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In dem Gebäude wird die Bionic Production AG ihre Betriebsstätte einrichten. Die Liegenschaft gehört der Leuphana. (Foto: phs)

Volgershall wird Ideenschmiede für Lüneburg

Lüneburg. Die Gespräche laufen seit Jahren, jetzt ist es offiziell: Die Hamburger Bionic Production AG, die im Bereich der 3D-Drucktechnik unt erwegs ist, eröffnet eine Betriebsstätte in Lüneburg auf dem Gelände der Universität in Volgershall. Die Mietverträge sind unterschrieben, der Umzug soll zum Jahreswechsel starten. Entstehen soll ein Campus für dreidimensionale Drucktechniken, auf dem sich weitere Kooperationspartner ansiedeln können. Mit der Fraunhofer-Gesellschaft hat eine renommierte Organisation ihre Beteiligung bereits zugesagt.

Es ist ein Novum, bislang gibt es in Lüneburg keine außeruniversitäre Forschungseinrichtung. Bionic selbst möchte in den nächsten Jahren rund 100 Arbeitsplätze schaffen. Seine Pläne hat das Unternehmen jetzt im Libeskind-Bau präsentiert.

3D-Drucktechnik sei industrielle Revolution

Dabei waren Staatssekretärin Birgit Honé, Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Martin Exner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg. Alle Beteiligten betonen die Notwendigkeit, jungen, gut ausgebildeten Ingenieuren in Lüneburg eine berufliche Zukunft bieten zu können. Warum gerade die 3D-Drucktechnik immer wichtiger wird, erläutert Uni-Vizepräsident Prof. Dr. Markus Reihlen: „Ingenieure sind zunehmend im Bereich der digitalen Produktion und Fertigung unterwegs. Die Digitalisierung und Industrie 4.0 sind wichtige Faktoren, neue digitale Geschäftsmodelle und nachhaltige Transportketten werden immer wichtiger.“ Mit der Bionic Production AG habe sich die Möglichkeit aufgetan, in Lüneburg ein Cluster zu schaffen, ein Ort, an dem Unternehmen, Forscher, Entwickler und Studenten zusammenarbeiten können.

Doch was ist eigentlich eine dreidimensionale Drucktechnik? Prof. Dr. Claus Emmelmann, Aufsichtsratsvorsitzender bei Bionic, sagt, dass es sich dabei eigentlich um ein lagenweises Schweißen handelt, am Ende ein dreidimensionales Produkt steht. „Wir sind in der Lage, Teile herzustellen, die wir heute in Flugzeuge bringen.“ Seit 15 Jahren existiere die Technik, aber erst jetzt würden die Industrien auf den Zug aufspringen. „Klar ist mittlerweile, dass das eine industrielle Revolution sein wird. Wir müssen nicht mehr bohren, drehen oder fräsen, aus einem Holzklotz etwas formen, wir können die Teile wachsen lassen“, erklärt er. Vorteile seien zudem, dass die Konstruktionen deutlicher weniger Gewicht hätten und 80 Prozent des Materials eingespart werden könne.

„Erfolgs- und keine Konkurrenzgeschichte“

Für Birgit Honé ist der 3D-Druck der künftige Mega-Trend, Bionic ein wichtiger Innovationstreiber. „Für das Land Niedersachsen ist das ein großer Erfolg.“ Die Ansiedlung biete Chancen, den Standort Lüneburg zu stärken, sie sei auch konstruktiv mit den Hamburger Kollegen besprochen worden. „Das ist eine Erfolgs- und keine Konkurrenzgeschichte.“ Sie hofft nicht nur darauf, Fachkräfte in Lüneburg halten zu können, sondern Ausgründungen voranzutreiben und Weiterbildungsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen zu schaffen.

Ähnlich begeistert zeigt sich Oberbürgermeister UIrich Mädge. „Das ist der dritte große Schritt dieser Universität nach der Gründung und dem Bau des Zentralgebäudes.“ Für ihn sei damit der Grundstein für eine Zusammenarbeit über Grenzen hinweg gelegt. „Es passt auch zum Oberzentrum Lüneburg“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Die hiesige Industrie- und Handelskammer war maßgeblich am Projekt beteiligt, Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert habe in Gesprächen mit Bionic früh die Fläche in Volgershall vorgeschlagen, wo sich die Uni zurückziehen wollte. „Die Ansiedlung eines so hochinnovativen Unternehmens ist ein großer Gewinn für Lüneburg“, findet Martin Exner. Er glaubt, dass weitere Firmen angelockt und damit weitere Arbeitsplätze geschaffen werden könnten.

Das Unternehmen

Die Bionic Production AG wurde 2015 von ehemaligen Mitarbeitern des Laser Zentrums Nord in Hamburg gegründet. Zurzeit beschäftigt das Unternehmen 15 Mitarbeiter, für den Standort Lüneburg sollen zunächst 30 Kräfte eingestellt werden. Für den Betrieb werden in der ehemaligen Maschinenhalle in Volgershall, die bislang von den Ingenieurswissenschaften der Uni genutzt wurde, 20 Drucker aufgestellt, die dreidimensional drucken können.

Dabei handelt es sich um die „Bionic Smart Factory“. Hinzu kommen Geräte zur Nachbearbeitung. Den gesamten Prozess von Herstellung und Postproduktion möchte Bionic gern digitalisieren, dazu auch entsprechende Forschungsprojekte aufsetzen. In Volgershall hat die Firma zudem die Möglichkeit, zu erweitern.

Von Anna Paarmann