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Kandidaten zur Bundestagswahl: Dr. Julia Verlinden (Grüne)

Lüneburg. Sie war sieben Jahre alt, als das Kernkraftwerk in Tschernobyl explodierte. Julia Verlinden saß mit ihren Eltern und Schwestern beim Abendessen. „Da ist was passiert“, wurde den Mädchen mitgeteilt, „und man weiß noch nicht, wo die radioaktive Wolke hinzieht.“ In ihrem kleinen Kosmos hatte die Katastrophe fatale Auswirkungen: keine Johannisbeeren mehr im Garten pflücken, nicht mehr im Sandkasten spielen. Dass da viel mehr hintersteckt, wusste sie schon als Erstklässlerin.

Und so durfte sie ihre Eltern wenige Wochen später zu einer Anti-Atomkraft-Demo begleiten. 31 Jahre später kämpft Dr. Julia Verlinden noch immer mit dem gleichen Elan für die Umwelt – mittlerweile als Spitzenkandidatin der Grünen in Niedersachsen mit besten Aussichten auf eine zweite Amtszeit im Bundestag.

Mit Elan für die Umwelt kämpfen

Johannisbeeren wachsen auch heute noch in ihrem Garten, mit Quark, Puderzucker und Selter zaubert sie daraus „leckeres Eis“. Doch Hobbys, dazu zählen auch Fitnesskurse beim MTV, bleiben zurzeit auf der Strecke. Die Lüneburgerin steckt mitten in der heißen Wahlkampfphase, ist ständig unterwegs, verbringt viele Stunden im Zug. Denn die 38-Jährige muss neben ihrem eigenen Wahlkreis Lüneburg – Lüchow-Dannenberg Wähler in ganz Niedersachsen bedienen.

Auch zu Hause geht es auch um Politik. Das beginnt schon mit dem Zeitungslesen am Frühstückstisch. „Mein Mann und ich diskutieren aktuelle Themen, wir sind ziemlich oft einer Meinung“, sagt sie und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Er ist auch bei den Grünen.“ Seit 2002 lebt das Paar in einer Wohnung in der Weststadt, wenige Gehminuten von der Natur entfernt.

Von etablierten Parteien nicht mehr überzeugt

Für die Natur interessierte sich die gebürtige Bergisch-Gladbacherin schon als Mädchen. Sie wollte „die Welt retten“, gründete mit Freunden den Club „Bergische Naturschutzlöwen“. Später brachte sie Umweltthemen in die Schülerzeitung, heimste gar Preise ein. Sie engagierte sich bei Greenpeace, im Nabu und beim BUND, half noch vor dem Abitur dabei, eine Fahrrad-Demo für die Energiewende zu organisieren – von Bonn nach Gorleben.

1998 kam sie nach Lüneburg, um Umweltwissenschaften zu studieren. Und schaute das erste Mal bei den Grünen vorbei. „Das war das Jahr des Politikwechsels, 16 Jahre lang war Kohl an der Macht, die Menschen waren bereit für Rot-Grün.“ Verlinden durfte das erste Mal wählen und Teil dieses Aufbruchs sein. „Es ging mir auf den Wecker, dass etablierte Parteien wichtige Entscheidungen getroffen haben, ohne die jüngeren Generationen miteinzubeziehen.“

Grüne sollen dritte Kraft im Parlament werden

Sie wurde Mitglied im Landesvorstand der Grünen Jugend, später auch im Parteivorstand. 2002 wurde sie in den Lüneburger Rat, vier Jahre später in den Kreistag gewählt. 2013 zog sie auf Anhieb in den Bundestag ein. Seither ist Politik ihr Hauptjob.

Jetzt hofft sie, dass die Grünen dritte Kraft im Parlament werden. Ein Wunschpartner für die Koalition? „Uns geht es nicht um Macht, sondern um Inhalte“, sagt Verlinden, die mit ihren Kollegen zehn wichtige Themen für die nächste Legislaturperiode formuliert hat. „Ohne sie können wir uns keine Koalition vorstellen. Dann gehen wir lieber in die Opposition.“

Von Anna Paarmann

Drei Ziele für den Bundestag

Erneuerbare Energien, Gleichberechtigung, Mobilität

Erneuerbare Energien: „100 Prozent Erneuerbare Energien bis 2030, das ist unser Ziel. Gleichzeitig wollen wir den Kohleausstieg verbindlich machen, die 20 schmutzigsten Kraftwerke sofort abschalten. Die Treibhausgasemissionen waren 2016 so hoch wie 2009, zuletzt sind sie sogar wieder gestiegen.“

Gleichberechtigung von Frauen: „Frauen müssen für den gleichen Job auch das gleiche Geld bekommen, deshalb möchten wir in der nächsten Legislaturperiode ein wirksames Entgeltgleichheitsgesetz durchbringen. Bei den Grünen ist die Hälfte der Listenplätze Frauen vorbehalten, darüber sollte man nicht diskutieren müssen.“

Mobilität: „Ich möchte, dass alle Generationen von A nach B gelangen können und zwar sicher, bequem, bezahlbar und klimaschonend. Dafür braucht es aber nicht nur einen sauberen Antrieb in Pkw, es muss auch in den öffentlichen Nahverkehr investiert werden.“