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Das Bild verbinden viele mit Japan: Tessa Tews hat sich als Geisha gewandet. Auf ihrem eigenen Blog erklärt sie, was Touristen noch wissen sollten über ihre neue Heimat. (Foto: nh)

Japan für Anfänger

Lüneburg. Wie funktioniert eigentlich eine japanische Toilette? Die Frage mag komisch klingen, für viele Touristen, die Japan zum ersten Mal besuchen, kann die Antwort aber äußerst nützlich sein. Japanische Toiletten haben wesentlich mehr Knöpfe, Symbole und Schriftzeichen, die Auswärtige nicht lesen können. Wie soll sich ein Deutscher da zurechtfinden? Helfen möchte in solchen Alltagsfragen eine ehemalige Lüneburgerin. Tessa Tews schreibt im Internet einen Blog, gibt dort einen Einblick in das Land, die Leute, in Sitten und Gebräuche.

Drei Jahre an der Leuphana gearbeitet

Die gebürtige Bielefelderin studierte Informatik in ihrer Heimatstadt, ehe sie 2010 an die Leuphana Universität Lüneburg kam, um als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig zu werden. Drei Jahre später zog sie schließlich nach Japan um, seit 2015 schreibt sie ihren Blog „WanderWeib“. Denn anfangs berichtete sie über ihre Wanderausflüge in dem asiatischen Land. Als dann Freunde sie in Japan besuchten und häufiger ihre Hilfe brauchten, weil sie sich nicht zurechtfanden, begann sie, Artikel mit Reisetipps zu verfassen. „Es war einfach nervig, immer wieder dieselben Sachen erklären zu müssen“, begründet Tessa Tews.

Für Touristen gebe es im Internet vor allem Seiten auf Englisch und Japanisch, die aus ihrer Sicht wesentlichen Informationen seien weit verstreut und nicht zusammenhängend. Auf ihrem Blog will sie alles bündeln, was man für eine Japanreise braucht. Zum Beispiel Tipps darüber, wo man zu welcher Jahreszeit gut wandern kann oder wo wann die berühmte japanische Kirschblüte zu sehen ist. Auch einige Sätze auf Japanisch, mit denen Touristen sich besser zurechtfinden und sich auch bei den Japanern beliebt machen können, will sie vermitteln. „Man muss die Sprache zwar nicht können, weil in Japan vieles auf Englisch ausgeschildert ist. Es kann aber ein Türenöffner sein“, findet sie.

„Tokio ist lecker“

Dazu gibt sie jede Menge praktische Tipps, zum Beispiel für günstige Flüge oder freies WLAN, Hinweise zur japanische Etikette, Informationen zu Sehenswürdigkeiten in vielen großen Städten und vor allem zahlreiche Einträge über die Hauptstadt Tokio, wo Tessa Tews heute lebt. „Tokio ist lecker“, sagt sie begeistert, denn es sei eine Stadt für Gourmets. „Hier gibt es wirklich gutes Essen für wenig Geld. Die Auswahl ist groß, man kann aus allen Ecken der Welt etwas finden.“

Tessa Tews hat schon viel von Japan gesehen, sie schätzt Stadt und Land gleichermaßen. Sie mag die vielen Berge und ein gut ausgebautes Wandernetz. Mit einem GPS-Track auf ihrer Seite kann man sich auch zurechtfinden, wenn man kein Japanisch spricht. Man könne in Japan einfach auf einen Berggipfel steigen und die Einsamkeit genießen. Die Stadt habe aber auch viel zu bieten. Der wichtigste Hinweis für Touristen aus Sicht der ehemaligen Lüneburgerin: „Auf keinen Fall eine Gruppenreise buchen!“ Dabei hetze man nur durch das Land und habe gar keine Zeit, sich die schönsten Orte einmal näher anzusehen.

Pro Tag schon mehr als 9000 Zugriffe

Tessa Tews hat mit ihrem Blog offenbar eine echte Nische gefüllt. Zwar erntete sie zu Anfang viel Kritik für ihren Schreibstil und wurde teilweise sogar für ihre Rechtschreibung beschimpft. Doch heute statten zahlreiche deutschsprachige Touristen vor ihrem Japan-Besuch auch ihrer Seite einen Besuch ab. „Wenn ich fünf deutsche Touristen in Japan frage, kennen mindestens vier meinen Blog“, erzählt sie stolz. Die ARD, die Wiener Philharmoniker und die deutsche Botschaft seien nur einige Beispiele dafür, wer sie schon um Rat gefragt habe. Pro Tag habe der Blog 9000 bis 11 000 Zugriffe, so viele, dass die Bloggerin einen eigenen Server organisieren musste, um ihre Seite am Laufen zu halten. Zurzeit sei das Schreiben nur ein Hobby, Tews arbeitet hauptberuflich als Informatikerin. Bis zu den Olympischen Spielen in Japan in zwei Jahren soll die Seite aber so weit ausgebaut werden, dass sie davon leben kann. Dafür sucht sie aktuell noch Sponsoren.

„Meine Artikel schreibe ich für die Leser, nicht für mich“, sagt Tessa Tews. Sie schreibe nicht über ihre eigenen Reiseerfahrungen, sondern will ihren Lesern praktische Hilfe bieten, damit sie sich in einem für sie fremden Land zurecht zu finden. Für die Zukunft plant sie weitere Artikel über das Leben in Japan, zum Beispiel wie man eine Wohnung findet oder wie man Etiketten lesen kann, wenn man Essen kaufen möchte.

Von Katharina Kleine Wächter

One comment

  1. Und für alle, die die URL suchen: https://wanderweib.de

    Viele Grüße aus Tokio
    Tessa