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Nach langer Durststrecke geht es wieder aufwärts bei den Preisen für Milchprodukte mit hohem Fettanteil. Im Raum Lüneburg profitieren die Landwirte bislang jedoch kaum davon. Foto: A/lz/t&w

Der Milchpreis steigt — doch wo bleibt das ganze Geld?

Lüneburg. Der Butter-Preis ist auf ein historisches Hoch gestiegen, fast zwei Euro müssen Verbraucher für ein 250-Gramm-Päckchen im Discount er zahlen – mehr als das Doppelte als vor einem Jahr. Nach der Krise in Sachen Milchpreis der letzten beiden Jahre eine gute Nachricht für alle Milchbauern, könnte man zumindest meinen. Tatsächlich haben die Lieferanten der Lüneburger Hochwald-Molkerei im vergangenen Monat nur rund 30,5 Cent pro Liter Milch erhalten.

Viel zu wenig, klagen die Landwirte. Andere Molkereien zahlen aktuell bereits Milchpreise von mehr als 36 Cent pro Liter. Die LZ hat bei der Pressesprecherin der Molkerei-Zentrale in Thalfang, Kathrin Lorenz, nachgefragt – und vier Tage später Antworten zumindest auf drei von sechs Fragen erhalten.

Die Butter ist derzeit so teuer wie lange nicht. Trotzdem haben Ihre Lieferanten in der Region Lüneburg im vergangenen Monat nach eigenen Aussagen nur einen Auszahlungspreis von 30,5 Cent pro Liter Milch erhalten. Andere Molkereien zahlen mehr als 36 Cent. Warum?

Kathrin Lorenz: Hochwald vermarktet eine große Menge der Milch in der weißen Linie (Trinkmilch, Milchmischerzeugnisse, Joghurt, Quark, Dessert, Anmerk. d. Redaktion). Aufgrund der im Sechs-Monats-Rhythmus stattfindenden Kontraktverhandlungen sind Veränderungen des Milchpreises bei starken Marktausschlägen nur zeitversetzt möglich. Bei Käse und Butter wird in der Regel im Ein- bis Drei-Monats-Rhythmus verhandelt.

Es heißt, dass derzeit vor allem Milchfett teuer gehandelt wird. Woran liegt das?

Die weltweite Nachfrage insbesondere nach Milchfett steigt. Insbesondere die Asiaten sind auf den Geschmack der Butter gekommen – allen voran die Chinesen. Im ersten Halbjahr 2017 erhöhten sich die Butter- und Butteröl-Importe allein der Chinesen um gut 20 Prozent auf knapp 5000 Tonnen.

Wie kann man sich das Zustandekommen der Preise konkret vorstellen?
Auch der Milchpreis in Deutschland wird vom Weltmarktgeschehen beeinflusst, also von Angebot und Nachfrage.

Was muss passieren, damit auch Hochwald einen besseren Milchpreis bezahlt?
k.A.

Haben Sie aufgrund der niedrigen Preise bereits Lieferanten im Raum Lüneburg verloren? Wenn ja, wie viele?
k.A.

Wann rechnen Sie mit einer Angleichung der Auszahlungspreise an das Niveau anderer Molkereien?
k.A.

Beim Thema Milchpreis gibt sich die Hochwald-Molkerei zugeknöpft, trotzdem wird eins deutlich: Die Auszahlungspreise am Milchmarkt schwanken extrem. Ergänzend hat die LZ noch mit Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gesprochen. Der geht davon aus, dass in wenigen Wochen die ersten Molkereien in Süddeutschland ihren Lieferanten 40 Cent pro Liter zahlen werden. „Butter und Käse werden akutell teuer gehandelt, entsprechend profitieren die Molkereien, die diese Produkte herstellen.“ Milchpulver hingegen sei nach wie vor fast so billig wie in der Milchpreiskrise. Eine Entwicklung, die Hortmann-Scholten so noch nie erlebt hat.

Hintergrund der starken Schwankungen sei ein neuer Ernährungstrend, genauer: die neue Lust an der Butter. „Noch vor zehn Jahren galt Butter als ungesund, und die Landwirte züchteten ihre Kühe auf Eiweiß- statt auf Fettleistung“, sagt Hortmann-Scholten. „Nun haben sich die Ökotrophologen korrigiert, Butter ist rehabilitiert.“ Die Folge: Die Nachfrage nach Milchfett steigt – und damit zumindest in einigen Molkereien auch die Auszahlungspreise für Milch.

Wann sich die Milchpreise wieder angleichen, kann auch der Fachmann der Landwirtschaftskammer nicht vorhersagen. „Aber ich gehe davon aus, dass sie sich angleichen“, sagt er. Denn auch wenn nicht jede Molkerei Butter oder Käse herstellt, „wird in allen Molkereien Milch mit einem Fettanteil von rund vier Prozent angeliefert“. Molkereien, die das Fett nicht selbst verarbeiten, „schöpfen es in der Regel ab und verkaufen es“, sagt Hortmann-Scholten. „Das heißt, unter dem Strich profitieren alle Molkereien von der hohen Milchfett-Nachfrage.“

Von Anna Sprockhoff