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Das Bergström-Ensemble prägt das Viertel: Die Abtsmühle gehört ebenso dazu wie das alte Kaufhaus.

Bayerisches Unternehmen übernimmt Bergström

Lüneburg. Wer durchs Wasserviertel geht, schlendert am Hotel Bergström vorbei: Abts- und Lüner Mühle, Palais am Werder und Altes Kaufhaus – i n den vergangenen knapp drei Jahrzehnten hat der Lüneburger Henning J. Claassen das Gesicht der Stadt mitgeprägt. Jetzt gibt er den Hotelbetrieb ab: Die Dormero-Gruppe mit Sitz übernimmt die Betreibergesellschaft samt ihrer 200 Angestellten zum Monatswechsel. Die Immobilien selbst bleiben im Besitz Claassens, der sagt: „Wir haben 20-jährigen Pachtvertrag geschlossen.“

Für die Hotellerie ist die Nachricht eine dicke Überraschung, denn das stetige Wachstum des Bergström, seine Auslastungsquote von 80 Prozent im Jahresmittel mit einem Umsatz von 15 Millionen Euro machen es zu einem der wichtigsten Häuser der Region. Dazu kommt, dass es als Hotel Drei Könige in der ARD-Serie „Rote Rosen“ quasi eine Dauerwerbesendung für die Stadt ist – die Bilder der Salzstadt und die Herz-Schmerz-Geschichten locken Tausende zusätzliche Gäste an die Ilmenau. Die Stadt bedauert die Entscheidung Claassens, begrüßt aber, dass er weiter für die Immobilien verantwortlich zeichnet.

Claassen bleibt Besitzer der Immobilien

Claassen, der mit 73 Jahren äußerst agil wirkt, sagt: „Ich habe mir Gedanken gemacht, ob ich das mit 90 auch noch machen will.“ Da seine Kinder kein Interesse an einer Nachfolge hätten, habe er sich zu dem Schritt entschlossen: „Es gab in der Vergangenheit immer wieder Angebote. Jetzt hat es gepasst.“ Über Monate habe er Gespräche geführt, bis nun die Verträge unterzeichnet wurden.
Sein neuer Partner ist die Familie Wöhrl. Die Nürnberger machen gerade Schlagzeilen, da der Senior Hans Rudolf Wöhrl sich bemüht, die insolvente Fluglinie Air Berlin zu übernehmen. Wöhrl zählt laut Wikipedia mit einem Vermögen von rund 400 Millionen Euro zu den reichsten Deutschen. Die Hotelgruppe Dormero führt allerdings sein Sohn, Dr. Marcus Maximilian Wöhrl. Claassen sagt aber, dass er die ersten Gespräche mit dem Senior geführt habe.

„Es gab in der Vergangenheit immer wieder Angebote. Jetzt hat es gepasst.“
Henning J. Claassen

Der Lüneburger betont: „Mir ist wichtig, dass die Gebäude in meiner Hand bleiben. Es hat Kaufangebote gegeben.“ Er will sich weiter darum kümmern, dass die Gebäude gepflegt werden, er investierte dafür jedes Jahr Hunderttausende.

Dankbar für anvertrautes Lebenswerk

Das Bergström mit 131 Zimmern bleibe in seiner bisherigen Form erhalten. Das Alte Kaufhaus, es verfügt über 83 Zimmer, werde nach Dormero-Standards umgestaltet: „Eher etwas für jüngere Gäste.“ Die Betreiber übernehmen auch das Lokal Rote Schleuse, das Claassen gerade erst erworben und neu gestaltet hat. Der Betrieb in allen Objekten laufe wie gewohnt.

Die Dormero-Gruppe betreibt nach eigenen Angaben nun bundesweit 23 Hotels. Dormero-Vorstand Wöhrl spricht von einer Ehre und sagt: „Wir sind sehr dankbar, dass uns Herr Claassen sein Lebenswerk anvertraut und werden alles tun, dass die Bergström Hotels GmbH unter dem Dach der Dormero Hotel und Resort GmbH weiter die Gäste in Lüneburg verzaubern wird.“

Um sein Hotel „de Wiemsel“ in den Niederlanden kümmert sich Claassen selbst. Unterstützt wird er dabei von Sven Flecke, der Bergström-Direktor bleibt direkter Mitarbeiter Claassens. Kaum vorstellbar, dass Claassen sich aufs Altenteil zurückzieht. Er lacht und sagt: „Es sieht so aus, dass ich etwas Neues mache.“ Was, das behält er noch für sich.

Investor prägt Wirtschaft und Stadtbild

Henning J. Claassen, 1944 in Lüneburg geboren, stammt aus einer Bäcker-Familie. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann ging er als 19-Jähriger nach Amerika, wo er sich sein Wirtschafts- und Psychologiestudium in Los Angeles mit Schreibmaschinenreparaturen finanzierte. Er kehrte nach Deutschland zurück und war Product Manager und Geschäftsführer, 1971 gründete er die Meltex-Gruppe mit mehreren Unternehmen.

Nach dem Verkauf an Nordson 1989 ging die Claassen Holding Gruppe an den Start, zu der unter anderem die seit 2006 börsennotierte Impreglon AG gehörte, die er 2014 an den holländische Konzern Aalberts verkaufte. Die Gruppe gehörte bei ihrem Verkauf mit ihren 1300 Mitarbeitern zu den weltweit führenden Unternehmen der Oberflächenbeschichtungen.

Claassen engagiert sich darüber hinaus im sozialen Bereich, zum Beispiel im Vorstand der Bürgerstiftung St. Nicolai, er ist Förderer und Sponsor junger Unternehmensgründer, der Lüneburger Universität, Gründer und Sponsor der 1997 gegründeten Initiative „Schützt die Opfer“. Anfang des Jahres wurde Claassen Ehrenbürger der Stadt Lüneburg.

Von Carlo Eggeling

One comment

  1. Claassen ist ein sogenannter unternehmer und mehr nicht. heiligenscheine sind da mangewahre, aber scheinheilige gibt es jede menge in diesen kreisen.