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Avacon-Projektleiter Martin Bruns hält die Stromkabel in den Händen, die zurzeit in Teilen der Samtgemeinde Ostheide verlegt werden. Auf insgesamt fünf Kilometer Länge werden Freilandleitungen ersetzt. Foto: kre

Strom fließt unter der Erde

Süttorf. Strom kommt in der Samtgemeinde Ostheide auch weiter aus der Steckdose – nur, dass die Energie auf dem Weg zum Verbraucher künftig durch die Erde geleitet wird. Spezialisten einer Lüneburger Leitungsbaufirma sind zurzeit dabei, im Auftrag des Energieversorgers Avacon zwischen Neetze, Süttorf, Thomasburg und Wiecheln entsprechende Erdkabel zu verlegen. Sie sollen die vorhandenen Freilandleitungen ersetzen. Projektleiter Martin Bruns und Pressesprecher Ralph Montag stellten das Projekt jetzt vor.

Die rund 500.000 Euro teure Baumaßnahme sei aus zwei Gründen notwendig: „Wir erhöhen dadurch die Versorgungssicherheit in der Region“, erläutert Bruns. Stromausfälle, hervorgerufen durch Stürme, umstürzende Bäume oder Schneekatastrophen, gehören künftig der Vergangenheit an. Pressesprecher Montag verdeutlicht: „Unter der Erde liegen die Stromkabel sicher“. Außerdem verfügen die modernen Erdkabel über einen größeren Querschnitt als die alte Freileitung. Dadurch könne der Energieversorger auch langfristig die Aufnahme des ständig wachsenden Anteils dezentral erzeugten Stroms gewährleisten.

Moderne Stromleitungen müssen zwei „Fahrspuren“ besitzen

„Man muss sich die Stromleitung wie eine Straße vorstellen“, versinnbildlicht Montag. Alte Stromtrassen seien quasi Einbahnstraßen. „Da gab es nur das Energieunternehmen, das den Strom produzierte und lieferte“.  Moderne Stromleitungen hingegen müssten, um im Bild zu bleiben, zwei „Fahrspuren“ besitzen. Denn inzwischen werde auch immer mehr regenerativer Strom von Biogasanlagen-Betreibern, von Solar- und Windparks in das öffentliche Stromnetz eingespeist. „Auch auf diese Entwicklung reagieren wir mit dem Verlegen neuer Mittelspannungskabel“, erklären Martin Bruns und Ralph Montag unisono.

Insgesamt 5000 Meter Erdkabel werden auf den Teilstrecken von Neetze nach Süttorf, von Süttorf nach Thomasburg und von Thomasburg nach Wiecheln verlegt. Allerdings bestehen die Stromkabel nicht aus Kupfer, sondern haben einen Aluminiumkern. „Aluminium ist erstens leichter und zweitens wirtschaftlicher“, erläutert Lennart Sicha von der bauausführenden Firma Kuhlmann. So wiege Aluminium rund 70 Prozent weniger als Kupfer. Nichtsdestotrotz bringt eine Kabeltrommel mit 1000 Meter Mittelspannungskabel noch immer 2,5 Tonnen auf die Waage. „Und wir haben jeweils drei davon auf dem Lkw“, erklärt Sicha.

Aluminium ist günstiger als Kupfer

Dass Aluminium günstiger als Kupfer ist, erklärt sich mit der Verfügbarkeit beider Rohstoffe. Während Aluminium das am dritthäufigsten vorhandene Element der oberen Erdkruste ist (nach Sauerstoff und Silizium) steht Kupfer im Rohstoffranking auf Platz 25.

Beim Verlegen der neuen Mittelspannungskabel entlang der Kreisstraßen 14 und 28 kommen verschiedene Geräte zum Einsatz, etwa eine Grabenfräse und ein Kabelpflug. Um den Baumbestand im Bereich der Kabeltrasse zu schützen, werden außerdem 900 Meter Kabel im Horizonalbohrverfahren verlegt.

Dazu wird zunächst die „Pilotbohrung“ durchgeführt, das heißt, Bohrer und Bohrgestänge werden unter dem zu unterquerenden Hindernis horizontal durchgetrieben. Dann folgt die „Aufweitung“ auf einen größeren Durchmesser. Dazu wird an den noch im Bohrloch befindlichen Bohrstrang an der Austrittsseite der Bohrung ein Bohrwerkzeug – der „Räumer“ – montiert.

Der wird drehend durch den Boden zur Bohranlage gezogen und weitet dabei aufgrund seines größeren Außendurchmessers das Bohrloch auf den gewünschten Durchmesser auf. Zugleich wird ein Rohr in das entstandene Bohrloch gezogen. „Da liegen zum Schluss die Stromkabel drin“, erklärt Bruns, der hofft, dass die Arbeiten Ende Oktober abgeschlossen sein werden.

Von Klaus Reschke