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In der Gemeinschaftsküche sitzt die WG oft zusammen. Anna Klein mag den Trubel, sie freut sich, dass "eigentlich immer jemand da ist". Hier sitzt sie mit ihren Mitbewohnern Jannek Prahl (l.) und Julius Bußmann zusammen. Foto: lz/phs

Wohnungsmarkt Lüneburg: 1500 Studenten suchen günstige Bleibe

Lüneburg. Der Wohnungsmarkt in Lüneburg ist überlaufen: Bei der Suche nach einer bezahlbaren Bleibe verzweifeln viele – junge Familien, Alleinstehende, Senioren . Nun, kurz vor Semesterstart, suchen auch wieder viele Studenten ein Dach über dem Kopf. Dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird, zeigt eine Untersuchung des Moses Mendelssohn Instituts (MMI). Es hat insgesamt 93 deutsche Hochschulstädte mit mehr als 5000 Studenten in den Blick genommen und einen Anspannungsindex für alle Standorte ermittelt. Lüneburg liegt in der Rangfolge auf Platz 39.

Wohnunbgsmarkt Lüneburg analysiert

Gemeinsam mit dem Immobilienportal „WG-Gesucht.de“ hat das Institut analysiert, wie teuer das Wohnen in den 93 Städten ist. Danach kostet bereits ein WG-Zimmer im bundesweiten Durchschnitt 353 Euro, in Lüneburg ist das Wohnen mit 323 Euro sogar etwas günstiger (2014: 300 Euro). Teuerster Standort ist München mit 570 Euro, in Cottbus kostet die Bleibe dagegen mit 208 Euro fast nichts.

Die offizielle Wohnkostenpauschale, die laut BAföG-Satz gilt, liegt bei 250 Euro. Dr. Stefan Brauckmann, Direktor des Instituts, benennt das Problem: „Diese Pauschale spiegelt die Situation gerade in nachgefragten Hochschulstädten in keiner Weise wider.“ Auf dem freien Wohnungsmarkt sei es nahezu unmöglich, mit dem Budget eine Bleibe zu finden. „Besonders schwierig ist die Situation jetzt zum Wintersemester-Start für Studenten, die in der bisher fremden Hochschulstadt nicht vernetzt sind und nur wenig Zeit zwischen Studienplatzzusage und Semesterbeginn haben.“

Anna Klein hatte Glück, über Kontakte ist sie an das geräumige WG-Zimmer in einem Studentenwohnheim direkt auf dem Campus gekommen. Dort wohnt die 21-Jährige mit acht anderen Studenten zusammen. Die junge Frau kommt ursprünglich aus Bremerhaven, in Lüneburg studiert sie ab Oktober Kulturwissenschaften.

Nur ein Drittel profitiert von niedrigen Preisen

Für eine Anhebung des Satzes spricht sich auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Leuphana aus, er ist Anlaufstelle für viele verzweifelte Studenten und kennt sich mit der Wohnungsproblematik vor Ort aus. Sprecherin Léa Oltmanns: „Wir sehen es als sehr kritisch an, dass der BAföG-Zuschuss zum Wohnen bei 250 Euro liegt.“

In einigen der sechs Wohnheime, die das Studentenwerk in Lüneburg betreibt, kostet ein WG-Zimmer weniger als der bundesweite Durchschnitt. Aber davon profitiert auch nur etwa ein Drittel der neuen Studenten, die Mitte Oktober hier in einen neuen Lebensabschnitt starten möchten. 1500 junge Menschen stoßen dazu, das Studentenwerk hat nur Platz für 495. Pressesprecherin Petra Syring sagt, dass die Wohnheime durchgängig ausgebucht seien. „150 Studenten stehen derzeit noch auf der Warteliste für das kommende Wintersemester.“

Orientierung am Marktpreisniveau

Dass vor allem die Zimmer mit einer Größe von 20 Quadratmetern teurer als der Durchschnitt sind (siehe Info-Box), begründet Syring mit der Wirtschaftlichkeit. „Wir müssen uns an den Marktpreisen orientieren, haben aber mit den Stromanbietern schon gute Konditionen ausgehandelt.“ Dass die Mietpreise in den vergangenen Jahren aber durchaus auch mal angehoben wurden, begründet Syring mit den fehlenden Zuschüssen vom Land. „Früher gab es Geld für die Sanierung und den Neubau von Wohnheimen, heute müssen wir alles aus eigener Tasche bezahlen und die Kosten entsprechend auch auf die Studenten umlegen.“

Erst im vergangenen Jahr wurde ein Wohnheim an der Lessingstraße eingeweiht, ein privater Investor hatte das Gebäude saniert und dem Studentenwerk für eine langfristige Anmietung angeboten (LZ berichtete). Ein neues Projekt sei aktuell nicht geplant, sagt die Sprecherin. Immer wieder gebe es aber solche Angebote. „Wir prüfen sie, müssen aber häufig ablehnen, weil die Mietkosten auf Dauer zu hoch wären.“ Denn ein WG-Zimmer für 400 Euro wolle man Studenten nicht anbieten, „das kann sich ja keiner leisten“.

