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Im August 2015 herrschte Niedrigwasser in der Elbe. Auf Luftbildern des Artlenburger Deichverbands wie hier oberhalb von Hitzacker wird deutlich, wie viel Sand im Fluss ist, was die Lage bei Hochwasser verschärfen kann. Foto: artlenburger deichverband

Mehr Einsatz für den Hochwasserschutz gefordert

Lüneburg. Es kommt zusätzlich Bewegung in die politische Diskussion um den regionalen Hochwasserschutz entlang der Elbe. Regelrecht in Rage geredet hatte sich d er Bleckeder Kreistagsabgeordnete Martin Gödecke (Die Unabhängigen) zu Beginn der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses des Kreistags in Lüneburg. Und er traf offensichtlich einen Nerv.

Zwischen Wut und Verzweiflung

Zwischen Wut und Verzweiflung trug er lautstark seinen Antrag vor zur „Ausweitung der Rückschnittmaßnahmen im Elbdeich-Vorland, um das Abflussverhalten der Elbe bei Hochwasser zu verbessern“. Im Kern konnte er sich mit seiner Forderung nach radikalem Gehölzrückschnitt zwar nicht durchsetzen, doch Norbert Thiemann (CDU) nahm den Ball auf: Der Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbands (ADV) unterstrich die Notwendigkeit zu handeln, bevor das nächste Extremhochwasser heranrollt.

Gödeckes energischer Vortrag war durch die geschlossene Saaltür in den Fluren der Kreisverwaltung zu hören: „Der Busch wächst von Jahr zu Jahr, das Problem und die Gefahr werden immer größer!“ Denn: „Da wo Holz ist, kann kein Wasser sein.“ Gödecke zitierte aus Pressemitteilungen der Grünen, einer Erklärung der Länder Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sowie aus dem niedersächsischen Hochwasserschutzplan.

Allen sei die Aussage gemeinsam, dass das Abflussverhalten der Elbe bei Hochwasser verbessert werden müsse. „Aber es geschieht zu wenig!“ Gödecke verwies auf Berechnungen, wonach bei einem Jahrhundert-Hochwasser der Wasserstand um bis zu 75 Zentimeter abgesenkt werden würde, wenn die Vegetation ausschließich aus Grasland bestünde. Zudem müssten die Sedimentablagerungen im Flussbett abgetragen werden.

„Da, wo Holz ist, kann kein Wasser sein.“
Martin Gödecke, Kreistagsabgeordneter Die Unabhängigen

Bisherigen Fortschritte „nicht sehr befriedigend“

Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis, räumte ein, dass die bisherigen Fortschritte auch aus Sicht der Kreisverwaltung „nicht sehr befriedigend“ seien. Mit Blick auf die theoretisch 75 Zentimeter Wasserstandsabsenkung durch Gehölzrückschnitt sagte er: „Das ist die Differenz zwischen Wald und grüner Wiese im Deichvorland.“ Das könne aber schon wegen der vorgeschriebenen sogenannten Kohärenzmaßnahmen im Biosphärenreservat nicht erreicht werden.

Das sei auch im Arbeitskreis Elbe regelmäßig Thema. Denn für jeden Rückschnitt müsse an anderer Stelle im Deichvorland eine Ersatzpflanzung erfolgen. Aber auch Bartscht verwies darauf, dass die Sedimentation, also die Ablagerung von Sand im Flussbett, einen negativen Effekt habe.

Michael Gaus (Grüne) ergänzte, dass durch Siedlung verloren gegangene Retentionsflächen beziehungsweise Stauräume für den Fluss wiederhergestellt werden müssten. Das scheitere aber an dem noch zu geringen Leidensdruck einzelner Landwirte, die geeignete Flächen für eine Deichrückverlegung nicht bereitstellen wollten.

Problem der Sedimentablagerungen

CDU-Abgeordneter und ADV-Geschäftsführer Thiemann machte anhand von Luftbildern der Elbe deutlich, wie gravierend tatsächlich das Problem der Sedimentablagerungen in der Elbe ist. 2015 herrschte im Fluss ex­tremes Niedrigwasser und dabei traten sichtbar zahlreiche Sandbänke zutage. Thiemann äußerte sowohl „volles Verständnis“ für Gödeckes Antrag als auch für die Kreisverwaltung. Gemeinsam müsse man nun ein „hartes Brett bohren“.

Mit Gehölzrückschnitt allein sei es nicht getan. „Wir waren erschrocken, wie wenig das in der Vergangenheit gebracht hat.“ Nichtsdestotrotz müsse man beispielsweise dringend mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern reden, das für den zuwachsenen Prallhang gegenüber von Barförde zuständig sei.

Zudem solle der Kreis bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes darauf drängen, „die Buhnenköpfe und -felder vernünftig zu unterhalten und von Bewuchs freizuräumen“. Und: „Wir müssen nicht nur über die Engstellen zwischen den Deichen reden, sondern auch über die Engstelle, die uns durch das Aufwachsen der Elbsohle durch Sedimentablagerungen entsteht.“

Während im oberen Lauf der Elbe Vertiefungen entstünden, setze sich das Material zusehends am unteren Elbe-Verlauf fest. Dazu schlug Thiemann vor, Experten vom Braunschweiger Leichtweiß-Institut für Wasserbau im Umweltausschuss zu Rate zu ziehen. Dem folgte der Ausschuss einstimmig, der Antrag von Gödecke wird so lange vertagt.

Von Dennis Thomas