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In Hamburg steht das Projekt in den Startlöchern, gern würde Yannick Reimers auch in Lüneburg junge Menschen für sein Aufklärungsstück begeistern. Der Leuphana-Student zeichnet und malt für sein Leben gern, seine Bilder hat er schon ausgestellt. Foto: phs

Was tun bei Ausgrenzung?

Lüneburg. Er malt, zeichnet und fotografiert gern, arbeitet als Schauspieler, hat schon eigene Theaterstücke geschrieben und studiert in Lüneb urg: Yannick Reimers tanzt auf zehn Hochzeiten gleichzeitig. Viel Zeit investiert der 25-Jährige zurzeit in ein Kinderbuch, mit dem er den Tod seiner Mutter aufarbeiten und gleichzeitig anderen eine Stütze sein möchte. Und da ist noch sein Projekt, das in Hamburg im November startet und auch in Lüneburg etabliert werden soll: die „Stadtteil-Tour für Miteinander“. Dahinter verbirgt sich ein Aufklärungsstück, das aus der Feder des Bergedorfers stammt. Es handelt von Fremdenfeindlichkeit und soll als kulturelles Bildungsprojekt in den Schulunterricht eingebunden werden.

Seit einem Jahr laufen die Planungen für die Tour, Reimers konnte elf Abgeordnete aus Hamburg dafür begeistern. Jeder von ihnen wird in einer Schule eine Diskussionsveranstaltung moderieren. Im Zentrum steht „Die atmende Wand“. Das Stück hat Reimers im Jahr 2012 geschrieben, kurz zuvor hatte er bei der Einweihung eines Mahnmals einen Reizgas-Anschlag auf ehemalige polnische Zwangsarbeiter miterleben müssen. „Diese Fremdenfeindlichkeit hat mich so geschockt, auch, dass es so etwas heute noch gibt.“

„Ängste müssen dringend abgebaut werden“

Er stellte in seiner Geschichte eine Vater-Sohn-Beziehung in den Mittelpunkt, als Schauplatz wählte er bewusst einen Ort, der einem Konzentrationslager ähnelt. „Dort erleben die beiden Trennung, Gewalt und letztlich auch ihren Tod“, fasst Reimers die Handlung kurz zusammen. In vielen Schulen und auch in Kirchen hat er das Stück schon inszeniert, 2014 wurde er mit dem Bertini-Preis ausgezeichnet. Diese Ehre wird jungen Menschen zuteil, die sich für ein solidarisches Zusammenleben in Hamburg engagieren.

Reimers hat „Die atmende Wand“ universell geschrieben, um es auf jede Form von Feindlichkeit anwenden zu können. „Es zeigt, was im schlimmsten Fall passieren kann, wenn Menschen ausgegrenzt und diskriminiert werden.“ Gerade in der heutigen Zeit hält der Lüneburger Student Aufklärung in dem Bereich für wichtig. „Es ist wichtig, dass die Menschen ins Gespräch kommen und sich niemand abschottet. Ängste müssen dringend abgebaut werden.“

Und dafür möchte er nun mit der Stadtteil-Tour sorgen, die auch in den Lüneburger Schulen und in der Universität Einzug halten soll. In Hamburg hat Reimers das Projekt auf weiterführende Schulen begrenzt und dafür elf Abgeordnete an Bord geholt. Eine Pädagogin des Oetinger-Verlags hat Materialien für den Unterricht entworfen. Zudem ist geplant, dass der Jung-Schauspieler das Stück auch gemeinsam mit einer Musikerin in der Schule inszeniert. Vier Unterrichtsstunden sind für das Projekt angesetzt, darin ist auch das Nachgespräch enthalten, bei dem dann ein Politiker dabei ist.

Projekt für den Schulunterricht

Ziel des Projekts sei es, dass die Schüler eigenständig Lösungsvorschläge für Problematiken wie Ausgrenzung erarbeiten. Bei einer Abschlussveranstaltung sollen die besten Ideen präsentiert, die gesammelten Werke dann der Politik übergeben werden.

An der Ilmenau würde Reimers gern noch einen Schritt weiter gehen, deshalb hat er sich als Dozent an der Leuphana beworben. „Ich möchte Studenten zeigen, wie man ein Friedensprojekt umsetzt. Es ist mir ein Anliegen, andere dazu zu bringen, sich zu engagieren.“ Bürgermeister Eduard Kolle habe schon Interesse signalisiert, verrät Reimers, nun hätte er gern auch Leuphana-Präsident Sascha Spoun an Bord. „Vielleicht ja sogar als Schirmherr der Tour.“ Auch für die Abschlussveranstaltung sucht der Student noch eine Räumlichkeit. In Hamburg darf er das Ernst-Deutsch-Theater nutzen. „Das ist für die Schüler natürlich cool, da mal auf der Bühne stehen zu dürfen.“

▶ Politiker, Schulen oder auch Studenten, die Lust haben bei der Stadtteil-Tour dabei zu sein, können sich per E-Mail an Yannick Reimers wenden: lion-maximilian@hotmail.de.

Von Anna Paarmann