Von Anna Paarmann

Preise für studentische Unterkünfte: Das kostet ein Zimmer

Studentenwohnheim Munstermannskamp:

▶ 15 Quadratmeter, möbliert, inklusive Nebenkosten: 303 Euro
▶ 20 Quadratmeter, möbliert, inklusive Nebenkosten: 372 Euro

Salzbrückerstraße:

▶ 13 Quadratmeter, möbliert, inklusive Nebenkosten: 255 Euro
▶ 16 Quadratmeter, möbliert, inklusive Nebenkosten: 277 Euro

Erstsemesterhaus William-Watt-Straße:

▶ 15 Quadratmeter, möbliert, inklusive Nebenkosten: 349 Euro

Freie Kapazitäten in Rettmer und Oedeme: Wohnen in der Flüchtlingsunterkunft

Die Stadt möchte für Studenten wieder freie Zimmer zur Miete in den Flüchtlingsunterkünften in Rettmer und Oedeme anbieten. Damit habe sie seit einem Jahr gute Erfahrungen gemacht. Pressesprecher Daniel Gritz sagt, dass die Studenten mit Kindern Fußball gespielt, sich an Gemeinschaftsaktionen beteiligt hätten und von den Familien zum Tee eingeladen wurden.

„Sie leisteten auch Hausaufgabenhilfe – alles immens wichtige Beiträge zur Integration von Geflüchteten.“ In Rettmer kostet ein 15-Quadratmeter-Zimmer 150 Euro, Nebenkosten inklusive. Kontakt: mietbuero@stadt.lueneburg.de

5 Kommentare

  1. Schneider Dörden

    Studenten haben es wesentlich leichter als z B HartzIV-Empfänger oder andere Menschen am Rande der Armutsgrenze, in dieser Stadt Wohnraum zu finden. Die Verantwortlichen rund ums Hansviertel gönnen sich zwar ein paar „Quotenarme“ zur Augenwischerei, ansonsten wird schön selektiert, mehr gut situierte bürgerliche Alleinstehende, die sich den Luxus gönnen, halbtags zu arbeiten oder nach Erhalt eines Wohnberechtigungsschein einfach wieder Stunden aufstocken, prüft ja keiner nach, wenn die Ansprüche verfallen. Die wirklich sozial Schwachen müssen wie gehabt draussen bleiben, diese werden weiterhin nach Kaltenmoor ausgelagert. In Lüneburg gäbe es keine Wohnungsnot, wenn die Verantwortlichen zumindest einen Teil des Geldes statt in Universitätsprunkbauten in ehrlich gemeinten sozialen Wohnungsbau gesteckt hätten.

  2. Norbert Kasteinecke

    Freie Kapazitäten in Rettmer und Oedeme: Wohnen in der Flüchtlingsunterkunft

    Steht da auch im Mietvertrag : auf eigene Verantwortung?

  3. Mauscheleien bei §5-Scheinen, vielleicht ein Thema, dem man nachgehen sollte?

  4. Der „§5-Schein“ heißt inzwischen „§8-Schein“ oder WBS. Zu mauscheln braucht da keiner mehr. Schwarz-gelb in Hannover hat es vor 8 Jahren geschafft, die Zugangsvoraussetzungen für WBS dermaßen aufzuweichen, daß im Prinzip JEDER eine mit Steuergeldern geförderte Wohnung mieten kann. Die Einkommensgrenze ist illusorisch hoch, also nur symbolisch, und nach Vermögen (Bankguthaben, Aktien, Immobilien) darf nicht mehr gefragt werden.

    Ich wette, daß sogar Klaus Bruns mit seiner schuldenfreien Villa im fernen Reppenstedt ohne weiteres WB-Scheine bekommt, wenn er in LG eine oder mehrere günstige Nebenwohnungen anmieten will (Die Scheine kann er sich in LG, Winsen, Hittfeld und Uelzen holen, damit’s nicht so auffällt). Und wenn Herr Bruns erst mal die Mietverträge unterschrieben hat, kriegt ihn kein Amt mehr raus, denn die Kündigung von fehlbelegten Sozialwohnungen hat schwarz-gelb gleich mit abgeschafft.

    Warum sollen sich Investoren rumschlagen mit lästigen Hartz4-Mietern, alleinerziehenden Müttern, Migranten oder Wohngeldrentnern „mit schmalem Geldbeutel“, wie es in der LZ immer so schamvoll heißt, wenn sie sich die solventen Mieter für ihre „Sozial“-Wohnungen quasi frei aussuchen dürfen? „Quotenarme“ braucht es da gar nicht.

    In Hamburg kann die wohnungssuchende pensionierte Lehrerin, die Mittelstandsfamilie oder der selbständige IT-Berater von den paradiesischen Zuständen in Lüneburg nur träumen. Wen wundert’s, daß sie auf den steuersubventionierten Wohnungsmarkt im südlichen Speckgürtel ausweichen? Anders als in HH bekommen sie ihren WBS hier hinterhergeschmissen, die Mieten sind günstig und die Investoren freuen sich, daß sie ihre „Sozial“-Wohnungen nicht an „riskante“ Mieter „mit schmalem Geldbeutel“ vergeben müssen.

    Herr Fahrenwaldt kann hier noch so viel Steuergeld für den „sozialen“ Wohnungsbau fordern, Damit hilft er allenfalls den Investoren, aber bestimmt nicht einkommensschwachen Haushalten ohne Vermögen.

    Ob das so bleibt, hat jeder Wähler am 15. Oktober in der Hand.

  5. Warum baut man überhaupt Sozialwohnungen, wenn da jeder einziehen darf?