Dienstag , 18. September 2018
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Die Fähre „Amt Neuhaus“ ist in die Jahre gekommen, deshalb denkt der Landkreis jetzt über einen Neubau nach. Foto: lz/t&w

Ersatz für die Fähre „Amt Neuhaus“

Bleckede/Lüneburg. Sie fährt und fährt und fährt – und setzt emsig Pendler, Touristen und Schüler über die Elbe. Die Fähre „Amt Neuhaus“ hält im wahrsten Sinne des Wortes die Verbindung zwischen dem Altkreis Lüneburg und der Gemeinde Amt Neuhaus. Und das seit nunmehr 27 Jahren. Doch der Zahn der Zeit nagt am Stahl der Fähre – und im Kreishaus denkt man deshalb ganz offiziell über einen Ersatz für die „Amt Neuhaus“ nach.

Dieses Mal aber soll kein gebrauchtes Schiff angeschafft werden, sondern ein Neubau. Moderner, größer und leistungsfähiger soll die neue Fähre werden – aber genauso wie die „Amt Neuhaus“ von nur einem Fährmann gesteuert werden. Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer stellte gestern die ersten Überlegungen vor.

Kosten von 2,5 bis drei Millionen Euro

Etwa 2,5 bis drei Millionen Euro würde der Bau einer neuen Fähre verschlingen, „dazu kämen die Kosten für die Anpassung der Anleger auf beiden Seiten der Elbe. Viel Geld, keine Frage, aber nicht nur aus Sicht des Ersten Kreisrates macht diese Investition Sinn: Denn die „Amt Neuhaus“ fahre schon jetzt unter bestimmten Bedingungen, etwa bei starker Strömung, an ihrer Leistungsgrenze, berichtet Krumböhmer. Dass die Fähre trotzdem zuverlässig verkehre, sei nicht zuletzt das Verdienst der Fährleute Jörg und Petra Wilhelm, „die jede Schraube der ‚Amt Neuhaus‘ kennen und ganz viel selbst reparieren können“.

Erste Überlegungen, wie ein Neubau zu finanzieren wäre, gibt es ebenfalls. „Wir haben Gespräche mit dem Land geführt“, sagt Krumböhmer, der auf Fördermittel aus dem kommunalen Straßenbau, sogenannte GVFG-Mittel, in Höhe von bis zu 75 Prozent hofft. Um diesen Topf anzapfen zu können, müssten allerdings die Landesstraßen vom Bleckeder Kreisel bis zum Fähranleger und auf der gegenüberliegenden Seite bis zum Abzweig Richtung Boizenburg zur Kreisstraße abgestuft werden. Das bedeutet, dass nicht mehr das Land, sondern der Landkreis künftig für Unterhalt und Erneuerung dieser Straßenabschnitte zuständig wäre.

Krumböhmer macht wenig Hoffnung auf eine Brücke

Auf der anderen Seite gibt es Kreistagspolitiker, die sich nach wie vor für den Bau der Elbbrücke zwischen Darchau und Neu Darchau starkmachen, obwohl das Millionen-Projekt vom Lüneburger Kreistag mit Mehrheit am 20. Juli 2015 begraben wurde. Zu teuer sei das Projekt, für den Landkreis nicht finanzierbar, lautete die Begründung für den Ausstieg. Und auch jetzt macht Krumböhmer wenig Hoffnung auf eine Brücke: „Selbst Bernd Althusmann als CDU-Spitzenkandidat für die anstehende Landtagswahl hat gesagt, dass er keine Brücke versprechen kann“, erinnert Krumböhmer.

Im übrigen sieht der stellvertretende Kreisverwaltungschef das Fährprojekt unabhängig vom Bau einer Brücke. „Wir wollen auch Bleckede weiter entwickeln und wir wollen den Schülerverkehr weiter optimieren“, sagt er. Dazu sei auch künftig eine zuverlässige Fährverbindung notwendig. „Die Frage, Brücke oder Fähre stellt sich für mich nicht, ich sehe beides als notwendig.“

Um Fördergelder für eine neue Fähre generieren zu können, muss eine Vorplanung erfolgen. „Die kann einige zehntausend Euro kosten“, sagt Krumböhmer, der sich möglichst noch dieses Jahr grünes Licht von der Politik erhofft.

Von Klaus Reschke

Hintergrund: Fähre schon zweimal gesunken

Eine wechselvolle Geschichte hat die Fähre „Amt Neuhaus“: 1939 wurde sie auf der Schiffswerft Bausch in Köln-Deutz als „Rheinhilde“ für den Fährdienst Bad Honnef−Rolandseck gebaut, dort jedoch in den Kriegsjahren nicht eingesetzt und 1945 geplündert und versenkt.

Bald darauf wurde sie gehoben, instand gesetzt, zunächst jedoch nur als Gierseilfähre. Anfang der 1950er-Jahre folgte die Motorisierung und der Einsatz als freifahrende Fähre. 1969 wurde das Schiff außer Dienst gestellt und ein Jahr lang am Fähranleger Bad Honnef aufgelegt, danach wurde es an eine Reederei in den Niederlanden für den Fährdienst zwischen Mook und Katwijk über die Maas verkauft.

Mit dem Bau einer Brücke wurde sie dort überflüssig. Neuer Besitzer wurde für rund 200 000 Mark der Landkreis Lüneburg. Doch auf der Überführungsfahrt sank die geschleppte Fähre in der Nordsee in einem Sturm und musste aus 23 Metern Tiefe geborgen werden. Seit 1990 ist die Fähre in Bleckede im Einsatz.

One comment

  1. Oh, oh. Immer wenn ich Kalkulationen von Politik und Verwaltungen lese bekomme ich irgendwie Bauschmerzen. Ich erinner an den jüngst hier veröffentlichen Artikel über die Kostensteigerungen bei den Strassenbau- und anderen Projekten des Landkreises. An die angedache Arena in der Vrestorfer Heide mag ich gar nicht denken. Ein mehr als waghalsiges Finanzierungskonzept. Warum nur kann hinterher niemand zur Rechenschaft gezogen werden? Aber diese Möglichkeit müssten Politiker letztlich schaffen. Doch wer sägt schon den Ast ab auf dem er sitzt.