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Angehende Maurer tragen die alte Mauer ab und schauen, welche Steine wiederverwandt werden können. Mit Unterstützung aus dem Handwerk und der Wirtschaft soll an der ehemaligen Herberge zur Heimat nach einem Vorbild aus den 1930er-Jahren die marode Umfassung erneuert werden.

Lüneburg: Historische Mauer wird nun doch restauriert

Lüneburg. Ursprünglich hätte Michael Elsner die Mauer an der alten Kettenstrafanstalt Am Benedikt gern abreißen lassen, denn die Kosten einer Sanierung waren ge waltig. Erst wurden sie auf 200 000, dann auf 300 000 Euro geschätzt. Doch inzwischen gehört auch der Geschäftsführer des Herbergsvereins zu den Fans für den Erhalt der Mauer. Jetzt beginnen die Arbeiten an dem 73 Meter langen ersten Stück Geschichte. Sie sind nur möglich, weil Lüneburger spenden und andere sich quasi ehrenamtlich engagieren, auch auf Fördermittel wird gehofft. Nun schätzt Elsner, dass der Verein mit rund 100 000 Euro auskommt, um die Mauer zu sanieren.

Die Substanz muss bewahrt werden

Beim Herbergsverein betreut Dörthe Grimm das Projekt. Sie hat in den vergangenen Monaten Partner ins Boot geholt, darunter den Architekten Amando Esfandiary sowie die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Die wiederum hat mit ihren Maurer-Innungen in den Kreisen Lüneburg, Uelzen/Lüchow-Dannenberg, Celle, Soltau-Fallingbostel und Harburg gesprochen. Und die haben sich darauf verständigt, dass sie Auszubildende schicken, die kräftig Hand anlegen.

Ausbildungsmeister Reiner Diederichs von der Kammer ist begeistert von der Aufgabe: „Hier geht es um das Bewahren alter Substanz. Denn das Ziel ist es, möglichst viele Steine zu erhalten. Hier lernen die Jungs, ein Auge dafür zu entwickeln, welche Steine sich dafür eignen.“ Normalerweise verschwänden alte Baustoffe im Container, nur mit neuen Materialien werde gearbeitet. Die Beteiligten sind allesamt im zweiten Lehrjahr und absolvieren ihre sogenannte überbetriebliche Ausbildung elf Wochen lang in der Altstadt.

Der Hintergrund:

Die Mauer wurde in den 1930er-Jahren überarbeitet. Nicht alle der Steine waren von guter Qualität. Die jungen Männer schlagen nun Ziegel heraus, die förmlich zerbröseln, andere hingegen sind tipptopp. So soll am Ende mit altem und neuem Material eine neue Mauer entstehen, die sich am Vorgänger des 30er-Jahre-Baus orientiert. Dafür suchen die Handwerker noch Steine aus Abbruchhäusern im sogenannten Reichsformat, das wurde Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt, vergleichbar mit der heutigen DIN-Norm.

Es kommt später noch weitere Unterstützung, so wollen Berufsschüler aus Beton Abdeckungen fertigen, die wie kleine Dächer auf der Mauerkrone liegen. Auch Fachbetriebe rücken an: Sie restaurieren das charakteristische Tor und den rechten Teil der Mauer.

Es gibt einige, denen viel daran liegt, dass die Mauer auf dem Fundament der alten Feldsteine wieder entsteht. Denn sie prägt das Ensemble der alten Kettenstrafanstalt, in der einst Häftlinge einsaßen, die im Steinbruch Kalkberg schuften mussten. Der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt engagiert sich ebenso finanziell wie der Jurist Dr. Felix Abraham, der als Nachbar an der Herberge wohnt.

Besonders stolz aber sind die elf Lehrlinge. Phillip Rös (26) ist einer von ihnen, er sagt: „Sonst arbeiten wir in einer Halle, ziehen Wände hoch und reißen sie wieder ein. Was wir hier machen, bleibt stehen.“ Sein Kollege Erkan Karak (24) ergänzt: „Wenn wir irgendwann wiederkommen, so mit 50 Jahren, dann können wir sagen: ‚Das haben wir gemacht.‘ Darauf kann man sich schon etwas einbilden.“

Wer das Projekt finanziell oder mit Material unterstützen möchte, wendet sich an Dörthe Grimm unter (04131) 207264.

Von Carlo Eggeling