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Azubis sollten vom Land Geld für weite Schulfahrten erhalten, fordert die Kammer Foto. lz/t&w

Wenn Azubis draufzahlen: Land soll Schulfahrten bezuschussen

Lüneburg. Die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade setzt sich dafür ein, dass Auszubildende, die eine weiter entfernte Berufsschule besuchen müssen, eine finanzielle Förderung vom Land erhalten. In einem Gespräch mit Betriebsinhabern wurde die Dringlichkeit dieser Forderung deutlich. „In fast allen Bundesländern gibt es Zuschüsse zu den Fahrtkosten oder den Kosten für Unterbringung und Verpflegung. Nicht jedoch in Niedersachsen“, beklagt Eckhard Sudmeyer, Hauptgeschäftsführer der Kammer.

Dabei werde es in den betroffenen Berufen für Betriebe wegen der Zusatzkosten für Lehrlinge immer schwieriger, Nachwuchs zu gewinnen. „Wenn ein Aussterben von Berufen und künftige Versorgungsengpässe mit wichtigen handwerklichen Leistungen in der Region verhindert werden sollen, wird es höchste Zeit für einen angemessenen Kostenausgleich.“

In zahlreichen Berufen ist die Zahl der Lehrlinge schon heute zu gering für eine wohnortnahe Beschulung. Daher findet der Unterricht in Bezirks-, Landes- oder Bundesfachklassen statt, zum Teil sogar in anderen Bundesländern. Azubis entstehen dadurch hohe Fahrtkosten. Hinzu kommen Kosten für Unterkunft und Essen, wenn der Unterricht an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen stattfindet.

Beispiel Orthopädieschuhmacher: Lehrlinge in diesem Beruf müssen während der gesamten Ausbildungszeit neunmal für je vier Wochen zur Landesberufsschule nach Lübeck-Travemünde. „Die Unterkunfts- und Verpflegungskosten für vier Wochen liegen bei 500 Euro. Das allein ist schon höher als die monatliche Ausbildungsvergütung in den ersten Lehrjahren“, sagt Orthopädieschuhmachermeister Jörg Dittmer aus Amelinghausen. Dazu kämen noch Fahrtkosten fürs Auto von rund 400 Euro. Um das Wochenende zu Hause zu verbringen, würden die Lehrlinge die Strecke achtmal im Monat fahren.

Auch Thorsten Neumann, Inhaber von Heideglas Uelzen, ärgert sich: „Im ersten Lehrjahr müssen unsere Glaserlehrlinge zweimal pro Woche zur Berufsschule nach Hannover. Das kostet im günstigsten Fall mit der Bahn schon mehr als 200 Euro im Monat und damit fast die Hälfte der Lehrlingsvergütung.“

Bis 1994 erhielten Azubis in Niedersachsen immerhin Zuschüsse für Unterkunft und Verpflegung bei auswärtigem Blockunterricht. Seither gehen sie leer aus. „Nachdem der Verwaltungsgerichtshof in Baden-Württemberg 2016 einen Anspruch auf ausreichende Kostenerstattung festgestellt hat und aktuell ein Auszubildender in Schleswig-Holstein klagen will, muss auch in Niedersachsen die Politik aktiv werden. Die Auszubildenden brauchen mehr Unterstützung“, mahnt Sudmeyer. lz