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Einen Faible für Kürbisse haben auch Hilke, Tjark und Jochen Hartmann (v.l.) (Foto: t&w)

Halloween im Hühnerstall

Lüneburg. Herbst ohne Kürbis ist wie Heiligabend ohne Weihnachtsbaum – und das sehen nicht nur die Erwachsenen so: Während diese sich meist an Farben, Formen und Inhalt erfreuen, sie als leuchtende Dekoration in Schaufenstern oder Regalen drapieren oder das kalorienarme Gemüse in Form von Suppe oder Ofengericht genießen, fasziniert die Kinder meist nur eins: schnitzen. Wie gut, dass sich die Pflanze auf alles eingestellt hat.

Große Sortenvielfalt

Mehr als 800 verschiedene Sorten haben Natur und Mensch im Laufe der Jahrhunderte hervorgebracht, einige sind bekannt wie ein bunter Hund, andere noch auf dem Weg dahin. Fest steht: Ihre Verwendung ist so vielfältig wie ihr Auftreten – und das reizt auch die Landwirte. Jochen Hartmann aus Rettmer hat in diesem Jahr mal wieder einige neue Sorten ausprobiert. Im Frühjahr hat er die entsprechenden Samen bestellt, sie mühsam ausgesät. „Wenn der Boden warm ist, es keinen Frost mehr gibt, setzen wir die Saat einzeln per Hand“, erklärt er, „dann muss zwei- bis dreimal gehackt werden – den Rest erledigt die Natur, denn die Pflanze hat schnell eine so große Blattmasse, dass Unkraut keine Chance mehr hat.“

Kürbissuppe – fein und milde

Zutaten:
ca. 750 g Kürbis (Muskat- oder Hokkaidokürbis)
1-2 kleine Kartoffeln
ca. ¼ bis ½ l Wasser
½ bis 1 kleine Zimtstange
ca. ¼ l Milch
2 EL Crème fraiche
ca. 50 g geriebene Mandeln
2-3 TL Zucker
1 Prise Salz

Anleitung:
Kürbis und Kartoffeln in Stücke schneiden und mit der Zimtstange in ¼ bis ½ l Wasser etwa 20 Minuten weich kochen. Zimt herausnehmen, alles andere pürieren. Kürbispüree mit Milch, Crème fraiche, Zucker, Mandeln und einer Prise Salz verrühren, aufkochen und abschmecken. Suppe mit Crème fraiche garniert servieren.

Rund einen halben Hektar Land hat Hartmann dem vitaminreichen Gemüse gewidmet. „Primär baue ich den Halloweenkürbis an“, sagt er, „zudem auch gerne den Hokkaido. Denn der lässt sich mit Schale essen.“ Aber auch andere Sorten stehen auf der Samenbestellliste – mit teilweise originellen Bezeichnungen: Butternut oder Muskat sind noch geläufig, hinter Neon Racer Plus oder Atlantic Giant könnte sich aber auch ganz andere Materie verbergen. Letztlich sind dieses aber die Bezeichnungen für die beliebtesten Kürbisse – zumindest bei den Kindern.

Schwache Ernte wegen Dauerregen

Spätestens zu Halloween stehen die großen orangenen Kugeln dann wieder ausgehöhlt und mit frechen Fratzen versehen erleuchtet vor den Eingangstüren. „Die verkaufen sich immer gut“, sagt Hartmann, der in diesem Jahr aber auch mal eine andere Sorte ausgebracht hat: Polar Bear heißt bezeichnenderweise das weiße Pendant – Beliebtheitsgrad noch ungewiss.

Auch Goblin Eggs und Sweet Dumpling ergänzen das Sortiment – wie die Kollegen in begrenzter Zahl: „Die Qualität stimmt, der Ertrag ist aber nur durchschnittlich“, erklärt der Landwirt, „und im Vergleich zum vergangenen Jahr nur etwa halb so groß.“ Weil es während der Kürbisblüte Mitte Juli viel geregnet habe, hätte die Bestäubung wohl gelitten, mutmaßt Hartmann, „so haben die Pflanzen zum Teil nur drei statt fünf Kürbisse hervorgebracht.“

Kürbis-Chutney

Zutaten:
400 g Muskatkürbis
300 g Äpfel
200 g Schalotten
4 EL Öl
10 EL Rohrzucker
120 ml Weißweinessig
200 ml Weißwein
2 El Senfkörner
3 getrocknete Chilischoten
1 TL Koriandersaat
1 TL Kurkuma
Salz und Pfeffer

Anleitung:
Kürbis und Äpfel in Stücke, Schalotten fein schneiden. Schalotten in 4 EL Öl andünsten, Kürbis- und Apfelstücke dazugeben, kurz mit andünsten und mit 10 EL Rohrzucker karamelisieren. Weißweinessig, Weißwein und Gewürze dazu geben. Mit 300 ml Wasser aufkochen. Zugedeckt zwei Stunden bei milder Hitze köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Schmeckt zu kaltem Fleisch und Käse.

Zu kaufen gibt es das bunte Gemüse derzeit überall – auch in Hartmanns Hofladen. „Wir werden in der Regel eigentlich das ganze Angebot an Kürbissen gut los“, berichtet der Landwirt aus Erfahrung, „und wenn nicht, ist das auch kein Problem – dann freuen sich die Hühner.“ Und die werden auch mit der dicksten Herausforderung fertig: „Die picken so lange auf die Kürbisse ein, bis Fratzen entstehen.“

Von Ute Lühr