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Ein Stoff-Schaf ist alles, was den Schülern der Hofschule Wendisch Evern geblieben ist. Die Herde hat Landwirt Jürgen Schlüter schlachten lassen, nachdem vermutlich der Wolf eins der Tiere gerissen hat. Foto: lz/phs

Hofschule Wendisch Evern schafft Schafherde ab

Wendisch Evern. Jahrelang gehörten sie zum Alltag der Hofschule Wendisch Evern: die rauhwolligen Pommerschen Landschafe. Die Schüler fütterten, pflegten und betüttelten die Tiere, halfen beim Scheren und Verarbeiten ihrer Wolle zu Teppichen. „Die Kinder liebten unsere Schafe“, sagt Landwirt Jürgen Schlüter. Und trotzdem hat er vor wenigen Tagen die gesamte Herde schlachten lassen. Der Grund: Schlüter fürchtet die Wölfe. „Ein Schaf haben sie sich bereits geholt. Und dabei wäre es wohl kaum geblieben.“

Ergebnis der DNA-Analyse steht aus 

Noch ist der Wolfsriss nicht offiziell, liegen die Ergebnisse der DNA-Analyse nicht vor, doch Kehlbiss und Fraßspuren sind für Schlüter eindeutig: „Das war ein Wolf.“ Ende August hatte der Demeter-Landwirt das tote Schaf auf einer eingezäunten Weide am Ortsrand entdeckt, „ein weiteres Schaf war leicht verletzt“. Die 15-köpfige Herde stand gemeinsam mit den drei Kaltblütern des Landwirts auf der Weide, „ich vermute, dass wir den Pferden zu verdanken haben, dass nicht noch mehr Schafe verletzt oder getötet worden sind“.

Schlüter zögerte nach dem Vorfall nicht lange: „Ich wollte verhindern, dass die Wölfe unsere Weide als Nahrungsquelle für sich entdecken und habe die Schafe lieber gleich abgeschafft.“ Jahrelang hatte der Wendisch Everner darauf vertraut, dass sich Wölfe nicht so nah an die Stadt heranwagen.“ Heute ist er überzeugt: „Selbst vor den Toren Lüneburgs können wir keine Schafe mehr halten.“ Schlimmer noch: „Ich frage mich, ob wir hier überhaupt noch Bio-Landwirtschaft betreiben können, denn dafür müssen wir Tiere auf der Weide halten.“

„Da müsste ich bei unserer Form der Landwirtschaft die gesamte Feldmark einzäunen.“
Jürgen Schlüter, Bio-Landwirt

Bettina S. Dörr, Sprecherin des Wolfsbüros Hannover, hält sich bei dem Fall an die übliche Argumentation. Sie verweist darauf, dass nach ihren Informationen „vor Ort kein wolfsabweisender Mindestschutz nach der Richtlinie Wolf bestand“. Dabei könne das Risiko von Nutztierverlusten durch Wölfe durch geeignete Präventionsmaßnahmen zum Herdenschutz wesentlich vermindert werden. „Das Land bietet finanzielle Unterstützung an.“

Schlüter kennt die Argumentation, hat sie dutzendfach gehört oder gelesen, wann immer ein Landwirt im Land mit Nutztierrissen zu kämpfen hatte. „Aber mal ehrlich?“, fragt er, „wer soll den Aufwand leisten?“ Hohe Elektrozäune, Untergrabschutz, Breitbandlitzen, gesonderte Nachtunterbringung, „unmöglich das für alle unsere Tiere zu gewährleisten, da müsste ich bei unserer Form der Bio-Landwirtschaft die gesamte Feldmark einzäunen“. Auch die Anschaffung von Herdenschutzhunden kommt für Schlüter nicht in Frage. „Bei dem regelmäßigen Kontakt mit unseren Schülern viel zu gefährlich“, urteilt der Bio-Landwirt.

Als Kleinbauer hat Schlüter seine Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen. „Bevor wir uns all diesen Aufwand mit den Zäunen machen, der womöglich trotzdem nichts nützt“, sagt er. Im Unterricht haben die Lehrer versucht, es den Schülern zu erklären, darüber hinaus Pro- und Contra-Argumente zum Wolf gesammelt. Eine Schülerin schenkte der Hofgemeinschaft ihr Stoff-Schaf als Erinnerung und schrieb im Namen aller einen kurzen Abschiedsbrief: „Ich oder wir alle hatten traurige Schaftage und damit wir zumindest ein Schaf in Erinnerung haben, schenk ich das euch.“

Ob Landwirt Schlüter jemals wieder Schafe anschafft? „Unter den aktuellen Bedingungen sicherlich nicht“, sagt er. Die Wolle wird die Hofschule in Zukunft von einem anderen Schäfer beziehen. „Traurig“, sagt Schlüter, „aber ich habe für uns keine Alternative gesehen.“

Von Anna Sprockhoff

Das sagt das Wolfsbüro: Zum Schutz der Herde

Das Wolfsbüro Niedersachsen empfiehlt Nutztierhaltern wie Jürgen Schlüter folgende Maßnahmen zum Schutz vor Wolfsangriffen: die Verwendung ausreichend hoher Elektrozäunen, „auch ausreichend hohe Knotengeflecht- oder Maschendrahtzäune, die mit einem zusätzlichen Untergrabschutz ausgestattet werden, haben sich bewährt“.

