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Der Radspeicher am Bahnhof soll sicherer werden, doch die Politik ist zögerlich. Foto: lz/t&w

Geiz der Lüneburger Politik freut Fahrraddiebe

Lüneburg. Es wird weiter geklaut: Fahrräder oder auch Teile davon wie Lampen und Sättel verschwinden nach wie vor regelmäßig im Fahrradparkhaus am Bahnhof. „Uns ere Mitarbeiter werden immer wieder von Kunden angesprochen“, berichtet der Chef des Radspeichers, Malte Meyners. Er betreibt das Fahrradgeschäft im Gebäude, die Stellflächen für insgesamt 1333 Drahtesel gehören der Stadt.

Meyners verkauft in Kooperation mit der Kommune Parktickets. Er bedauert, dass die Politik im vergangenen Jahr Ausbaupläne gekippt hat, nach denen der Radspeicher sicherer werden sollte. Die Gruppe aus CDU, Grünen und FDP sowie die Linke setzten bekanntlich im März dieses Jahres im Rat andere Prioritäten und verschoben das Projekt. SPD und AfD stimmten anders ab.

Bahnhof Schwerpunkt des Fahrraddiebstahls

Für die Polizei ist der Bahnhof seit Jahren ein Schwerpunkt des Fahrradklaus. „Bis Ende Juli war der Bereich 56 Mal Tatort“, sagt Polizeisprecher Kai Richter. Rund 400 Diebstähle seien der Wache bis dahin in diesem Jahr gemeldet worden. Wobei er von einer hohen Dunkelziffer ausgeht. Neben dem Bahnhof werde auch im Bereich der Universität an der Scharnhorststraße und in Volgershall oft zugegriffen.

Das Vorbild für das neue Zugangssystem steht in Kiel: Die Schranken sollen zu Stoßzeiten zum Einsatz kommen, damit es nur wenig Gedränge gibt. Ansonsten müssten Radler Drehkreuz und Tür nutzen. So wollen die Diebstahlszahlen sinken. Foto: nh/meyners

Per Transporter Fahrräder im großen Stil stehlen

Die Diebstähle in den Fahrrad-Parkhäusern – in das zweite Parkhaus passen rund 800 Räder – würden nicht gesondert erfasst, sagt Richter. Doch aus der Vergangenheit sei bekannt, dass in den Häusern regelmäßig Tretmühlen verschwinden.

So hat die Bundespolizei im Sommer vergangenen Jahres eine Truppe gefasst, der sie gut 30 Taten zur Last legte. Wie berichtet, stand das Trio im Juni 2016 mit einem Transporter vor dem Radspeicher, um die Räder wie aus einem Selbstbedienungsladen abzufahren. Videoaufnahmen zeigen, wie Täter mit einer Akku-Flexx selbst hochwertige Schlösser in Sekunden aufschneiden.

Meyners hatte sich bundesweit umgeschaut und sich Sicherungssysteme in anderen Städten wie Münster und Kiel angesehen. Gemeinsam mit der Stadt präsentierte er ein Modell, das es Dieben zumindest deutlich erschwert, Räder zu stehlen. Und er ist überzeugt: Massenklau wäre kaum noch möglich. Verkehrsdezernent Markus Moßmann hatte deutlich gemacht, dass die Umbauten rund 320 000 Euro kosten würden.

Stadtverwaltung hält an Überlegungen fest

Auch wenn die Parteien, die ansonsten viel über den Umstieg auf das umweltfreundliche Rad parlieren, die Pläne gestoppt haben, hält die Verwaltung an den Überlegungen fest. Im Rathaus sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck: „Die für den Haushalt 2017 angemeldeten Investitionen werden wir für den Etat 2018 erneut anmelden. Zudem bemühen wir uns darum, Fördermittel vom Bund zu erhalten, um den Eigenanteil bei den Investitionskosten zu senken.“

Das Ziel sei es, die Sicherheit im kostenpflichtigen Fahrradparkhaus möglichst zu erhöhen und so auch eine andere Qualität der Unterbringung bieten zu können gegenüber dem kostenfreien Fahrradparkhaus. „Die Sicherung soll auf beiden Etagen installiert werden, entweder per Schranke oder per Drehkreuz“, sagt Moenck.

Im Radspeicher können Meyners und seine Mitarbeiter erboste Kunden nur vertrösten, wenn ihnen wie vor ein paar Wochen ein teures E-Bike gestohlen wurde und die Opfer fragen, ob das Parken, für das sie Gebühren zahlen, sicherer werde: „Von der Politik haben wir nichts gehört.“

Von Carlo Eggeling

One comment

  1. Warum kann man das Problem nicht sozial, statt technisch angehen?
    Diebe werden dort aktiv, wo sie sich unbeobachtet wähnen.
    In Zeiten von Altersarmmut und vielfacher Langzeitarbeitslosigkeit sollte es doch möglich sein, dort ständige Wächter zu beschäftigen.
    Das hat den entscheidenden Vorteil, dass das Parkhaus weiterhin offen, freundlich und flexibel genutzt werden kann.