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Georg Janßen, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft aus Lüneburg, fordert bei der Versammlung des Agrarbündnisses Niedersachsen ein Umdenken bei der Förderpolitik zugunsten kleiner, bäuerlicher Betriebe. Foto: t&w

Zukunftsgerechte Landwirtschaft

Lüneburg . Einen Tag vor Beginn der Agrarministerkonferenz am Mittwoch in Lüneburg brachten sich Landwirte, Tier-, Umwelt- und Verbraucherschützer in Stellung. D as Agrarbündnis Niedersachsen verdeutlichte seine Forderungen für einen Umbau der deutschen Landwirtschaft am Dienstag Vormittag bei einer Pressekonferenz vor dem Kran am Stintmarkt. Der Bauernverband Nordostniedersachsen (BVNON) hatte nur wenige hundert Meter entfernt auf dem Marktplatz ein sogenanntes Schweine-Mobil aufgebaut, um Verbrauchern zu zeigen, „wie Schweine heute tatsächlich gehalten werden“ (Thorsten Riggert, BVNON-Vorsitzender).

Mit politischen Forderungen hielten sich die Agrarscouts des Bauernverbandes am Dienstag zurück, ihr Ziel: „Wir wollen anlässlich der Agrarministerkonferenz mit den Verbrauchern diskutieren, ihnen zeigen, wie es aussieht in einem Schweinestall“, erklärte Riggert. Dafür hatten die Landwirte drei echte Schweine in einem nachgebauten Stallabteil auf Rädern mitgebracht, standen neugieren Besuchern mit einem Team von Landwirten Rede und Antwort. Seine politische Forderungen an die Agrarminister wird der Verband erst am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz auf dem Marktplatz vorstellen. Absehbar ist allerdings: Die Positionen des Bauernverbandes werden sich von denen des Agrarbündnisses zumindest zum Teil deutlich unterscheiden.

Das Agrarbündnis ist ein Zusammenschluss von Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt- und Tierschutz, aus Verbraucherorganisationen und der Entwicklungszusammenarbeit. Ihre Forderungen verdeutlichten am Dienstag der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Georg Janßen, der stellvertretende Geschäftsführer des BUND Niedersachsen, Tilman Uhlenhaut, sowie die Landesteamleiterin des Bundesverbandes der Deutschen Milchviehhalter (BDM), Johanna Böse-Hartje. Tenor: Die Bundespolitik muss endlich die Weichen stellen für eine bäuerliche, gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft. „Als 1990 das letzte Mal eine Agrarministerkonferenz in Lüneburg stattgefunden hat, hatten wir in Deutschland noch 670.000 landwirtschaftliche Betriebe“, sagt Janßen, „nun sind es nur noch 275.000.“ Das Höfesterben sei dramatisch, „doch weder der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) noch der Deutsche Bauernverband tun etwas dagegen“.

Janßen fordert einen Minister-Vorschlag für eine bäuerliche und ökologische EU-Agrarreform. Noch immer gingen 85 Prozent der Direktzahlungen aus Brüssel an 20 Prozent der Betriebe. „Damit muss Schluss sein“, sagte er. „Wir fordern, die Zahlungen an konkrete gesellschaftliche Leistungen zu binden!“

Uhlenhaut vom BUND richtete seinen Appell direkt an die künftige Bundesregierung. „Es muss jetzt ein Umbau zu einer tiergerechten und umweltschonenden bäuerlichen Nutztierhaltung eingeleitet, ein entsprechendes Programm in den neuen Koalitionsvertrag aufgenommen werden – mit einem genauen Zeitplan, einer gesicherten Finanzierung und konkreten Vorgaben, welche Gesetze geändert werden müssen.“ Konkret müsste unter anderem der Einsatz von Reserveantibiotika im Stall und das Töten von Eintagsküken verboten werden.

Für die Milchbauern machte sich Böse-Hartje vom BDM stark. Sie forderte von den Landesregierungen und der neuen Bundesregierung Regeln, die einen preisruinierenden Anstieg der Erzeugungsmengen vermeiden. „Unsere Vorschläge für ein Marktkriseninstrument liegen den Ministern vor“, erklärte sie. „Die Zukunft liegt für uns nicht auf den Exportmärkten der Welt, sondern in der Qualitätserzeugung wie Weidehaltung, Langlebigkeit der Kühe oder eine grasbetonte, kraftfutterreduzierende und gentechnikfreie Fütterung.“
Von Anna Sprockhoff

Treffen der Agrarminister

Von Schweinehaltung bis Breitband

Die Agrarministerkonferenz (AMK) trifft sich in diesem Jahr zu ihrer Herbsttagung unter Vorsitz von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer bis Freitag, 29. September, in Lüneburg. Konferenzort ist das Hotel Bergström. Auf der Tagesordnung der Minister und Ministeriumsmitarbeiter stehen insgesamt 58 Punkte. Die Themen reichen von einem Krisenprogramm für den Milchmarkt, über die Haltung von Sauen in Kastenständen bis hin zu dem umstrittenen Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat.

Am Donnerstag steht auch ein Besuch auf dem Bauckhof in Amelinghausen auf dem Programm. 2016 hatte Meyer den Hof als „Juwel“ bezeichnet, der zeige, „wie gut der ökologische Landbau funktioniert“.