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Die Grafik zeigt die Zahl der Inobhutnahmen in Stadt und Landkreis Lüneburg in den vergangenen drei Jahren. Grafik: meiferts

Wenn Kinder Schutz brauchen

Lüneburg. Dieser Grundsatz gilt nicht nur zum Weltkindertag: Wenn das Wohl eines Kindes in der eigenen Familie massiv gefährdet ist, greift das Jugendamt ein. Die Zahl solcher Inobhutnahmen ist in Niedersachsen erheblich gestiegen. 2016 wurden 8347 Kinder in ein Heim oder eine Pflegefamilie gebracht, das bedeutet einen Anstieg von mehr als 40 Prozent. 263 Kinder waren es in Stadt und Landkreis Lüneburg.

So erklärt die Stadt den Anstieg

Pia Steinrücke, Dezernentin für Bildung, Jugend und Soziales bei der Stadt, kann den Anstieg erklären. „Normalerweise sind die Zahlen konstant. Der Anstieg liegt an den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die ausnahmslos alle in die Obhut des Jugendamts fallen.“ Diese seien zum Großteil in der Jugendhilfeeinrichtung an der Wismarer Straße untergebracht, einige auch in Jugendwohngruppen oder Pflegefamilien.

Es sei grundsätzlich ein Problem, geeignete Pflegefamilien für schutzbedürftige Kinder und Jugendliche zu finden. „Besonders in Städten, wo die meisten Vollzeit arbeiten.“ Die meisten Kinder, die das Jugendamt in Obhut nimmt, sind 14 bis 17 Jahre alt. Viele melden sich selbstständig, wenn sie merken, dass sie nicht mehr zu Hause bleiben können. Aber auch Schulen, Kitas, Verwandte oder Nachbarn machen die Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD) auf schwierige Fälle aufmerksam. Das Amt greift ein, wenn das Wohl des Kindes massiv gefährdet ist, also bei starker Verwahrlosung, Misshandlungen, seelischem Missbrauch, häuslicher Gewalt oder wenn die Entwicklung des Kindes stark eingeschränkt wird oder die Eltern suchtkrank sind.

Inobhutnahme nur nach Vier-Augen-Prinzip und Absprache

Eine Inobhutnahme müsse gut abgewogen werden, sie erfolge stets im Vier-Augen-Prinzip und nach Absprache mit den Vorgesetzten, versichert Pia Steinrücke. „Das ist ja immer ein massiver Eingriff in das Leben des Kindes, selbst wenn das Umfeld noch so instabil ist“, verdeutlicht die Dezernentin, die früher selbst für den Sozialdienst in dieser Funktion tätig war und mit solchen Fällen vertraut ist. Drei Tage kann der ASD ein Kind ohne Einwilligung der Eltern in Obhut nehmen, danach müssen entweder die Eltern der Maßnahme zustimmen oder ein Gericht beschließen, ob das Kind wieder zurück in die Familie darf oder woanders untergebracht werden muss.

Pia Steinrücke ist der Ansicht: „Jeder Fall ist einer zu viel.“ Damit es möglichst gar nicht erst zu diesem Schritt kommt, gibt es in Lüneburg ein Netzwerk von Beratungsstellen für Familien, auch Hebammen beraten die Familien früh. Letztlich aber liege die Hauptverantwortung immer bei den Eltern – das sei auch gut, findet Pia Steinrücke. Denn eigentlich wollen ja alle, dass es den Kindern gut geht.

Von Lena Köpsell