Aktuell
Home | Lokales | Whisky-Destillerie: Land bezuschusst Anbau am ehemaligen Schulamt
Stephan Scheer und Ewald Anton, Mitarbeiter des Architektenbüros Jörg Hilmer, im Erdgeschoss des Gebäudes. Stahlträger stützen dort die Innenwände ab, die nachträglich eine Gründung bekommen müssen. Foto: lz/phs

Whisky-Destillerie: Land bezuschusst Anbau am ehemaligen Schulamt

Lüneburg. Auf der Baustelle an der Egersdorffstraße schaut sich Dr. Frank Nägele intensiv um, schließlich hat er eine Menge Geld im Gepäck. Doch der Staatssekre tär im niedersächsischen Wirtschaftsministerium findet nur lobende Worte: „Wir freuen uns, dass es Menschen wie Herrn Scheer gibt, die sich der Sanierung historischer Bausubstanz annehmen.“

Der Bleckeder Unternehmer Stephan Scheer saniert seit dem Frühjahr das denkmalgeschützte Haus. Entstehen soll hier ein Hotel mit bis zu 40 Zimmern, in einem Nebengebäude eine „Whisky-Destille“. Für die hatte Nägele einen Förderbescheid in Höhe von 190 000 Euro dabei.

Projekt zu 95 Prozent geschafft

Viele Jahre war das Haus, in dem einst das städtische Schulamt untergebracht war, in einem bedauerlichen Zustand, es verfiel zunehmend. Seinen Ursprung hat es im Jahr 1438, es wurde damals für den Syndicus der Stadt auf dem sogenannten Winterberg errichtet. Scheer kaufte das Haus 2013 von der Stadt, um Altes zu bewahren und neues Leben einziehen zu lassen, wie er ankündigte.

Ein aufwändiges Projekt, weil unter anderem eine zusätzliche Gründung der Hauswände erfolgen musste, um das Gebäude standsicher zu machen. Das Konzept für die Stabilisierung hat Architekt Jörg Hilmer entwickelt. „Zu 95 Prozent haben wir das inzwischen geschafft“, erläuterte Scheer.

Andrea und Stephan Scheer erläuterten Dr. Frank Nägele (r.) anhand einer Visualisierung die Planungen für die Sanierung des Gebäudes, neben dem eine Whisky-Destille entstehen wird. Foto: lz/phs

Schlafen im Eichenfass 

Im Erdgeschoss sind alle Innenwände mit Stahlträgern abgefangen, weil auch die Wände nachträglich noch eine Gründung bekommen müssen. In einem weiteren Schritt wird dann der Sandboden bis auf die Kellersohle herausgehoben, denn im ganzen Gebäude sollen die alten Kellergewölbe wieder hergestellt werden. Steine werden zum Teil ausgebaut, registriert, gesäubert und wieder eingebaut werden, marode Steine nachgeformt.

„Jedes Gewölbezimmer soll ein Hotelzimmer werden, große Eichenfässer als Betten dienen“, schildert Scheer eine seiner Ideen. Behutsam restaurieren lassen will Scheer zudem die bedeutenden Deckenmalereien im Erdgeschoss. Das ganze Projekt werde in enger Absprache mit der Denkmalpflege realisiert. Für den Erhalt der Gebäudesubstanz können Zuschüsse aus der Städtebauförderung beim niedersächsischen Sozialministerium eingeworben werden.

Whisky-Destillerie findet Anklang in Hannover

Direkt neben dem denkmalgeschützten Haus soll die Whisky-Destillerie entstehen. Scheer hatte dafür einen Förderantrag beim Wirtschaftsministerium gestellt. Sein Projekt fand Anklang in Hannover, weil es den Erhalt historischer Bausubstanz verbindet mit einer interessanten Nutzung, wie Nägele und die Lüneburger SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers deutlich machten.

Im November wolle er die Brennanlage für die Destille kaufen, „inklusive dreier Lehrgänge“, verriet Scheer. Allerdings bräuchten Whisky und Gebäude Zeit zum Reifen. Voraussichtlich Ende 2019 könnte das Hotel eröffnen. as