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Das Gebäude am Ochtmisser Kirchsteig, in dem die Aula der Herderschule untergebracht ist, soll abgerissen und in einer kleineren Version neu gebaut werden. Foto: lz/t&w

Herderschule Lüneburg: Die Sorge vor dem Schuhkarton

Lüneburg. Die Herderschule ist seit Jahren Baustelle. Als die Sanierung im Jahr 2003 begann, war klar, dass auch die Aula eines Tages an der R eihe ist. Sie ist das Herzstück des Gymnasiums mit seinem musisch-kulturellen Schwerpunkt, bietet mehr als 500 Zuschauern Platz. Gemeinsam mit dem Schulgebäude wurde sie 1970 errichtet, ist also schon knapp 50 Jahre alt. Energetisch längst überholt, fehlt auch eine Klimaanlage, die Bestuhlung ist alt und nicht allzu komfortabel, die Verdunklung im Saal defekt. Die Stadt hatte angekündigt, das seperate Gebäude abzureißen und an gleicher Stelle neu zu bauen – allerdings würde die Aula deutlich kleiner. Deshalb setzen sich Lehrer, Schüler und Ehemalige stattdessen für eine Sanierung ein.

Stadt plant Investition in Höhe von 4,2 Millionen Euro

Regelmäßig sind die Sitzreihen vor der Bühne mit Publikum gefüllt. Konzerte, Theateraufführungen, Entlassungs- und Einschulungsfeiern sowie Vollversammlungen finden am Ochtmisser Kirchsteig statt, darüber hinaus nach der Schule auch andere kulturelle Veranstaltungen. Schon jetzt passt nicht einmal die Hälfte der Schüler hinein, 1100 Mädchen und Jungen lernen zurzeit an dem Gymnasium. Schulleiter Thorsten Schnell steht gemeinsam mit drei Kollegen in dem geräumigen Saal, während Schüler gerade auf der Bühne für ein Stück proben. Genau diese Atmosphäre wollen Ute Mattheus, sie unterrichtet Darstellendes Spiel, Chorleiter Jan Sielemann und Constantin Blome, Leiter der Aula-AG, erhalten.

Das Trio gehört einer Arbeitsgruppe an, die aus eben diesem Grund zurzeit das Gespräch mit der Stadt sucht. Dabei streben sie keinen Konfrontationskurs an. „Es geht um das Wohl des Schullebens, deshalb hoffen wir, noch Einfluss auf die Pläne nehmen zu können“, sagt Mat­theus. 4,2 Millionen Euro will die Stadt investieren, das klingt nach viel, doch an der Schule fürchtet mancher, dass die neue Aula eine „Schuhkarton-Lösung“ werden könnte. „Das würde den Schulbetrieb erheblich stören.“

In dem Nebengebäude gibt es nebst Aula und Bühne ein Fo­yer und jede Menge Probenräume. Allein die Kurse im Bereich Darstellendes Spiel nutzen den Saal für insgesamt acht Doppelstunden in der Woche. Aber auch die Chöre, in denen mehr als 200 Schüler singen, die Big Bands und die Theaterwerkstatt proben dort. Und dann ist da auch noch die Aula-AG: 14 Schüler lernen zurzeit die Veranstaltungstechnik kennen, seit mehr als 20 Jahren gibt es dieses Angebot. Jugendliche ab Klasse 8 betreuen nicht nur schulinterne, sondern auch externe Veranstaltungen, sie kümmern sich um den Aufbau von Licht, Ton und Bühne, erarbeiten eigenständig Konzepte, bedienen die verschiedenen Pulte. Die Arbeit trägt Früchte: Einige Ehemalige sind heute in der Veranstaltungstechnik tätig.

Sie wollen sich für eine Sanierung der 50 Jahre alten Aula einsetzen, um auch künftig möglichst viele Zuschauer bei Konzerten und Theateraufführungen unterbringen zu können: (v.l.) Constantin Blome, Ute Mattheus und Schulleiter Thorsten Schnell.

Konzerte weisen auf besondere Bedeutung hin

„Die Schule verliert ihr Gesicht, wenn es diese Aula nicht mehr gibt“, sagt Jan Sielemann und lässt diesen Satz erstmal wirken. Für ihn und seine Chöre ist die 100 Quadratmeter große Bühne eigentlich schon jetzt zu klein, er muss oft quasi Tetris spielen und Podeste einsetzen, um die vielen Sänger bei einem Konzert so zu positionieren, dass sie vom Publikum auch gesehen werden. Kabarett-Events, Puppentheater, Podiumsdiskussionen, Comedy-Abende mit dem „Polizisten“ Herrn Holm – all das lockt Besucher oft auch nach dem Unterricht in Scharen her, nicht erst, seit die Nordlandhalle nicht mehr zur Verfügung steht. Zuletzt hat sogar die Wilhelm-Raabe-Schule mangels eigener geeigneter Räume am Ochtmisser Kirchsteig ihre Abi-Entlassung gefeiert.

Dass die Stadt seit Längerem externe Anfragen für die Aula mit der Begründung ablehne, dass diese abgerissen werden soll, habe das Kollegium erst kürzlich erfahren. „Das fühlt sich nicht gut an“, sagt Ute Mattheus. Aber ebenso wie Schnell hat sie die Hoffnung, dass die Abriss-Pläne noch nicht festgezurrt sind.

Von Anna Paarmann

Kapazitätsprobleme am Ochtmisser Kirchsteig: Das sagt die Stadt

Noch sei nichts endgültig entschieden in der Aula-Frage, versichert Pressesprecher Daniel Gritz auf LZ-Nachfrage. Schüler, Eltern, Kollegium, Schulleitung und Schulvorstand seien aufgerufen, Ideen zu entwickeln. Das habe Oberbürgermeister Ulrich Mädge im Sommer auch mit dem Schulleiter besprochen. Fest stehe lediglich, dass das Gymnasium für die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren mit einem zusätzlichen Jahrgang fit gemacht werden müsse.

Das bedeute wohl einen Mehrbedarf von fünf Klassen. Schon jetzt reicht der Platz am Kirchsteig nicht, nutzt die Herderschule die Grundschule Kreideberg als Außenstelle. Die Stadt denke über mobile Wände in der Aula nach, um die Kapazität weiter flexibel nutzen zu können. „Kreative, variable Lösungen sind also gefragt, an denen alle mitwirken können. Was da am Ende passiert, ist aber auch davon abhängig, ob das Land Niedersachsen unser Bildungsfondpaket II genehmigt.“

Momentan sei ein Planungsbeginn im nächsten Jahr vorgesehen, ein Baubeginn 2019, die Fertigstellung zwei Jahre danach, also 2021.

One comment

  1. Die Schule platzt aus allen Nähten, die Schülerzahlen wachsen- aber keine Aula mehr, in der alle sich treffen können? Schon jetzt ist die Aula dafür zu klein.

    Statt kleiner muss deutlich größer neu gebaut werden!