Aktuell
Home | Lokales | Ochtmisser Kirchsteig: Stadt zieht Bilanz
Slalom am Ochtmisser Kirchsteig: Acht Verkehrsinseln sollen Autofahrer bremsen. Ihre Wirkung ist allerdings umstritten. Foto: lz/be

Ochtmisser Kirchsteig: Stadt zieht Bilanz

Lüneburg. Wie hat sich der Verkehr am Ochtmisser Kirchsteig zwischen Mönchsgarten und Herderschule nach den dortigen Umbauten im Sommer 2016 verändert? Oberbürg ermeister Ulrich Mädge und Mitarbeiter der Verwaltung kommen wieder an die von Senkungsschäden gebeutelte Straße. Im August vorigen Jahres hatte die Stadt die Straße eine gute Stunde sperren lassen und mit den Anwohnern besprochen, welche Umbauten und Veränderungen sie sich wünschen.

Nun kommt es am Freitag, 29. September, ab 15 Uhr zu einer Neuauflage. Wie berichtet, hatte die Stadt vier zusätzliche Verkehrsinseln gesetzt, um Autofahrer abzubremsen, der Asphalt wurde erneuert, Radlerstreifen wurden markiert und mit Hilfe der Polizei die Geschwindigkeit von Autos gemessen. Damals war angeregt worden, eine Höhenbegrenzung über die Straße zu ziehen, um Lastwagen von dem belasteten Straßenzug fernzuhalten. Doch die kam nicht.

Die Stimmung unter den Anliegern ist gemischt. Denn viele glauben, dass sich die Situation kaum verbessert habe. Um ein Stimmungsbild abzufragen, lädt Thomas Gehrke seine Nachbarn für heute um 17 Uhr ein. Er sagt: „Wir wollen wissen, ob es stimmt, dass die Meinung zur Höhenbegrenzung so unterschiedlich war, wie die Stadt es beschreibt. Wie viele waren tatsächlich dagegen?“

Aber auch die insgesamt acht Verkehrsinseln sollen Thema sein, sie seien aus seiner Sicht zu klein dimensioniert und manche wohl an der falschen Stelle. Gehrke berichtet auch, dass er beobachtet habe, wie Linienbusse und Lastwagen über den unteren Teil des Kirchsteigs fuhren – eigentlich dürften die das nicht. Es gilt eine Gewichtsbegrenzung, dazu ein Tempolimit von 20 km/h.

„Das geplante Wohngebiet bei Wienebüttel bringt uns zusätzlichen Verkehr.“
Thomas Gehrke, Anwohner

Eine weitere Sorge sei das geplante Wohngebiet bei Wienebüttel: „Das bringt uns zusätzlichen Verkehr.“ Gehrke und andere wünschen sich daher weitergehende Vorgaben: Er möchte den unteren Bereich des Kirchsteigs stadtauswärts zur Einbahnstraße machen. Sein Nachbar Andreas Meihsies, er saß bis 2016 als Fraktionschef der Grünen im Rat, will den Verkehr letztlich ganz zum Erliegen bringen: Der Kirchsteig solle zur Sackgasse werden, in Höhe Schule solle es vorbei sein mit der durchgehenden Verbindung.

BürgerdialoAll das könne aus ihrer Sicht helfen, Erschütterungen zu vermeiden. Denn der Boden hat in den vergangenen Jahren gewaltig nachgegeben, Anwohner mussten ihre Häuser beispielsweise mit Ankern sichern. In manchen Häusern ergibt sich ein Gefälle von der Straße bis zum Garten von fast einem Meter. Betroffene erzählen, dass jeder rumpelnde Lastwagen den Gebäuden einen weiteren Stoß versetze.

Von der Stadt heißt es, dass die Senkungsbewegung zwar nicht gestoppt ist, sie aber leicht abgenommen habe. Aktuell liege sie im Zentrum bei knapp 30 Zentimetern im Jahr, der Spitzenwert lag bei etwa 50 Zentimetern. Der Geologe Thorsten Trapp, der das Ganze seit zwölf Jahren für die Stadt begleitet und beobachtet, werde dazu bei der Versammlung vortragen.

Von Carlo Eggeling

Stadt sieht Erfolge: Einige fahren langsamer

Die Verwaltung ist der Meinung, dass die Maßnahmen durchaus etwas gebracht haben. Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck sagt: „Nach unserer Wahrnehmung, befährt der weit überwiegende Teil der Verkehrsteilnehmer den Ochtmisser Kirchsteig mit sehr reduzierter Geschwindigkeit, wenn nicht sogar langsamer als zuvor.

Leider nehmen wir aber auch wahr, dass es ,Ausreißer‘ gibt.“ Um den Eindruck zu untermauern, will die Stadt bis zur Anwohnerversammlung ihre Geschwindigkeitsmessgeräte auswerten, sie geben Informationen zu Tempo und Zahl der Autos. Zu den Höhenbegrenzungen sagt Suzanne Moenck, dass die Verwaltung Anwohner schriftlich dazu befragt hatte.

„Die Rückmeldungen waren pro und contra relativ ausgewogen, so dass wir von der Umsetzung erst einmal abgesehen haben.“