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Die Brunftzeit des Rotwildes hat auch in der Göhrde begonnen. Die Niedersächsischen Landesforsten bieten in der kommenden Woche Führungen mit den örtlichen Förstern an. Symbolbild: angela kraft

Es röhrt im Walde — für das Rotwild beginnt die Brunftzeit

Göhrde/Lüneburg. Ein dumpfes, langgezogenes Röhren ist jetzt wieder in den Wäldern zu hören: der Liebesschrei der Hirsche, waidmännisch Hirschbrunft genannt. Die beginnt nämlich Mitte September wieder. Kühle Nächte versetzen die Hirsche in Brunftstimmung, ihr Röhren ist manchmal kilometerweit zu hören – etwa im Umkreis von Göhrde, Süsing und Raubkammer, aber auch im Naturschutzpark am Wilseder Berg als den größten Rotwildgebieten in der Region Lüneburg.

Brunftzeit bedeutet Stress pur

Gerade für die stärksten der Geweihten, die „Platzhirsche“, bedeutet die Brunftzeit Stress pur, weniger wegen der Fortpflanzungspflicht als vielmehr wegen der ständigen Abwehrbereitschaft gegen konkurrierende Nebenbuhler. Bislang haben die Hirsche gemeinsam in einem Rudel gelebt, nun suchen sie die Nähe des weiblichen Rotwilds, um sich ein Brunftrudel zu erkämpfen.

Hat sich der Hirsch erst einmal ein Rudel erkämpft, geht er gegen alle auftauchenden Nebenbuhler mit lautem Röhren und ritualisiertem Imponiergehabe vor. Dabei wird der Boden mit dem Geweih bearbeitet oder mit den Vorderläufen aufgerissen. Will der Kontrahent nicht weichen, ziehen die Hirsche parallel nebeneinander her. Dann wenden sich die Hirsche plötzlich einander zu und stoßen mit aller Kraft frontal mit ihren Geweihen zusammen, um sich gegenseitig vor sich herzuschieben.

Kräftemessen mit dem Geweih

Dieses Ritual dauert so lange an, bis der Schwächere vor Erschöpfung aufgibt und fluchtartig den Kampfplatz verlässt. Das Rotwild ist die größte Wildart in Deutschland und gehört zu den größten Landtieren Europas. Ausgewachsene Tiere erreichen nicht selten ein Gewicht von über 200 Kilo und eine Schulterhöhe von 1,50 Metern.

Die Hirsche messen ihre Kräfte mit den Geweihen. Selten wird dabei aber ein kämpfender Hirsch vom Nebenbuhler „geforkelt“, der dann den Verletzungen erliegt. Welcher Hirsch siegt, hängt nicht nur von der Geweihstärke ab, sondern von Gewicht, Körpergröße und Erfahrung. Der Kampf um die Vorherrschaft im Rudel bleibt für die Tiere nicht ohne Folgen: Hirsche verlieren bis Mitte Oktober rund 20 bis 30 Kilogramm ihres Gewichtes.

Da die Lust auf Liebe aber auch so manchen Hirsch offenbar blind macht, sollten Autofahrer vor allem abends darauf achten, ob nicht plötzlich ein Hirsch aus dem Wald auf die Straße tritt. Denn eine solche Begegnung kann im Ernstfall für Autofahrer und Geweihträger böse enden.

Von Klaus Reschke und Oskar Lüning

Den Hirschen lauschen: Wanderung zu Brunftplätzen

Die Förster der Niedersächsischen Landesforsten bieten auch in diesem Jahr wieder eine abendliche Wanderung in die Göhrde an. Dabei möchten die Göhrder Forstleute mit Interessierten dem Brunftschrei der Rothirsche lauschen, die lautstark dem weiblichen Rotwild nachstellen.

Gleichzeitig erfahren die Teilnehmer eine ganze Menge Wissenswertes zum Lebensraum Wald und den heimischen Tieren. Termine in der Göhrde sind der 20., 21. und 22. September, jeweils von 18 bis 22 Uhr. Anmeldung und Informationen zum Treffpunkt unter (05855) 97870.

One comment

  1. es sieht hier fast so aus , wie in der politik, wenn wahlen anstehen.