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Christoph Vietgen (vorne) hat einen Herzstillstand überlebt, weil ein Kollege bei ihm sofort eine Herzdruckmassage gemacht hat. Die Mediziner Thorsten Zeng, Dr. Jan Priesack und Dr. Claus Müller (v.l.) informieren zum Thema Laienreanimation. Foto: lz/t&w

Woche der Wiederbelebung: Auch Laien sollten handeln

Lüneburg. Herzstillstand kann jeden treffen – und dann ist schnelle Hilfe gefragt. Jede Minute zählt. Bei der bundesweiten Woche der Wiederbelebung, die am Montag startete, wollen auch Mediziner des Lüneburger Klinikums erläutern, wie eine schnelle Rettungskette aussieht. Einer, der dem beherzten Handeln von Menschen sein Leben verdankt, ist der Hohnstorfer Christoph Vietgen.

Schnelles Handeln ist gefragt

Es ist knapp einen Monat her, dass der 57 Jahre alte Polizist eine routinemäßige Sportprüfung im Freibad Adendorf absolvierte. „Nachdem ich aus dem Becken gestiegen war, habe ich mich mit Kollegen unterhalten und wollte meine Tasche beiseiteschieben. Plötzlich sah ich Doppelbilder und dann war‘s auch schon aus.“ Kurz sei er noch einmal zu sich gekommen, nahm schemenhaft rote Jacken wahr. „Im Lüneburger Klinikum bin ich dann aufgewacht, war total orientierungslos und konnte mich nicht erinnern, was passiert war.“

Dass Vietgen überlebte und er keine Folgeschäden erlitt, verdankt er dem schnellen Reagieren eines Kollegen, der auch Rettungssanitäter ist. Der begann sofort mit einer Herzdruckmassage, während ein anderer den Notruf 112 anrief. Gleichzeitig lief einer zur Eissporthalle, um den dort stationierten Defibrillator zu holen. Das Gerät sorgt mittels Elektroschocks dafür, dass das Herz nach Rhythmusstörungen wieder in normalen Takt gerät. Als Vietgen mit dem Rettungswagen im Klinikum eintraf, „war sein Kreislauf bereits wieder stabil“, berichtet Dr. Claus Müller, Leitender Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin. Mittels einer Herzkatheteruntersuchung wurden verengte Herzkranzgefäße diagnostiziert, dem Patienten Stents gesetzt.

Nichts zu tun ist falsch

Aufgrund von Unkenntnis komme es immer wieder vor, dass zum Beispiel Angehörige oder Passanten in einem solchen Fall zwar umgehend den Notarzt riefen und dann aber warten, bis der eintrifft. Damit verstreiche wichtige Zeit. „Denn das Herz pumpt Blut und damit Sauerstoff ins Gehirn. Passiert das länger als drei Minuten nicht, kommt es zu einer Schädigung des Gehirns“, sagt Müller. Der Sorge, dass man bei der Herzdruckmassage etwas falsch machen könnte, hält Dr. Priesack, Oberarzt in der Kardiologie, entgegen: „Das Einzige, was man falsch machen kann, ist nichts zu machen.“

Thorsten Zeng, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes für Stadt und Landkreis, wertet seit 2004 die Fälle von Herzstillstand in Stadt und Kreis aus. Danach sind es durchschnittlich pro Jahr 110 Fälle, 47 Prozent konnten zunächst lebend ins Klinikum gebracht werden, 10 bis 16 Prozent die Klinik lebend verlassen. Die Überlebensrate könnte aus seiner Sicht doppelt so hoch sein, wenn auch medizinische Laien häufiger zu reanimieren versuchen. Er sieht auch das Problem, dass Automatisierte Externe Defibrillatoren (AED), die für jeden kinderleicht zu bedienen sind, vielerorts nicht rund um die Uhr öffentlich zugänglich sind.

App „Lüneburg schockt“ zeigt Defibrillatoren 

Christoph Vietgen berichtet, dass inzwischen auch für die Wache der Polizei in Lüneburg so ein Gerät angeschafft worden sei – auf Vorschlag des Kollegen, der ihm das Leben rettete. Er wie auch Zeng verweisen darauf, dass der Arbeiter-Samariter-Bund die App „Lüneburg schockt“ an den Markt gebracht hat, die alle AED-Standorte in Stadt und Kreis anzeigt. Sie kann unter www.lueneburg-schockt.de heruntergeladen werden.

▶ Auch das Gesundheitsforum von LZ und Klinikum beschäftigt sich mit dem Thema: „Prüfen, Rufen, Drücken – Herz-Kreislauf-Wiederbelebung geht jeden etwas an“ lautet der Titel am Dienstag, 19. September, 19 Uhr, im Hörsaal des Klinikums, Bögelstraße 1. Thorsten Zeng wird erläutertn, wie man einen Herzstillstand erkennen und dann die Herzdruckmassage ausführen kann.

Von Antje Schäfer

Tipps der Mediziner: Was Laien tun können

Wenn eine Person bewusstlos ist, sind folgende Schritte ratsam:

1. Prüfen Sie, ob die Person noch Reaktionen zeigt. Dazu zum Beispiel an den Schultern rütteln. Dann über den Mund beugen und prüfen, ob der Mensch noch atmet. Atmet er normal, bringen Sie ihn in stabile Seitenlage. Atmet er nicht mehr, auf dem Rücken liegen lassen. In jedem Fall zum Handy greifen.
2. Sofort die Notrufnummer 112 wählen und den genauen Ort mitteilen, wohin der Rettungsdienst fahren muss.
3. Bei Atemstillstand umgehend mit der Herzdruckmassage beginnen. Mit gestrecktem Arm die gekreuzten Handballen auf die Mitte des Brustbeins drücken. Mindestens 100-mal pro Minute zirka 5 bis 6 Zentimeter tief. Nicht aufhören, bis der Rettungsdienst eintrifft.