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Der tägliche Blick in die Landeszeitung ist für Hiltrud Lotze (SPD) wichtig, um sich darüber zu informieren, was in ihrem Wahlkreis passiert.

Kandidaten zur Bundestagswahl: Hiltrud Lotze (SPD)

Lüneburg. Auf dem Esstisch in ihrer Lüneburger Wohnung türmen sich Wahlkampfbroschüren, Unterlagen für Veranstaltungen und Zeitungsartikel. Das gemütliche Sofa im Nebenraum lädt zum Entspannen ein, aber vor der Bundestagswahl kann Hiltrud Lotze (59) daran höchstens mal denken. Und überhaupt: Zu Hause sitzen und meckern über das, was gesellschaftspolitisch passiert, sei nie ihr Ding gewesen, macht die SPD-Bundestagsabgeordnete deutlich. „Ich wollte lieber mitgestalten und engagiere mich gerne für die Belange der Menschen.“ Dabei sei ihr der Dialog mit den Menschen in ihrem Wahlkreis Lüchow-Dannenberg/Lüneburg zentrales Anliegen, um zu erfahren, wo der Schuh drückt und was Bürger, Vereine und Institutionen von der Politik in Berlin erwarten.

Ihre Liebe zur Natur ist in ihrem Geburtsort Bauhaus begründet. Ein 120-Seelen-Ort in Nordhessen, wo ihr Vater Förster war. Mit Spielkameraden im Wald herumzutollen, das sei paradiesisch gewesen. Nach dem Realschulabschluss macht sie eine Ausbildung beim Deutschen Wetterdienst, wechselt 1978 nach Hamburg. Parallel zum Job besucht sie das Abendgymnasium, macht Abi mit 29. In jener Zeit tritt sie in die SPD ein, weil die schon immer für soziale Gerechtigkeit gestanden habe und Politiker wie Otto Wels, der den Nationalsozialisten die Stirn geboten hat, und Willy Brandts Ostpolitik sie beeindruckt haben.

Kurzinterview mit Hiltrud Lotze

Sozial- und Kulturgeschichte sind dann die Schwerpunkte, als sie das Studium der Angewandten Kulturwissenschaften an der Lüneburger Uni aufnimmt. Danach arbeitet Lotze in der Erwachsenenbildung – bis Hedi Wegener für die SPD 1998 in den Bundestag einzieht. Von da an managt sie zehn Jahre deren Wahlkreisbüro. Kommunalpolitisch verankert ist Hiltrud Lotze seit 2001 im Stadtrat, 2004 wird sie Ortsvereinsvorsitzende.

Als Wegener 2009 bei der Bundestagswahl nicht mehr antritt, kandidiert Hiltrud Lotze – es klappte nicht. Sie verhehlt nicht, dass es gedauert habe, das „zu sortieren“. 2013 tritt sie erneut an, kommt über die Liste rein. Berlin, das sind Ausschuss- und Plenarsitzungen sowie Veranstaltungen bis in den späten Abend. Durchschnaufen am Wochenende mit Ehemann Hennig Thürnagel, der ihr daheim den Rücken frei hält. Aber Berlin, das ist ihr „Traumjob, weil man viel für den Wahlkreis bewegen kann“. Da geht es zum Beispiel um Fördermittel, für die sie sich als Mitglied des Kulturausschusses stark machen kann. Drei Millionen Euro seien unter anderem so für die Sanierung des Rathauses geflossen. Als Mitglied des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bauen und Reaktorsicherheit habe sie sich dafür eingesetzt, dass Gorleben kein geeigneter Standort für ein atomares Endlager ist.

Seit zwei Monaten heißt es Klappern fürs SPD-Regierungsprogramm: Gerechtigkeit ist das Schlagwort, in Bildung, Arbeit, für Familie, Rente und Europa. Hausbesuche, Stände, Veranstaltungen. Die Umfragewerte habe sie nicht gezielt im Blick. „Ich gehe auf die Leute zu und werbe für meine persönliche Arbeit.“ Mit Blick auf den 24. September ist für sie eines nur etwas schwer erträglich: dass die AfD in den Bundestag einziehen könnte.

Von Antje Schäfer

Drei Ziele für den Bundestag

Bildung, Löhne und schnelles Netz

Gebührenfreie Bildung, bessere Schulen. „Ich will, dass alle Kinder die gleiche Chance auf gute Bildung haben. Deswegen: Schluss mit dem Kooperationsverbot. Damit der Bund Länder und Kommunen besser unterstützen kann: für Gebührenfreiheit von Kita über Ausbildung bis Master und Meister, für moderne Schulen (auch Berufs- und Hochschulen) und bessere Ausstattung, mehr Ganztag, mehr und gut ausgebildete Lehrer.“

Gleiche Arbeit – gleicher Lohn! „Männer und Frauen sollen gleichviel verdienen. Lohnungerechtigkeit gehört endlich abgeschafft. Das Rückkehrrecht in Vollzeit muss kommen.“
Gute Verkehrs- und Internetanbindungen. „Schnelles Internet für alle in der Stadt und auf dem Land. Und jeder muss von seinem Wohnort aus mit Öffentlichem Personennahverkehr zum Arzt, zur Behörde oder zum Einkaufen kommen.“