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Seit einigen Wochen laufen die Sanierungsarbeiten an der Kreisstraße zwischen Bardowick und Wittorf - auch hier sind die Baukosten gegenüber der Planung des Landkreises in die Höhe geschossen. Foto: A/lz/t&w

Neubauten und Sanierungen: Preise kennen nur eine Richtung

Lüneburg. Das wird teuer für die öffentliche Hand und damit für den Steuerzahler. Ob im Landkreis oder in der Hansestadt Lüneburg, beim Tiefbau oder Hochbau – d ie Preise im Bauwesen sind in diesem Jahr im Vergleich zu 2016 kräftig gestiegen.

Ausgaben in Höhe von 11 Millionen geplant

Rund elf Millionen Euro hat der Landkreis Lüneburg im laufenden Jahr an Investitionen in seine Liegenschaften geplant – den mit Abstand größten Teil davon in Neubauten und Sanierungen seiner Schulen. Von „gravierenden Preissteigerungen gegenüber 2016“, berichtet Detlef Beyer, Leiter des Fachdienstes Gebäudewirtschaft beim Landkreis.

„Wir haben einen Auftragnehmermarkt, keinen Auftraggebermarkt mehr“, sagt Beyer. Gründe für die Preissteigerungen gebe es mehrere, etwa das niedrige Zinsniveau, den Fachkräftemangel, aber auch höhere Materialpreise. So sei allein der Stahlpreis gegenüber dem Vorjahr um mehr als 30 Prozent gestiegen.

Wie dramatisch die Kosten in die Höhe geschossen sind, macht Beyer an Beispielen deutlich. So hatte man für das Gewerk „Abbruch“ des Südflügels der Oberschule innerhalb des achten Abschnitts der Sanierung des Schulzentrums Scharnebeck 73 300 Euro eingeplant. Vier Unternehmen bewarben sich in der europaweiten Ausschreibung. Beyer: „Das günstigste Angebot lag bei 112 000 Euro, das höchste bei mehr als 263 000 Euro.“

Sporthalle der BBS geht ins Geld

Noch extremer wurde der Landkreis bei der Ausschreibung für die Heizungsanlage der neuen Zweifeld-Sporthalle an den Berufsbildenden Schulen erwischt. Rund 131 000 Euro hatte die Berechnung des Landkreises ergeben. Die eingegangenen Angebote lagen zwischen 306 000 und 337 000 Euro.

Ähnlich dramatisch ist die Kostensteigerung für die Elektroarbeiten an der Halle: Knapp 262 000 Euro betrug der Ansatz des Landkreises. Gabriele Osius, im Fachdienst Gebäudewirtschaft unter anderem für dieses Projekt verantwortlich: „Auf unsere Ausschreibung gab es kein einziges Angebot.“ In der folgenden beschränkten Ausschreibung gab es dann Angebote, die weit über dem Doppelten der Landkreis-Ansätze lagen.

Was für den Hochbau gilt, hatte zuvor auch Jens-Michael Seegers, Leiter des landkreiseigenen Betriebs Straßenbau und -unterhaltung (SBU) bestätigt. In einer Sitzung des Betriebs- und Straßenbauausschusses des Kreistags hatte er über die oft „sehr günstigen“ Ergebnisse berichtet, die man noch im Vorjahr bei Projekten erzielt hatte. Seegers: „In diesem Jahr ist das leider ganz anders.“ Auch anders als in den Vorjahren, so Seegers, würden nach Ausschreibungen nur wenige Angebote eingehen. Und die, so der SBU-Chef weiter, lägen zuweilen zwischen 50 und 100 Prozent über den eigenen Kalkulationen.

Beispiele für die eklatanten Kostensteigerungen

Für den Radweg an der Kreisstraße 28 von Vastorf nach Barendorf waren 600 000 Euro kalkuliert worden – nach Vorliegen der Angebote waren die Kosten um 215 000 Euro höher.

Viel mehr hat der Landkreis für die Sanierung der Kreisstraße 31 zwischen Bardowick und Wittorf hinzulegen: 1,4 Millionen statt der geplanten 780 000 Euro. Die Baukosten für die Einrichtung des Radwegs an der Kreisstraße 2 zwischen Rullstorf und Jürgenstorf betragen 1,52 Millionen Euro statt der vom Landkreis errechneten 935 000 Euro. Und die Anzahl der interessierten Unternehmen war gering: Es gab nur zwei Anbieter.

Insgesamt dürften die Investitionen des Landkreises in seine Straßen und Radwege in diesem Jahr um 1,5 Millionen Euro höher sein als geplant. Seegers: „Wir haben uns entschieden, dennoch alle Maßnahmen zu verwirklichen. “ Weil die Baumaßnahmen mit 60 Prozent durch Land und Bund gefördert werden, steigt der zusätzliche Eigenanteil für den SBU um rund 400 000 Euro.

Auch die für dieses Jahr geplanten Hochbauten des Landkreises sollen trotz der Kostensteigerungen verwirklicht werden. Beyer wird dafür Mehrkosten im Haushalt anmelden. 2018 müsse man die geplanten Baukosten von vornherein höher ansetzen – ob dann noch soviel gebaut werden kann, wie in diesem Jahr, bleibt abzuwarten.

Von Ingo Petersen