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Der 31-Jährige, hier mit seiner Verteidigerin Nicola Toillie, nahm das Urteil gelassen entgegen. Foto: lz/be

Überfall auf Schnellrestaurant: Polizei jagt zweiten Räuber

Lüneburg. Er sammelte Bonus-Punkte im Prozess: Der 31-Jährige gestand, den Überfall am 21. September 2016 auf ein Schnellrestaurant am Bilmer Berg mit einem Kom plizen inszeniert zu haben, obwohl die Beweislage gegen ihn nicht erdrückend war und er auf einen Freispruch hätte hoffen können. Nun nannte er sogar den Namen des Mittäters, die Fahnder hatten diesen Mann gar nicht im Visier.

Das Landgericht honorierte diese Redseligkeit, verurteilte den Lüneburger wegen gemeinschaftlicher schwerer räuberischer Erpressung in einem minder schweren Fall zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, ordnete zudem seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für den Mann an, der einen Hang zum übermäßigen Marihuana-Konsum hat.

Landgericht honoriert Redseligkeit

Allerdings kommt der Mann mit diesen zwei Jahren nicht davon, denn das Gericht bezog ein älteres Urteil wegen gewerbsmäßigen Betrugs mit ein, macht zusammen drei Jahre und drei Monate. Obendrein gab‘s noch neun Monate, da der führerscheinlose Angeklagte mehrmals am Steuer eines Autos erwischt wurde. Sein Auto kassierte das Gericht ein und seinen Anteil an der Beute in Höhe von 6299,65 Euro muss er zurückzahlen.

Am letzten Verhandlungstag gab der Angeklagte den Namen seines Mittäters preis. Beide hätte sich sieben oder acht Monate vor der Tat kennengelernt, häufiger zusammen was getrunken, er sei sogar Trauzeuge bei der Hochzeit seines Komplizen gewesen. Der habe mit seiner Frau in der Wilhelm-Leuschner-Straße gewohnt, sei aber etwa einen Monat nach dem Überfall nach Gladbeck umgezogen. Fakten, die einem Fahnder, der im Zuhörerraum saß, reichten: Er griff zum Handy, gab diese Hinweise weiter. Tatsächlich passen diese Hinweise zu einem in Gladbeck lebenden Mann – der dürfte wohl inzwischen Besuch von der Polizei bekommen haben.

Geiselnahme zur Schau

Richter Christoph Luedtke ging in seiner Urteilsbegründung nur kurz auf das Geschehen ein: Der 31-Jährige hatte seine Pizzeria in die Pleite gewirtschaftet und sah sich neben daraus resultierenden zivilrechtlichen Forderungen auch den Drohungen von Leuten ausgesetzt, bei denen er rund 4000 Euro Schulden hatte und die ankündigten, ihm „ein Messer in den Kopf zu stechen“. So hatte er die Idee, das Schnellrestaurant, in dem er selbst arbeitete, zu überfallen. Der Richter: „Gelegenheit macht Diebe.

Er hatte das Insiderwissen, konnte nach Dienstschluss bei den Aufräumarbeiten im Restaurant die Tür zum Hof offenstehen lassen.“ So kam der zweite, maskierte Mann rein, der den 31-Jährigen „zur Schau als Geisel nahm“ und den Schichtleiter mit einer ungeladenen Schreckschusswaffe aufforderte, die Wochenendeinnahmen rauszurücken. Der Maskierte floh mit 12 599,30 Euro, später wurde die Beute unter den beiden Tätern geteilt.

Mit dem 31-Jährigen wird es wohl ein Wiedersehen vor Gericht geben – dann, wenn er als Zeuge gegen seinen Komplizen in dessen Prozess aussagen muss.

Von Rainer Schubert