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Dr. Uta Schniewind untersucht Linus, dem es inzwischen viel besser geht – zur Freude seiner Eltern Inga und Thomas Töpfer. Foto: lz/t&w

Morbus Crohn: Kindergastroenterologie verleiht Linus wieder Kraft

Lüneburg. Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, von der mehr als 400 000 Menschen bundesweit betroffen sind – Tendenz steigend. Häufig tritt die Krankheit bereits im Kindes- und Jugendalter auf: Ein Viertel der Patienten ist bei der Diagnose jünger als 18 Jahre, 15 Prozent der betroffenen Kinder sind unter sechs Jahren. Um ihnen gezielt helfen zu können, gibt es seit Anfang des Jahres die Kindergastroenterologie am Ambulanzzentrum des Lüneburger Klinikums. Als einer der ersten Patienten wurde dort der fünfjährige Linus behandelt.

Er hatte immer wieder Bauchweh und Durchfall

Linus war gerade mal drei Jahre alt, als bei ihm immer wieder Bauchschmerzen und Durchfälle auftraten. Die Folge: Er war häufig abgeschlagen und zu leicht für sein Alter. Blut- und Stuhluntersuchungen ergaben keine „richtige Diagnose“, berichtet seine Mutter Inga Töpfer. Anfangs dachten die Eltern, dass die Ursache eine Lebensmittel­unverträglichkeit sein könnte. „Wir versuchten es mit lactosefreier Ernährung, das brachte nichts.“

Neue Hoffnung schöpften die Eltern, als sie erfuhren, dass Dr. Uta Schniewind seit Anfang des Jahres als Kindergastroenterologin am Klinikum tätig ist. Darauf aufmerksam geworden waren sie, weil Inga Töpfer selbst an Morbus Crohn erkrankt ist und seit 2009 von Prof. Dr. Christian Maaser, Leiter des Ambulanzzentrums Gastroenterologie, behandelt wird.

In einem ersten Schritt wurde im Klinikum das Blut von Linus untersucht, das Ergebnis: erhöhte Entzündungswerte sowie Eisen- und Vitaminmangel. „Der Ultraschall war wegweisend, weil man eine ausgeprägte Entzündung des Darms erkennen konnte“, sagt die Medizinerin. Eine anschließende Magen- und Darmspiegelung ergab die Diagnose: Morbus Crohn. „Das hatten wir schon fast vermutet, weil das bei mir selbst im Alter von 20 Jahren festgestellt wurde.

Morbus Crohn bleibt ein Leben lang

„Trotzdem war es ein Schock“, räumt die Mutter ein. Denn es sei eine Erkrankung, die einen lebenslang begleitet. Das bedeutet: regelmäßige Medikamenteneinnahme, immer wieder Arztbesuche und Kontrolluntersuchungen. Gleichzeitig waren Inga und Thomas Töpfer aber froh, dass nun auf Basis der Diagnose eine Therapie erfolgen konnte.

Während früher meist ausschließlich Kortison, das oft starke Nebenwirkungen hat, als Entzündungshemmer eingesetzt wurde, gibt es heute schonendere Therapieverfahren, erläutert Schniewind. Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung bei Kindern und Jugendlichen ist die Ernährungstherapie, eine Art Astronautenkost. Das Problem: Diese dient sechs Wochen lang ausschließlich zur Ernährung.

„Wir hatten uns Sorgen gemacht, wie das zum Beispiel funktionieren soll, wenn Linus in der Kita ist.“ Doch die habe die Familie sehr gut unterstützt, und für Linus selbst war das gar kein Prob­lem. Inzwischen hat die Therapie gut angeschlagen. Die Durchfälle haben nachgelassen, Linus hat Power ohne Ende, stellen seine Eltern glücklich fest, „und er wirkt viel ausgeglichener“.

Maaser macht auch deutlich: „Wenn chronisch entzündliche Darmerkrankungen nicht behandelt werden, kann es zu Komplikationen wie Fisteln und Verwachsungen am Darm kommen, die dann operativ entfernt werden müssen.“ Die Ursachen für diese Erkrankung sind noch nicht gänzlich erforscht. Da sie innerhalb von Familien gelegentlich gehäuft auftritt, ist ein genetischer Hintergrund möglich. „Deshalb sollte man dem Arzt auf jeden Fall sagen, wenn so etwas in der Familie vorliegt.“

Hilfe ohne einen langen Krankenhausaufenthalt

Das Ambulanzzentrum war 2011 gegründet worden, um Patienten in den Fachbereichen Gastroenterologie, Anästhesiologie, Radiologie und Strahlentherapie eine Therapie ohne Krankenhausaufenthalt zu ermöglichen. Die stationäre Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen erfolgt in der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie.

Mit der Kindergastroenterologie wurde das Leistungsspektrum auch vor dem Hintergrund erweitert, dass es wenige Spezialisten in der Region gibt und Eltern mit ihren Kindern bisher zu langwierigen Behandlungen oft nach Hamburg mussten. „Wir arbeiten mit niedergelassenen Kinderärzten zusammen“, sagt Schniewind.

Von Antje Schäfer