Mittwoch , 19. September 2018
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Die Grafik zeigt die Ergebnisse der Kandidaten im Wahlkreis Lüneburg/Lüchow-Dannenberg im Vergleich zum Erststimmenergebnis bei der vorangegangenen Bundestagswahl. Grafik: meiferts

Drei Tickets für Berlin

Lüneburg. Das eigene Ergebnis rückt in den Hintergrund: Entsetzen bei CDU, SPD, Grünen, FDP und Linken über das satte Abschneiden der AfD. Egal, wo gefeiert wir d, ist so manchem ist klar, dass die Themen, welche die Partei setzt, auch für sie zum Thema werden dürfte: Flüchtlingspolitik, das Gefühl, nicht mehr sicher zu leben, das Gefühl, dass die „Altparteien“ ihre Versprechen brechen.

Das Ergebnis bedeutet für die Region, dass sie zwar weiterhin drei Abgeordente nach Berlin schickt. Aber nicht mehr Hiltrud Lotze von der SPD: „Ich habe es nicht geschafft.“ Eckhard Pols (CDU) hingegen hat das Ticket zum dritten Mal gelöst. Dr. Julia Verlinden (Grüne) sitzt durch ihren sicheren Listenplatz wieder im Bundestag. In der Region erringt die AfD ein Bundestagsmandat: Wilhelm von Gottberg (77) hat es geschafft. Nicht gereicht hat es für Michèl Pauly von den Linken.

Die CDU holt knapp 31 Prozent

Die AfD feiert sich im „Adlerhorst“. Da ist greifbar, was ihren Erfolg ausmacht. An einem der Tische sitzen Yvonne (42) und Sven (45), die ihren Nachnamen nicht nennen wollen. Sie ist Angestellte einer Krankenkasse, er Arbeiter. Sie listen auf, was sie stört. Sie sagt: „Ich gehe abends nicht allein an den Stint, da gibt es Messerstechereien, einer Bekannten wurde das Handy geklaut.“ Er findet, in der Pflege werde zu wenig getan: „Ich zahle hohe Kassenbeiträge und werde schlecht versorgt.“ Und beide monieren: Sozialwohnungen fehlen, aber es ist Geld für den Libeskind-Bau, Stuttgart 21 und die Elbphilharmonie da.

Die CDU holt knapp 31 Prozent, 2 Prozent weniger als im Bund. Die SPD ist hier stärker: 23,5 zu 20,5. Die Grünen schneiden mit 13,6 Prozent besser ab als im Bund mit knapp 9 Prozent. Die Linke liegt mit 9,2 Prozent im Bundestrend. Die FDP hat mit gut 9,1 und somit eineinhalb Prozentpunkte schlechter abgeschnitten.

Claudia Schmidt will stärker im Amt Neuhaus Präsenz zeigen

Bei den Grünen sind sich die Kreissprecher Claudia Schmidt und Oliver Kraemer einig: „Alle Parteien müssen sich an die Nase fassen und analysieren, was sie versäumt haben.“ Claudia Schmidt will stärker im Amt Neuhaus Präsenz zeigen, wo man kein Mitglied habe. Das lässt sich in Zahlen ablesen: Keine vier Prozent haben sie da. Die Linken um Michèl Pauly hoffen: Mit der SPD in der Opposition könnten sie eine Zusammenarbeit aufbauen, das könnte auch in die Region ausstrahlen.

Es zeigt sich: CDU-Mann Eckhard Pols ist stark in Lüchow-Dannenberg, wo er am Sonntag auch feierte. In Meetschow bei Gartow holte er er mehr als 62 Prozent der Erststimmen. An den Berufsbildenden Schulen in Lüneburg sind es hingenen nur knapp 15 Prozent. Hildtrud Lotze von der SPD holt die meisten ihrer guten Werte in der Stadt Lüneburg.

Die Parteien haben die Landtagswahl am 15. Oktober im Blick. Einig sind sich Genossen wie Andrea Schröder-Ehlers und Hiltrud Lotze sowie Grüne wie Landtagskandidat Detlev Schulz-Hendel, dass sie da weiter auf ein rot-grünes Bündnis setzen. Schließlich habe die CDU insgesamt ja deutlich schlechter abgeschnitten. Bei der Landtagswahl werde es anders ausgehen als im Bund.
Von Carlo Eggeling