht widmen wollte“. Runkel lehnt die unbegrenzte Zuwanderung, die, wie er meint, von der Regierung Merkel gefördert wird, entschieden ab.

Soziologe an der Lüneburger Hochschule

Neu-Anfänge haben den Hochschul-Professor, der 1974 als Soziologe an die Hochschule Lüneburg kam und dort bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2012 lehrte, schon von Beginn seiner politischen Laufbahn an fasziniert. Das war 1966. Da hatten die Sozialdemokraten mit der Ostpolitik Willy Brandts den Nerv des damals 19-Jährigen getroffen, der gebürtige „lebensfrohe Lahnsteiner“, wie er über sich selbst sagt, wurde Mitglied.

Als die SPD unter Kanzler Gerhard Schröder die Aufnahme der Türkei in die EU beschloss, war für ihn Schluss, „diesen Schritt konnte ich nicht mittragen“. Runkel verließ die SPD, konzentrierte sich auf seine berufliche Karriere.

Seine politische Grundhaltung bezeichnet Runkel als „liberal-konservativ“. Während das Konservative auch im Privaten erkennbar wird – sein Haus aus dem Jahr 1610, in dem er mit seiner Frau lebt, und die zahlreichen Ölbilder zeugen davon –, wird das Liberale nicht gleich offenbar. Dass er mit seinen Äußerungen als Vorsitzender der AfD-Stadtratsfraktion gelegentlich Empörung bei den anderen Fraktionen auslöst, stört ihn nicht. „Ich habe eine Meinung, und die sage ich auch.“

Von Ulf Stüwe

Drei Ziele für den Bundestag

Euro, Einwanderung, Bildung

Als Bundestagskandidat der AfD kämpft Prof. Dr. Runkel für einen Sitz im Bundestag. Für den Fall seines Einzugs in das Parlament, den er persönlich als „sehr unwahrscheinlich“ bezeichnet, nennt Runkel drei Themen, für die er sich in dem Gremium einsetzen würde.

Euro-Rettungspolitik: „Die Euro-Rettungspolitik muss wieder auf ein gesetzestreues Fundament gemäß den Maastricht-Kriterien gestellt werden.“

Einwanderung: „Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz mit Regeln wie in Kanada oder Australien. Hier muss nach Verantwortung und nicht nach Gesinnung entschieden werden.“

Bildung: „Wir brauchen eine Bildungsreform – weg von der Inklusion und mehr Ausrichtung auf Leistung in den Schulen und Hochschulen.“