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Die Bleckede Kleinbahn fuhr im Mai dieses Jahres bereits für eine Woche auf Probe. Foto: lz/t&w

Bleckede: „S-Bahn“ soll wieder rollen

Lüneburg. Der erste Probebetrieb einer „S-Bahn“ zwischen Lüneburg und Bleckede im Mai diesen Jahres war ein voller Erfolg. Insgesamt 3024 Fahrgäste nahmen an fü nf Tagen das Angebot wahr. In der jüngsten Sitzung des Kreistagsausschusses für Wirtschaft, Touristik, Verkehrsplanung und ÖPNV wartete jetzt Pero Schmidt, örtlicher Betriebsleiter der Bleckeder Kleinbahn, mit einer Überraschung auf: Vom 11. bis zum 16. Dezember soll es einen zweiten Probebetrieb für die von vielen gewünschte „S-Bahn“ geben.

Wie schon im Mai wird die Bleckeder Kleinbahn, 100-prozentige Tochter der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL), den Betrieb auf eigenes Risiko und nicht bezuschusst anbieten. Und erneut wird der Museumseisenbahnverein „Nebenbahn Staßfurt-Egeln“ aus der Nähe von Magdeburg das Fahrgerät stellen.
Diesmal wird aber nicht ein Triebwagen zwischen Lüneburg und Bleckede verkehren, sondern es sollen sogar zwei sein, die dann für mehrere Fahrten am Tag zusammengekoppelt werden. Die Fahrgastkapazität von 85 Sitz- und 150 Stehplätzen pro Fahrt wird dann verdoppelt.

Auch soll zusätzlich zu den im Mai angebotenen zehn Touren am Tag noch jeweils eine am frühen Morgen und eine am Abend angeboten werden. Schließlich soll die „S-Bahn“ im Dezember nicht nur von Montag bis Freitag fahren, auch am Sonnabend werden noch Verbindungen angeboten.
„Wir werden einen knallharten S-Bahn-Betrieb fahren“, kündigte Pero Schmidt an. Ziel sei, die Akzeptanz einer regelmäßigen Bahnverbindung zwischen Lüneburg und Bleckede, die es zuletzt 1977 gegeben hatte, zu belegen. Wie schon beim Probebetrieb im Mai werden die Fahrgäste um das Ausfüllen von Fragebögen gebeten. Damals hatten 64 Prozent der Fahrgäste angegeben, die Verbindung als Berufspendler, Schüler oder zu Terminen zu nutzen, auch Touristen nutzten das Angebot. Die Ergebnisse beider Probebetriebe sollen dann dem Wirtschafts- und Verkehrsministerium in Hannover vorgelegt werden.

Im Ausschuss hatte Pero Schmidt über den ersten „S-Bahn“-Probebetrieb im Mai berichtet. Viele der insgesamt 50 Fahrten seien damals mit mehr als 100 Menschen besetzt gewesen – der Rekord: 141 Fahrgäste am 19. Mai, Abfahrt 15.44 Uhr ab Lüneburg.

Pero Schmidt erinnerte in seinem Bericht an die beiden Gutachten, die es zum Thema einer möglichen Wiederbelebung des regelmäßigen Personenverkehrs zwischen Lüneburg und Bleckede gegeben hat. Im jüngsten, erstellt in den Jahren 2013/14, sei unter anderem eine „fehlende regionale Akzeptanz“ und eine „mangelnde touristische Bedeutung“ kritisiert worden.
Das Ergebnis des Probebetriebs im Mai hätte diese beiden Aussagen eindeutig widerlegt, betonte Schmidt. Auch seien die damals geschätzten Kosten in Höhe von 22 Millionen Euro für eine Wiederbelebung der Strecke zu hoch gegriffen.

Eine „Aktivierung light“, sagt Pero Schmidt, sei für fünf bis sieben Millionen Euro machbar. Dafür gebe es eine Strecke, die durchgehend Tempo 50 möglich mache. In 32 Minuten sei die Strecke zwischen Lüneburg und Bleckede, mit Halt unter anderem in Scharnebeck und Neetze sowie in Erbstorf, zu schaffen. Schmidt: „Wichtig ist mir zu betonen, dass Bahn- und Busverkehr sich ergänzen sollen.“

Die Ausschussmitglieder nahmen Schmidts Bericht mit Wohlwollen auf. Detlev Schulz-Hendel (Grüne) regte an, die mögliche Verbindung in das in Arbeit befindliche Integrierte Mobilitätskonzept aufzunehmen. Franz-Josef Kamp (SPD) fragte: „Wer soll das bezahlen? Solange das Land nicht einsteigt, haben wir ein Problem.“

Von Ingo Petersen

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3 Kommentare

  1. „Detlev Schulz-Hendel (Grüne) regte an, die mögliche Verbindung in das in Arbeit befindliche Integrierte Mobilitätskonzept aufzunehmen.“

    Werden die Triebwagen nicht mit Dieselmotoren betrieben? Da müsste ein Politiker der „Grünen“ doch zuerst eine Prüfung des Schadstoffausstosses beantragen. Langsam weiß ich bei den „Grünen“ überhaupt nicht mehr was sie wollen und was nicht.

    • @ Klaus Mertenns: Das ist doch nun wirklich eine Antwort, welche völlig unüberlegt ist. Die Triebwagen fahren „diesel-elektrisch“, d. h, dass ein Dieselmotor einen Generator antreibt, welcher dann die so gewonnene elektrische Energie an elektrische Fahrmotoren überträgt. Diese Antriebsart ist per se recht umweltfreundlich.

      Würde man Ihrer These nachgehen, dann dürften rund 30 Prozent der derzeit verkehrenden Zugfahrten auf Eisenbahnen in der Bundesrepublik nicht mehr verkehren, weil sie per Dieselmotor angetrieben werden, ebenso würden fast keine Busse mehr verkehren.

      Die in der Probewoche verkehrenden Triebwagen wurden in 2008 remotorisiert, genügen den derzeitigen Abgasnormen mehr als genug. Wie gesagt, es ist eine Probewoche… welche Fahrzeuge dann einmal auf der Strecke verkehren werden muss dann noch entschieden werden.

      Aber auch für jetzt: Ein Triebwagen mit zwei modernen Dieselmotoren befördert rund 250 Personen, soviel wie mindestens vier Busse mit vier Motoren.

  2. Bei allem Wohlwollen für die Eisenbahner. Die geringen Fahrgastzahlen der Erprobungsphase rechtfertigen keinen Dauerbetrieb, mit allen hintendran hängenden Kosten. Wenn ich mir anschaue, wie die Mobilität mit E-Bikes geradezu eplodiert, dann wäre es wohl eine Überlegung wert, aus der Trasse einen schnellen Radweg zu machen. Die touristische Wertschöpfung für Bleckede, Neetze, Scharnebeck, eigentlich für alle Anrainer der Strecke, würde ich höher schätzen. Gleiches gilt auch für den beruflichen Alltagsverkehr per Rad, der sich über schnelle und sichere Verbindungen freut.