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Ralf Brügmann steht am Kammrad der Artlenburger Holländermühle. Das Rad leitet die Drehbewegung der Flügelachse in die Maschine weiter. Foto: lz/phs

Mühlenfest in Artlenburg: Alte Technik, die begeistert

Artlenburg. Die Sonne scheint, der Himmel präsentiert sich fast wolkenlos, was jetzt noch zu Müllers Glück fehlt, ist Wind. Doch statt einer steifen Brise herrs cht leider Flaute, die Flügel der Artlenburger Windmühle stehen still. Macht aber nichts – denn zu sehen und zu staunen gibt es trotzdem eine Menge. Im Inneren der Mühle selbst, aber auch auf dem Vorplatz: Denn dort sind zahlreiche alte Landmaschinen aufgefahren und geben einen Eindruck davon, wie in früheren Jahrzehnten die Feldarbeit erledigt wurde.

Eine Reise in die Vergangenheit

Aus Bergedorf bei Hamburg ist Sabine Weber mit ihren beiden Söhnen Maurice (13) und ­Pierre (11) zum Mühlenfest nach Artlenburg gekommen. Für die beiden Jungs ist der Besuch im Inneren einer Mühle eine Premiere und Abenteuer zugleich. Entsprechend neugierig und aufgeregt sind die beiden. Doch Ralf Brügmann beantwortet geduldig alle Fragen. Für ihn ist der Gang durch die Mühle eine Reise in die Vergangenheit.

Hier ist der gelernte Speditionskaufmann groß geworden. Sein Vater arbeitete als Müller in vierter Generation, danach war Ralf Brügmanns Bruder Hans-Jürgen der Müller bis 1994. Da musste der Artlenburger Müllermeister den Mahlbetrieb einstellen. „Es lohnte nicht mehr“, sagt der ehemalige Müller. Mit den großen industrialisierten Getreidemühlen kann die kleine 1833 errichtete Windmühle nicht mithalten.

Matthias Brammer (r.) und sein Sohn Matthis schauen sich einen historischen Heuwender an. Foto: lz/phs

Technik-Museum im Aufbau

„Maximal zwei Tonnen Roggenmehl am Tag konnte die Mühle produzieren“, berichtet Hans-Jürgen Brügmann. Auch wenn Flaute herrschte und die Flügel der Holländer-Mühle still standen. „Für solche Fälle war bereits 1932 ein Elektromotor eingebaut worden“, erzählt der Müllermeister.

Auch wenn die Mühle heute nicht mehr dazu dient, Mehl für Brot und andere Backwaren zu mahlen, aus dem Ortsbild von Artlenburg ist der Gallerieholländer längst nicht mehr wegzudenken. Um den Erhalt des Wahrzeichens kümmert sich der 1996 gegründete Windmühlenverein mit viel Engagement. Unter anderem haben dessen Mitglieder in jüngster Zeit dafür gesorgt, dass der Fußboden im Speicher erneuert, die Außenanlagen hergerichtet, die Mühle sauber gemacht und vom Moos befreit wurde.

Denn auch wenn die Mühle aktiv nicht mehr betrieben wird, zu tun gibt‘s immer was. Und im Keller, wo in früheren Jahrzehnten das Getreide gelagert wurde, richtet der Verein zurzeit ein kleines Technik-Museum ein. Ralf Brügmann ist begeistert vom Engagement der Mühlenfreunde: „Einfach klasse, wie die sich einbringen, um die Mühle zu erhalten“, lobt der Bruder des letzten Artlenburger Müllermeisters.

Von Klaus Reschke