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Der Lüneburger Dr. Uwe Tiedemann (l.), seit 2006 Präsident der Bundestierärztekammer, nimmt bei Coco die Analbeutelentleerung vor. Tierarzthelferin Yara Benkhoff hät den Mischling von Günther Knoblauch behutsam fest. (Foto: be)

Wenn Hund und Katze zum Doc müssen

Lüneburg. Coco hat Probleme mit der Analdrüse, das riecht unangenehm. So macht sich Herrchen Günther Knoblauch mit seinem Golden Retriever Mix auf zum Tierarzt, damit dieser das Problem quasi wegdrückt. Für diese Analdrüsenentleerung zahlt der Hundehalter 18,48 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Bis vor kurzem wären es 16,51 Euro gewesen, doch die Gebühren der Veterinäre sind gestiegen.

Wer mit seinem Haustier zum Tierarzt muss oder ihn zu Pferden, Kühen oder anderen Tieren auf seinen Hof holt, muss etwas tiefer in die Tasche greifen: „Die Gebühren für tierärztliche Leistungen sind nun erstmals seit neun Jahren pauschal um 12 Prozent angehoben worden, außerdem gab es es eine Anpassung der Gebührensätze für die Beratung von Nutztierhaltern (Bestandsbetreuung) um 30 Prozent“, sagt Stefan Schlawinsky, Kreisstellenvorsitzender der Tierärzteschaft Lüneburg. Der Bundesrat hatte vor einigen Wochen der entsprechenden vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorgeschlagenen Änderung der Tierärztegebührenordnung (GOT) zugestimmt.

Bundestierärztekammer fordert höhere Gebührensätze

Die Bundestierärztekammer begrüßte zwar die Anhebung der Sätze, zeigte sich aber über die Höhe enttäuscht. Ihr Präsident, der Lüneburger Tierarzt Dr. Uwe Tiedemann, moniert: „Vor dem Hintergrund der Inflationsanpassung und der steigenden Kosten für medizinische Geräte, Personal, Versicherungen, Entsorgung, Energie und Dokumentationen haben wir bereits 2012 eine Anhebung der einfachen Gebührensätze um mindestens 20 Prozent gefordert. Die zugestandenen 12 Prozent entsprechen nicht einmal dem Inflationsausgleich. Im Vergleichszeitraum sind dagegen die Gehälter für den öffentlichen Dienst um über 24 Prozent gestiegen.“ Dr. Tiedemann weist darauf hin, dass „bei uns dann noch 19 Prozent Mehrwertsteuer draufkommen, die ans Finanzamt abgeführt werden müssen“. Und Schlawinsky sagt: „Leider wurden auch Leistungen, die zunehmend gefordert werden – etwa individuelle Beratungen – nicht aufgenommen.“ Die Chance einer inhaltlichen Anpassung und Neustrukturierung einschließlich individueller Neubewertung jeder einzelnen Gebühr entsprechend dem Vorschlag der Tierärztekammer aus dem Jahr 2012 sei verpasst worden.

Preisbeispiel: 12 Prozent mehr

Die geänderte Gebührenordnung sieht nun beispielsweise folgende Gebühren für eine allgemeine Untersuchung mit Beratung vor: für eine Katze 8,98 Euro, für einen Hund 13,47 Euro, für Ferkel, Schaf und Ziege 7,71 Euro, für ein Mastschwein 9,62 Euro, für ein Zuchtschwein 12,84 Euro, für ein Rind 12,84 Euro und für ein Pferd 19,24 Euro. Diese Sätze gelten nur für Grundleistungen und nicht für Leistungen, die in der Zeit zwischen 19 und 7 Uhr oder während des Bereitschaftsdienstes an Wochenenden (sonnabends 13 Uhr bis montags 7 Uhr) erbracht werden.

Von Rainer Schubert