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Matthias Wiedenlübbert ist Busfahrer. Er steuert nicht nur beruflich große Gefährte, er lebt auch in einem Bus. Foto: za

Kandidaten zur Landtagswahl/Wahlkreis Elbe: Matthias Wiedenlübbert (Linke)

Gedelitz. Matthias Wiedenlübbert schiebt die schwergängige Tür seines Busses auf und schaut im Schottenrock auf eine Gedelitzer Kulisse, die wohl jeden Lüchow-Dannenberger Alt-Achtundsechziger in nostalgische Träume versinken ließe. Ein Wohnwagen, ein Wohnbus, eine überdachte Feuerstelle. Eine Wiese, auf der Fahnen mit Wendlandsonnen und „Xen“ wehen, die schon vor 37 Jahren im Gorlebener Hüttendorf wehten.

Nicht mehr als sechs Kilometer sind es vom Domizil des Landtagskandidaten der Linken für den Wahlkreis Elbe bis zum ehemaligen Protestcamp. Und trotzdem täte man Wiedenlübbert Unrecht, würde man ihm vorwerfen, er stehe still in einer realitätsfernen, hippieesken Utopie.

Privat und beruflich unterwegs im Bus

Wiedenlübberts Bus ist nicht nur penibel aufgeräumt, sondern auch fahrbereit. Der 50-Jährige wohnt in einem Bus und steuert auch beruflich einen. Er ist Busfahrer und lenkt Jugendliche durch Europa, ist der Steuermann auf Klassenfahrten. Immer mit neuen Menschen zu tun zu haben, ständig an anderen Orten zu sein, das mache ihn in seinem Beruf glücklich. Der Bus ist für Wiedenlübbert sowohl privat als auch beruflich Symbol der Unabhängigkeit. „Ich bin beweglich, und habe gleichzeitig ein Zuhause“, sagt er und erzählt über ein Leben, dessen Episoden gezeichnet sind vom Wunsch nach Selbstbestimmung einerseits und kollektivem Widerstand andererseits.

Zum Krankenpfleger ließ er sich in Nordrhein-Westfalen Anfang der Neunziger nach vier erfolglosen Jura-Semestern ausbilden, weil ihm der Kontakt zu wechselnden Patienten wichtig war. Im Beruf habe er gemerkt, wie schwierig und belastend der Pflegebereich sein kann. Nicht als Pfleger, sondern als Angehöriger begleitete er wenige Jahre später das lange Krebssterben seiner Frau. Eine Rückkehr in den alten Beruf konnte er sich nach ihrem Tod nicht mehr vorstellen.

Stattdessen ließ sich Wiedenlübbert zum Berufsschullehrer ausbilden, übte diesen Beruf jedoch nie aus. Als damaliges SPD-Mitglied arbeitete er drei Jahre lang als Mitarbeiter für einen Landtagsabgeordneten. „Irgendwann wusste ich nicht mehr, ob ich den Job des Geldes wegen oder aus inhaltlicher Überzeugung gemacht habe, dann habe ich aufgehört“.

Sozialismus ohne Ausbeutung und Unterdrückung

Das Thema Geld beschäftigt Wiedenlübbert auch im Landtagswahlkampf. Er hält das Abgeordneten-Gehalt für viel zu hoch: „Wie soll ich die finanziellen Nöte von Menschen verstehen, wenn ich es mir leisten kann, jeden Abend essen zu gehen?“ Deswegen wolle er nur 3 000 Euro seines Gehaltes für sich behalten, falls er es mit Listenplatz 12 tatsächlich für die Linke in den Landtag schaffen sollte – was nach Stand der Umfragen ambitioniert ist.

Erst 2012 ist Wiedenlübbert nach Gedelitz gezogen – der Widerstand lockte ihn ins Wendland. Aus der SPD trat er aus und beteiligte sich in Lüchow-Dannenberg an „vielen Aktionen des Zivilen Ungehorsams“. Zwischen der gegenwärtigen SPD-Politik und seiner Vision „eines Sozialismus ohne Ausbeutung und Unterdrückung“ liegt ein breiter Graben. Für eine „streitbare solidarische Gemeinschaft“ trete er mit seinem Wahlkampf ein, in der eine „Vielzahl von Individuen an einem Strang zieht, und sich frei ausleben kann“.

von Jörn Zahlmann

One comment

  1. Was für eine Romantik zwischen all den Linke-Porschefahrern, Maschsee-Versicherungsdrückern, Tantiemen-Überhäufern.
    Ich kenne nur Linke, deren Antikapitalismus erst nach NACH dem eigenem Geldbeutel anfing.