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Die letzte Pause vor dem Gefecht, Zeit zum Verschnaufen und Überprüfen der Ausrüstung. Foto: lz/kre

Göhrdeschlacht: Napoleons Ende als Schauspiel

Nahrendorf. Sergeant Martin Andrezejewsky vom „2. Westfälischen Linienregiment“ rückt seine Ausrüstung zurecht, prüft noch einmal seine Muskete und gibt letzte Befehle an seine Soldaten. Denn gleich geht’s im Gleichschritt ab aufs Schlachtfeld. Da warten schon die Feinde. Kanonen donnern, Vorderlader knallen, Pulverdampf hüllt die Kämpfenden ein. Doch keiner wird getötet, zum Glück auch niemand verletzt.

Alle zwei Jahre Göhrdeschlacht

Denn der Tag, an dem auf den Steinker Höhen tatsächlich rund 1000 Soldaten qualvoll im Kampf fielen, getroffen von Bleikugeln, zerfetzt von Schrapnells, gestorben an Blutvergiftung, Wundbrand und Entkräftung, liegt mehr als 200 Jahre zurück. Jetzt wird das blutige Gemetzel von einst zwischen Napoleons Truppen und den Alliierten als buntes Spektakel nachgespielt.

Das Schlachten-Getöse fasziniert auch immer wieder die Zuschauer: Rund 2500 Besucher waren es wieder, die die Kämpfe der Truppen beobachteten, im Feldlager das Gespräch mit den Darstellern suchten und vor allem auch alles fleißig filmten.

Die Nachstellung der Göhrdeschlacht findet alle zwei Jahre statt, organisiert wird das Programm von der Samtgemeinde Dahlenburg und dem Museumsverein, der Napoleonischen Gesellschaft und dem Lützow’schen Freikorps von 1813 Reinbek e.V..

Eine Zeitreise zu den Befreiungskriegen

Es sind Hausmeister, Lehrer, Rentner, Geschäftsleute und Handwerker, die für ein Wochenende in möglichst originalgetreuen Uniformen Lagerleben und Schlachten von einst nachempfinden wollen. Und das nach Möglichkeit bis ins kleinste Detail. Das heißt: Schlafen in Zelten, in denen zumeist nur etwas ausgestreutes Stroh vor der aufsteigenden Kälte wärmt.

Gekocht wird auf offenem Feuer – so wie es die Soldaten vor 200 Jahren auch machen mussten. Manche von ihnen waren eine Woche – zu Fuß – unterwegs, um das Spektakel in der Göhrde zu erreichen. Aus Pinneberg sind eigens Mike Zebulla, Christian Schröder und Martin Milde angereist. Heute kann man getrost feststellen: Bequem geht anders.

Aber bequem wollen es Martin Andrezejewsky und seine rund 300 Mitstreiter auch gar nicht haben. „Natürlich fällt es dem einen oder anderen schwer, sich zwei, drei Tage lang mal nicht zu waschen“, sagt Heinz Harwardt, der die Uniform eines Feldwebels des Lützow’schen Freikorps trägt und im echten Leben sein Geld als Hausmeister verdient: „Wir stellen die Geschichte nach und wir wollen zeigen, was die Soldaten leisten und aushalten mussten.“ Es gehe um erlebbar gemachte Geschichte und nicht um die Verherrlichung von Militärgeschichte.

Henry Osterbart (l.) und Heinz Harwardt vom Lützow‘schen Freikorps. Im echten Leben sind die beiden Grundschullehrer und Hausmeister.

Versöhnliches Ende statt blutigem Gemetzel

Dem kann Claus Löscher nur zustimmen, der ebenfalls auf Seiten der Lützow’schen Freikorps kämpft und die Kanone bedient. Eine „Drei-Pfünder“ die, wenn sie denn mit einer Kugel scharf geladen wäre, bis zu 1000 Meter weit schießen würde. Doch geladen wird das Geschütz nur mit Pulver.

Das wäre auch fatal, denn am Ende des Gefechts gehen Freund und Feind wieder friedlich vereint zurück ins Lager und trinken dann gemeinsam das eine oder andere Bier zusammen. Schließlich will man sich spätestens in zwei Jahren wieder mit viel Pulverdampf und Geknalle gegenüberliegen – beim nächsten Göhrdeschlacht-Spektakel.

Dieses versöhnliche Ende war 1813 vielen Soldaten freilich nicht vergönnt. Sie blieben gefallen auf dem Schlachtfeld zurück. Mit einer Feier am Denkmal wurde ihrer auch an diesem Wochenende gedacht.

Von Klaus Reschke

Bedeutung der Schlacht: Napoleons Ende eingeläutet

Am 16. September 1813 wurden die Franzosen geschlagen. 3000 Mann stand eine alliierte Übermacht von mehr als 12 300 Soldaten gegenüber. Preußen und Mecklenburger, Hanseaten und Hannoveraner, Russen, Schweden und Engländer kämpften und siegten gegen die ebenso bunt zusammengewürfelten französischen Truppen.

Die Franzosen verloren an den Steinker Höhen zudem eine wichtige Nachschubverbindung. Und nur einen Monat später erlitten sie in der Völkerschlacht bei Leipzig die entscheidende Niederlage.