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Schubz-Leiter Dr. Frank Corleis mit einem der Husumer Schweine: Aus den Ferkeln werden bis zu 300 Kilo schwere Tiere. Die Jungtiere stammen aus einem Betrieb in der Region. Foto: phs

Schüler lernen Landwirtschaft kennen

Lüneburg. Die Mädchen und Jungen des Naturkindergartens rufen die beiden Shorthorn-Rinder Tina und Martha. Das Duo ist ebenso neugierig wie die Kinder – alle be gucken sich gegenseitig. Schon wer auf das Gelände des ehemaligen Geheges in Ochtmissen zugeht, hat das Gefühl, auf einen kleinen Bauernhof am Rande der Stadt zuzukommen, ein Idyll. Vor einem Jahr hat das Schulbiologie- und Umweltbildungszentrum (Schubz) das Areal am Ochtmisser Kirchsteig übernommen und daraus einen Arche-Park gemacht, ein Refugium für alte Nutztierrassen. Morgen weihen Schubz-Leiter Dr. Frank Corleis und seine Kollegen den Park offiziell ein.

Anlehnung an das Biosphärenreservat Elbtalaue

Das Schubz, mit seinen Räumen eigentlich am Bockelsberg zu Hause, richtet am zusätzlichen Standort zwischen Kreideberg und Ochtmissen in Anlehnung an das Biosphärenreservat Elbtalaue ein Arche-Labor ein. Ein Seminarraum samt Toiletten ist seit dem vergangenen Jahr entstanden. 40 bis 50 Schulklassen pro Jahr sollen hier etwas über Landwirtschaft lernen. In einem Garten können Mädchen und Jungen Gemüse und Kartoffeln anbauen. Dazu gibt es Gatter, in denen die aus Rullstorf stammenden Rinder grasen, daneben suhlen sich Rotbunte Husumer Schweine im aufgewühlten Boden, ein Stück weiter meckern Harzer Ziegen.

Corleis betont: „Es sind alles alte Nutztierrassen.“ Zum Teil waren sie vom Aussterben bedroht. Doch es gab Bauern, die rechtzeitig erkannt haben, dass beispielsweise die Husumer Schweine zwar nicht in die auf schnelles Wachstum ausgelegten Abläufe der Agrarindustrie passen, dafür aber ein Fleisch liefern, das besser schmeckt und für das man auch bessere Preise erzielen kann.

Trotz Fördermitteln und Spenden mangelt es an Mitteln

Corleis und seine 37 Mitarbeiter, davon etliche auf Honorarbasis, bieten rund 50 Projekte an, bei denen sie Schülern die Natur nahebringen – auf wissenschaftlicher Grundlage. Eine Handvoll der Vorhaben bezieht sich nun auf den Arche-Park am Kreideberg. Da geht es unter anderem darum, aufzuzeigen, wie aus dem Wildtier das Huhn wurde, das heute als „Lieferant“ verlässlich Eier legt.

Eine Viertelmillion Euro haben der Förderverein des Schubz um Dr. Bernd Hufenreuther und die Einrichtung investiert. Trotz Fördermitteln und Spenden klafft ein Loch in der Kasse. Mehr als 30 000 Euro müsse man noch zusammenbekommen, berichtet Corleis: „Wir hoffen auf weitere Unterstützung.“

Auch weil man alle 38 Auflagen des Veterinäramtes selbstverständlich erfüllt habe, um die Tiere vorbildlich zu halten, seien die Kosten höher ausgefallen: „Dabei haben wir viel selber gemacht.“ Abbrucharbeiten alter Schuppen, Platten für Wege verlegt und Gatter aufgestellt, listet Corleis Beispiele auf. Und noch immer gibt es zu tun. Teuer ist auch ein wolfssicherer Zaun geworden, der zwei Meter hoch und dazu noch ein gutes Stück in den Boden reicht. Corleis weiß: „Der ist nicht schön. Doch hätten wir ihn grün beschichtet genommen, hätte uns das noch ein paar Tausend Euro mehr gekostet.“

Vom Biolehrer zum Bildungszentrum

Den Schubz-Mitarbeitern ist es wichtig, mit Institutionen aus der Region zusammenzuarbeiten: dem benachbarten Kindergarten, Einrichtungen des Biosphärenreservats Elbtalaue, Bauern und der Loewe-Stiftung. Von deren Küche werden beispielsweise Kartoffelschalen als Schweinefutter geliefert. Darüber hinaus kommen Bewohner, um sich mit dem kleinen Bauernhof in der Nachbarschaft zu beschäftigen.

Das Schubz, Träger sind Stadt und Landkreis, hat in den vergangenen Jahrzehnten eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Aus kleinen Anfängen, die mit dem Biologielehrer Rolf-Harald Krause in der Grundschule auf dem Kreideberg begannen, ist ein Bildungszentrum geworden, dessen Bedeutung weit über die Region hinaus reicht. Stolz sagt Corleis, dass die Angebote jedes Jahr von mehr als 14 000 Schülern genutzt werden.

Von Carlo Eggeling

Aktionen für Kinder

Tiere treffen Zu einem bunten Fest rund um Arche-Tiere und Garten lädt das Schubz für morgen von 15 bis 18 Uhr ein. Viele Aktionen für Kinder mit Schafwolle, Hühnerfedern, Basteln und Kartoffelfeuer erwarten die Besucher. „Ein tierisch spannender Nachmittag“, heißt es in der Ankündigung. Mehr Informationen: www.schubz.org.

One comment

  1. Ist das Verfüttern von Lebensmittelabfällen nicht seit längerem verboten?