Als zusätzliche Sicherung könnten Breitbandlitzen („Flatterbänder“) als optische Barriere zur Erhöhung von Zäunen sowie Herdenschutzhunde zum Einsatz kommen. „Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, gefährdete Weidetiere über Nacht in wolfssicher verschlossenen Ställen oder wolfsabweisend gesicherten Nachtpferchen unterzubringen.“

Die Maßnahmen der Richtlinie Wolf sind laut Wolfsbüro „ausgesprochen stark nachgefragt und sehr positiv angenommen“ worden. „Seit 2015 (Gründungsjahr des Wolfsbüros Hannover) wurden rund 700 000 Euro für Präventionsmaßnahmen ausgezahlt (Stichtag: 30. Juni 2017). In diesem Zeitraum wurden mehr als 400 Anträge auf Zuwendungen zu Präventionsmaßnahmen gestellt.

Das Wolfsbüro zieht daher ein grundsätzlich spositives Fazit, „eine darüber hinaus gehende deutliche Ausweitung des Herdenschutzes ist jedoch notwendig.“

8 Kommentare

  1. Na klar, so macht man das. Und nun aber „Feuer frei!“ auf den bösen Wolf und all die anderen bösen Wölfe im Land , wegen denen die ganze Schafherde geschlachtet werden musste. Besser kann man Hass nicht schüren!

    • Die Tier wurden geschlachtet ?! Wo steht denn das ? Wo steht denn „Feuer frei“ ?! Herr Schlüter hat sie abgeschafft um Problemen aus dem Weg zu gehen. Besser kann man Vorurteile nicht schüren !!

  2. Eigentlich bin ich bei diesem Thema neutral. Ich verstehe aber nicht, warum in Ländern wie Italien, Slowakei oder Slovenien es mit der Landwirtschaft klappt. Dort gibt es sehr viel mehr Wölfe. Ich verstehe auch nicht, warum jeder einzele Wolfsriß in Deutschland riesengroße Schlagzeilen bringt. Jetzt wird es auch noch ein Wahlkampfthema. Da frage ich mich, ob es nicht viel wichtiger und dringendere Themen in Niedersachsen gibt….

  3. Moin,
    es ist ein Irrtum, daß in anderen Ländern wie Italien, Frankreich oder auch Skandinavien mehr Wölfe leben als in Deutschland.
    Richtig ist, das es dort „immer“ einige Wölfe gegeben hat, in menschenarmen, teils rcht abgelegenen Regionen.
    Nur in Niedersachsen gibt es aktuell mehr WEölfe als in den“ Wolfsländern“ Schweden, Norwegen und Finland zusammen!!!
    Die Aufmerksamkeit für Wolfsangrffe ist in D auch deshalb so hoch, weil es hier bis vor 15 Jahren so gut wie keine Wölfe gab, jetzt aber, aufgrund vermutlicher Aussetzungen wie auch des ideologisch verteidigten Vollschutzes auch von sich „unnormal“ verhaltenen Wölfe hat dazu geführt, daß der Wolf keine Grenzen kennt, eben weil ihm niemand auch nzur einen Knüppel an den Kopf werfen darf ohne gleich von Ideologen gesteinigt oder zumindest ans Kreus genagelt zu werden.

    In diesem Land sterben Menschen und liegen tagelang in ihren Wohnungen, keine Sau interessierts.
    In diesem Land werden Kinder gequält, alle gucken weg!
    In diesm Land sind Menschen gezwungen, aus Mülltonnen Leergut und verwertbare Essensreste zu suchen, das ist sogar behördlich verboten!

    Aber für Wolfsbüros, Wolfskrankenwagen, Wolkskackeuntersucher und dergleichen ist Geld da wie Wasser.

    Es stimmt offensichtlich was nicht in diesem Lande!

    • Hugo
      Über die genaue Anzahl der Wölfe herrscht Uneinigkeit, sie dürfte zwischen 500 und 1000 liegen. Die Population dehnt sich insbesondere in den Alpen weiter aus. hier ist allein italien gemeint. Hugo , keine märchen bitte, rotkäppchen und der wolf reicht völlig.

  4. @Hugo
    „Nur in Niedersachsen gibt es aktuell mehr WEölfe als in den“ Wolfsländern“ Schweden, Norwegen und Finland zusammen!!!“
    Können sie das belegen bzw. eine belastbare Quelle dazu nennen?
    Lüneburger