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Ein Großteil der Rasenflächen im südlichen Kurpark wird alle drei Wochen gemäht. Gärtnermeister Oliver-Martin Freese (r.) und Betriebshofleiter Frank Fugel knien in einer „Insellösung“. Diese Fläche wird nur einmal pro Jahr gemäht, um Insekten Lebensraum und Rückzugsgebiete zu bieten. Foto: lz/be

Die Frage der richtigen Pflege: Lüneburgs Stadtgrün-Konzept

Lüneburg. Wenn die Mitarbeiter des Betriebshofes im Frühjahr oder Sommer Verkehrsinseln, Parks und Kübel mit Tausenden von Blumen bepflanzen, freuen sich die Bü rger. Anders ist es bei der Pflege der Grünstreifen entlang der Straßen, Rad- und Gehwege.

Da sind die Bürger oft geteilter Meinung, mancher greift zum Telefonhörer und macht seiner Empörung lautstark Luft. „Wenn das Grün üppig sprießt und gedeiht, fordern die einen, dass schnellstens gemäht wird und die anderen sind dagegen, weil Insekten und Bienen damit Nahrungsmöglichkeiten genommen werden“, sagt Lars Strehse, Chef der AGL, zu der der Betriebshof gehört. Grund für ihn und Betriebshofleiter Frank Fugel mal zu erläutern, nach welchem Konzept die Abteilung Stadtgrün eigentlich vorgeht.

Mähen in der Regel 2 Mal pro Jahr

In der Regel werden Grünflächen entlang der Straßen extensiv gepflegt, das heißt maximal zweimal pro Jahr gemäht. Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht kann das aber auch häufiger passieren, wenn zum Beispiel das Gras zu opulent wächst. Besonders im Blick haben die Mitarbeiter dabei Kreuzungen und Einmündungen mit Sträuchern, die regelmäßig zurückgeschnitten werden müssen. Intensiv bewirtschaftet werden hingegen zum Beispiel Flächen wie der Lambertiplatz oder der Kurpark, dort rücken die Mitarbeiter häufiger an.

„Wenn sich dort Blühflächen entwickelt haben, lassen wir diese wie zum Beispiel im südlichen Teil des Kurparks auch teilweise stehen, um so den Artenreichtum zu fördern“, erläutert Strehse. Seit Jahren arbeitet die AGL intensiv mit den Naturschutzverbänden und dem Imkerverein zusammen. Ziel ist es, bei notwendigen Pflegemaßnahmen auf die Tier- und Pflanzenwelt Rücksicht zu nehmen. „Daraus resultieren dann zum Beispiel ganz bewusste Entscheidungen, Teilgebiete nur extensiv zu pflegen, um die Lebensräume zu erhalten oder zu erweitern“, macht Fugel deutlich.

Thomas Damerau ist mit einem Großflächenmäher im nördlichen Teil des Kurparks im Einsatz, der fast jede Woche gemäht wird. Foto: lz/be

Wetterbedingungen beeinflussen Arbeitsablauf

Kräftige Regengüsse haben im Sommer dazu geführt, dass das Grün entlang der Straßen stattlich gedeiht. Das führte laut Fugel immer wieder zu Beschwerden und Fragen, warum da nicht umgehend etwas passiert. „Starkregen und Sturm führen aber dazu, dass manche Flächen unter Wasser stehen, so dass wir gar nicht mähen können, und unsere Mitarbeiter müssen in so einer Situation erst einmal beschädigte Bäume kontrollieren.“

Die komplette Mannschaft, zu der 50 Mitarbeiter gehören, sei dann mehrere Tage unterwegs, „die uns dann bei der Grünpflege fehlen“. Fugel erinnert auch an den vergangenen November, als der vorzeitige Schneefall dazu führte, dass 3000 Bäume im Stadtgebiet beschädigt wurden. Die dadurch entstandenen Arbeiten hätten sich bis in das Frühjahr gezogen. Daran schlossen sich Unwettertage an, die wieder viel Arbeit mit sich brachten.

Für das sogenannte Straßenbegleitgrün und den Radweg sind die Mitarbeiter der Abteilung Stadtgrün zuständig, für den Gehweg hingegen die Anlieger. Foto: lz/be

Rund 1000 Bürgeranfragen jährlich

Immer wieder gebe es auch Anrufe von Bürgern, wenn Unkraut beziehungsweise Wildkräuter auf dem Gehweg vor dem Grundstück wuchern. „Dann heißt es: Warum wir nicht endlich tätig werden? Laut Straßenreinigungssatzung der Stadt sind aber die Anlieger für die Gehwegreinigung zuständig“, macht Lars Strehse deutlich, „und zwar für die Gehwege, Straßenrinnen und Regeneinläufe vor ihrem Grundstück. Dazu gehört auch die Beseitigung des Unkrauts.“

Jährlich erhält die AGL zirka 500 bis 1000 Bürgeranfragen zum Themenkomplex Straßenreinigung, Winterdienst und Grünpflege. Ein beträchtlicher Teil dieser Anfragen beruhe auf Unkenntnis der Bürger bezüglich ihrer Reinigungsverpflichtungen, sagt Frank Fugel. Wer Fragen zur Reinigungspflicht hat, kann sich an den Bereich Grünpflege wenden. Ansprechpartner sind unter (04131)  85690 zu erreichen. Infos zur Straßenreinigungssatzung gibt es auch auf www.lueneburg.de im Internet.

Von Antje Schäfer

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Kilometer umfasst das Straßennetz der Stadt. 120 bis 140 Kilometer sogenanntes Begleitgrün (Grünstreifen oder Beete) muss die Stadt pflegen.