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Mit Hilfe von Experten wurden schon 16 von 19 Blindgänger-Verdachtspunkten genauer untersucht. Darüber hinaus gab es bei der Entstehung des Neubaugebietes Ilmenaugarten regelmäßig Sondierungen – und Bombenfunde. (Foto: A/t&w)

Neuer Bombenverdacht in Oedeme

Lüneburg. Die Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen Lüneburg, aber auch andere Städte, bis heute. Die jüngsten Blindgängerfunde in Wilschenbruch ware n die Funde Nummer 13 und 14 in Lüneburg seit dem Jahr 2014. Sie waren bei der gezielten Untersuchung von Verdachtspunkten gefunden worden. Und es gibt weitere Verdachtspunkte: einen in Oedeme, zwei auf Bundeswehrareal.

Karten liefern wichtige Hinweise

In den vergangenen Jahren hat die Stadt die Ermittlung und Untersuchung von Blindgängerverdachtspunkten weiter systematisiert. Markus Moßmann, Lüneburgs Sicherheitsdezernent, sagt: „Wir fühlen uns bestätigt, dass es richtig ist, die Blindgänger-Problematik systematisch anzugehen, um Risiken für die Bevölkerung zu minimieren. Insofern war es auch richtig, als vorbereitende Maßnahme eine Kampfmittelbelastungskarte erstellen zu lassen, die auf Grundlage einer Luftbildauswertung eine Gefährdungsbeurteilung für das Stadtgebiet ermöglicht. Neben den jetzt untersuchten Blindgängerverdachtspunkten sind in diesem Kartenmaterial auch Bombentrichter verzeichnet. Denn es soll eben möglichst gerade nicht passieren, dass jemand auf seinem Grundstück Boden aushebt, weil er den Garten umgestalten will, oder für einen kleinen Anbau tiefer gräbt und dann auf einen Blindgänger trifft.“

Die Stadt rät: Wer auf seinem Grundstück ins Erdreich eingreifen oder kleinere, auch genehmigungsfreie Umbauten vornehmen möchte, bei denen es mehr als einige Spatenstiche in die Tiefe geht, sollte sich vorab bei der Stadt über sein Grundstück informieren. Jene Grundstücksbesitzer oder auch Zeitzeugen, die Hinweise auf weitere mögliche Blindgänger-Fundorte haben, können sich melden unter (04131)  3094400.

Bislang haben sich 21 Eigentümer in dieser Angelegenheit an die Stadt gewandt. Ihre Anfragen wurden anhand der in der Verwaltung vorliegenden Karten und Unterlagen zum Thema Kampfmittel überprüft. In der Antwort erfährt der Eigentümer dann, ob zum Beispiel eine Sondierung zu empfehlen ist oder ob die Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins von Kampfmitteln auf dem Grundstück als gering zu bewerten ist. Von den 21 verschickten Briefen enthielten immerhin zehn die dringende Empfehlung, das Grundstück vor Eingriffen in den Boden von einer Fachfirma sondieren zu lassen. Denn nur eine solche Sondierung kann eine verlässliche Antwort bezüglich Kampfmittelbelastung liefern. Bei genehmigungsbedürftigen Bauvorhaben wird eine Sondierung im Bereich des Baufeldes inklusive Sicherheitszuschlag zur Auflage gemacht.

Tiefensondierung wohl im November

Gehen über die zentrale städtische Nummer Hinweise auf möglicherweise der Stadtverwaltung noch unbekannte Verdachtspunkte von Bomben ein, überprüft die Stadt diese und aktualisiert ihre Unterlagen. Moßmann erläutert: „Wir sind zu Beginn dieses Jahres von insgesamt 19 bekannten Blindgängerverdachtspunkten im Stadtgebiet ausgegangen. Davon haben wir 16 Punkte abgearbeitet und insgesamt drei Funde gehabt. Von einem weiteren Punkt wissen wir, dass wir dort noch tiefer sondieren müssen. Ich denke, das Verhältnis von Funden zu Nichtfunden gibt uns recht, dass es besser ist, genauer hinzusehen.“ Das gelte umso mehr, wenn man sich die Bilanz der Untersuchung des Neubaugebietes Ilmenaugarten verdeutliche: Dort gab es einen bekannten Verdachtspunkt, der sich nicht bestätigt hat – dafür neun Funde, die bei der systematischen Untersuchung des Geländes gefunden wurden, auf die aber bis dato keine Hinweise vorgelegen hatten.
Eine weitere Tiefensondierung auf einem städtischen Wiesengrundstück am Oedemer Ortsrand in Richtung Bockelsberg steht voraussichtlich im Laufe des Novembers an. Dort müssen aufgrund der landschaftlichen Besonderheiten zuvor noch Gespräche geführt werden. Die Verwaltung wird dazu vorab im Ortsrat Oedeme informieren. Außerdem wird die Stadt in Kürze das Gespräch mit der Bundeswehr aufnehmen über zwei Verdachtspunkte auf dem Gelände der Theodor-Körner-Kaserne. sp

Zur Gefährlichkeit der Blindgänger
Erfahrungswerte und Untersuchungen vergangener Jahre legen die Einschätzung nahe, dass von einem Bombenblindgänger, der in einiger Tiefe sicher im Erdreich liegt, im Normalfall keine akute Gefährdung ausgeht. Glaubt man den Fachleuten, steigt allerdings das Gefährdungspotenzial von nicht detonierten Bomben im Laufe der Zeit zum Beispiel durch Korrosionsschäden (Rost).

Das gilt umso mehr für Bomben mit Langzeitzündern, bei denen aufgrund der Korrosion der Zündmechanismus unter Umständen mit jahrzehntelanger Verzögerung auslöst. Solche Blindgänger sind in Lüneburg allerdings noch nicht geborgen worden. Unabhängig hiervon wird die Bergung bzw. Entschärfung bei fortschreitender Zeit auch zunehmend schwieriger. Und: Gefährlich wird es natürlich immer dann, wenn man ahnungslos den Blindgänger freilegt, etwa bei Bau- oder Bodenarbeiten.