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Die Arbeiten zum Brandschutz im Kindergarten Embsen verzögern sich. Nur noch bis Ende Oktober läuft eine Ausnahmegenehmigung der Landesschulbehörde. Foto: be

Wer hat Schuld am Stillstand?

Embsen. Es brodelt in Embsen – oder wie es ein Politiker ausdrückt: „Da ist richtig Dampf auf dem Kessel!“ Seit einem halben Jahr ist die obere Etage des Kinder gartens in Embsen gesperrt – wegen Mängeln beim Brandschutz. Die Gemeinde bemüht sich seitdem, baulich nachzubessern, fühlt sich aber von der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises geradezu drangsaliert. In einer Mail an Kreisrätin Sigrid Vossers – die der LZ vorliegt – macht Embsens Bürgermeister Stefan Koch (UWI) jetzt seinem Unmut Luft: „Von der unbürokratischen Hilfe, die Sie uns persönlich bei einem Ortstermin versprochen hatten, haben wir noch nicht einmal im Ansatz etwas erfahren dürfen. Im Gegenteil, jeder Stein, der sich anbietet, wird uns und den Beteiligten in den Weg gelegt!“

Seit April dürfen Kinder und Erzieher die oberen Räumlichkeiten des Kindergartens an der Lindenstraße aus Sicherheitsgründen nicht mehr nutzen. Aktuell ist eine der drei Gruppen der Embsener Kita in einer Containeranlage untergebracht. Die steht am Ende der nahen Gartenstraße.

Seit April ist der Bewegungsraum tabu

Für Kiga-Leiterin Daniela Krause und ihre Kolleginnen ist es trotzdem eine missliche Situation, denn für die beiden verbliebenen Gruppen im Hauptgebäude ist seit April der Bewegungsraum tabu. „Die Landesschulbehörde hat uns für den Weiterbetrieb der Einrichtung eine Ausnahmegenehmigung nur bis zum 31. Oktober erteilt“, berichtet Bürgermeister Koch, „im guten Glauben, dass wir bis dahin die notwendigen Bauarbeiten erledigt haben werden“. Bis dahin gilt quasi das Außengelände des Kindergarten als Bewegungsraum. Doch die Zeit läuft ab – und noch war kein Handwerker auf der Baustelle, gibt es noch nicht einmal eine Baugenehmigung.

In der Schuldfrage schieben sich Gemeinde und Landkreis gegenseitig den Schwarzen Peter zu: Bürgermeister Koch empfindet das Vorgehen des Kreises als „pure Verwaltungswillkür“. „Was sollen etwa die Nachforderungen im Bereich der Gaube zum jetzigen Zeitpunkt?“, fragt der Bürgermeister und setzt nach: „Es ist unüblich, deshalb die Baugenehmigung zu blockieren.“

Brandschutz hat höchste Priorität

Mit den Vorwürfen konfrontiert, kontert Kreisrätin Sigrid Vossers: „Der Brandschutz hat bei uns höchste Priorität, da machen wir keine Kompromisse. Hier geht es um die Sicherheit der Kinder.“ Im Übrigen habe der Kreis dem von der Gemeinde beauftragten Planungsbüro von Anfang an die baulichen Mängel aufgezeigt, „damit die Architekten die Anforderungen schnell umsetzen können,“ erwidert Sigrid Vossers. Es sei aber das Planungsbüro selbst, das um Fristverlängerung gebeten habe. „Da kann man jetzt nicht die Schuld auf den Kreis schieben“, verteidigt Vossers ihre Mitarbeiter. Nichtsdestotrotz stehe man im engen Kontakt mit Gemeinde und Planungsbüro. „Wir bemühen uns wirklich“, versichert die Kreisrätin.

„Seit Anfang der Woche liegen dem Kreis alle geforderten Unterlagen unseres Planers bezüglich des Umbaus der Gaube für den Notausstieg zur geplanten Feuertreppe und zum geforderten F30-Brandschutz in der Decke vor“, berichtete am Dienstag Bürgermeister Koch gegenüber der LZ. Auch die Gemeinde bemühe sich, Planung und Bau voranzutreiben. „Das ist eine gute Nachricht“, sagt Kreisrätin Vossers und stellt jetzt auch Teilbaugenehmigungen in Aussicht. Damit die Bauarbeiten endlich starten können im Kindergarten Embsen.
Von Klaus Reschke