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Der 75 Meter lange Zeppelin hatte jede Menge Messtechnik an Bord, mit der die Wissenschaftler des HZG an der Elbe Aufnahmen des Strömungsverhaltens machten. (Foto: tja)

Zeppelin auf Forschungsreise

Geesthacht/Lauenburg. Experten des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG) und von sieben anderen Instituten der Helmholtz-Gemeinschaft wollen in eine m groß angelegten Forschungsprojekt Daten zu Strömungen und Umwelteinflüssen in Elbe und Nordsee sammeln. „Wir wollen die Elbe verstehen lernen“, erklärte Wissenschaftler Holger Brix vom HZG, der an dem Projekt beteiligt ist. Dazu war gestern unter anderem ein Zeppelin von Cuxhaven kommend an Geesthacht und Lauenburg vorbei elbaufwärts unterwegs. Von dort aus wurde mit Spezialkameras das Strömungsbild des Flusses aufgenommen. Fotos einer Drohne, Strömungsdaten, die ein Messboot aufzeichnete, und Bilder eines mobilen Radars werden die Informationen für die Datenbank ergänzen.

„Wir sammeln jetzt Grundlagen bei normalem Wasserstand, um die Daten später, wenn ein Hochwasser kommt, mit den dann ebenfalls erfassten Daten vergleichen zu können“, erklärte Brix. So soll es gelingen, Einflüsse des Hochwassers auf das Strömungsverhalten zu erkennen. Brix: „Das Hochwasser hier bei uns hängt ja von vielen Faktoren ab. Wie bildet sich ein Tief über dem Atlantik, wie regnet es in Tschechien ab und wie kommt das Wasser durch die Elbe in die Nordsee.“

Ziel der Untersuchungen soll es sein, künftige Flutszenarien besser vorhersagen und optimalen Schutz errichten zu können. „Da Geld bekanntlich knapp ist, wäre es ja wichtig, genau sagen zu können, wo Hochwasserschutz besonders wichtig ist. Die Daten dazu wollen wir liefern“, so Brix.

Wiederholung geplant bei Hochwasser

Das Spektakel mit dem 75 Meter langen Zeppelin, der gestern Mittag 15 Minuten für seine Messungen in bis zu 300 Metern Höhe über der Elbe vor Lauenburg stand, lockte zahlreiche Menschen an die Ufer. Auch am HZG hatte der Zeppelin eine Ehrenrunde gedreht, um die Küstenforscher zu grüßen. Die arbeiten in dem Projekt unter anderem mit dem AWI (Helgoland) und dem UFZ (Leipzig) zusammen. Brix: „Wir werden eine gewisse Zeit benötigen, um unsere Basisdaten abzugleichen und in eine einheitliche Form zu bringen. Aber danach wird das sicher sehr hilfreich sein.“ Bei einem neuerlichen Hochwasser der Elbe sollen die Messungen wiederholt werden. Käme ein Hochwasser aber schon 2018, wäre das laut Brix zu früh, weil dann die Basisdaten wahrscheinlich noch nicht vereinheitlicht sein dürften.

Der Klimawandel, Offshore-Windparks, Einträge aus der Landwirtschaft oder der Wasserbau beeinflussen das Leben in und an der Elbe sowie im Wattenmeer. Doch Prognosen zum Ausmaß des Umweltwandels seien weiter unsicher, so Brix. „An Küsten oder Flussregionen ist die Umwelt so komplex, dass sich meist nur Teilprozesse untersuchen lassen. Indem wir die verschiedenen Messgeräte und Instrumente gleichzeitig einsetzen, wollen wir komplizierte Prozesse bei Starkregen im Elbeeinzugsbereich besser verstehen“, erklärte der Küstenforscher aus Geesthacht. „Diese kombinierten Echtzeitdaten von Landoberfläche, Wasser und Atmosphäre geben uns ein viel vollständigeres Bild der Zusammenhänge und sind in dieser Form weltweit einmalig“, sagt er. In einem ersten Schritt waren die Experten am Donnerstag mit Forschungsschiffen und mit dem Zeppelin bei Helgoland und in der Elbmündung unterwegs. Gestern folgte nun der zweite Teil der Untersuchung elbaufwärs von Cuxhaven bis Cumlosen.

Von Timo Jann