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Christoph Podstawa hat sein Bett selbst angefertigt und es in die Fensterfront seines WG-Zimmers eingebaut. So wird er morgens wach durch das einfallende Licht, dann nimmt er sich Zeit, um ausgiebig die Zeitungen zu durchforsten. Foto: lz/t&w

Kandidaten zur Landtagswahl/Wahlkreis Lüneburg: Christoph Podstawa (Linke)

Lüneburg. Wenn Christoph Podstawa morgens auf dem Sofa in seiner WG-Küche sitzt, Zeitung liest und Kaffee trinkt, kann er sich selbst anlächeln. Schräg gegenübe r an der Wand hängt eines seiner Wahlplakate. „Wir stellen uns quer“, ist darauf zu lesen. Ein Motto, das sich durch das Leben des 35-Jährigen zieht, denn er ist ein Vollblut-Aktivist. Früher als Demonstrant in einer Punker-Clique, heute als Aktionskletterer. Mit der Landtagswahl hat er ein neues Ziel vor Augen, er ist Direktkandidat der Linken für den Wahlkreis Lüneburg.

Ein neues Ziel vor Augen

Podstawa kommt ursprünglich aus Namslau, einer kleinen Stadt im Süden Polens. 1989 wanderte die Familie aus, fand in Velbert, 18 Kilometer südlich von Essen, eine neue Heimat. Mit Freunden ging der Jugendliche oft auf die Straße. „Im Ruhrgebiet konnte man permanent gegen Nazis demonstrieren“, erzählt er. Auch nach dem Abitur, als es ihn zum Studieren nach Münster zog, hielt das Interesse für Politik an. Er wählte den Themenbereich als Zusatzfach, neben Erziehungswissenschaften und Sozialpädagogik.

Auch in seinen Wohngemeinschaften war es Podstawa immer wichtig, mit politisch interessierten Leuten zusammenzuleben. In seinen besten Zeiten hatte er neun Mitbewohner, heute sind es fünf. Alle unterstützen ihn bei seiner Kandidatur. „Manchen musste ich sogar schon ein Plakat signieren“, erzählt er und lacht. Aktuelle Themen werden in der WG am Frühstückstisch besprochen. Fünf Zeitungen hat Podstawa im Abo, er ist sich sicher: „Auch das Lesen hat mich politisiert.“

Flucht aus Guatemala

Der Linken gehört er schon seit knapp zwei Jahrzehnten an, nur hat er sich die längste Zeit nicht als aktives Mitglied gesehen. Erst in Lüneburg sei der Funke wirklich übergesprungen, erzählt er, „hier fühle ich mich gesehen“. Es war auch der Aufenthalt in Guatemala, der ihm die Augen geöffnet habe. Dort hat er zwei Jahre lang Menschen begleitet, „Eingeborene, die beispielsweise gegen Minen oder Staudämme gekämpft haben“, erklärt er. Ihnen habe er seine „weißen Rechte und Privilegien“ ausgeliehen. Podstawa musste dennoch miterleben, wie drei Menschen ermordet und sieben inhaftiert wurden.

Seine Nerven lagen blank, das Bankkonto war leer, er wollte zurück. Doch in Deutschland hatte sich in der Zwischenzeit etwas verändert. „Die gesellschaftliche Debatte war nach rechts gerückt. Dinge, die vorher in einer dunklen Kneipenecke gesagt wurden, waren plötzlich in den Talkshows“, sagt er. „Da habe ich beschlossen, wirklich bei den Linken einzutreten.“

Nach Lüneburg hatte ihn ein attraktives Jobangebot gelockt, er sollte das Lotsenprojekt leiten und somit junge Menschen unterstützen, die nicht von Studien­erfahrungen in der eigenen Familie profitieren können. Dreieinhalb Jahre sind seitdem vergangen, bald entscheidet sich, ob er die Stelle behalten kann.

Nebenbei promoviert der Politiker, der im Lüneburger Kreistag sitzt, in Oldenburg. Sein Doktortitel ist aber etwas in die Ferne gerückt. Der Einzug in den Landtag habe zurzeit Priorität. „Ich habe mich bislang in dem Parlament nie zufriedenstellend vertreten gefühlt“, sagt Podstawa, der sich trotz Listenplatz 10 gute Chance ausrechnet. „6,2 oder 6,3 Prozent könnten reichen“.

Von Anna Paarmann

Drei Ziele für den Landtag: Bildung, Demokratie, Nahverkehr

Mehr Geld für Bildung: „Niedersachsen investiert zu wenig Geld in Bildung. Ich will mich dafür einsetzen, dass das Ganztagsangebot ausgebaut wird, Kitas künftig kostenfrei sind.“

Demokratie und Grundrechte stärken: „Wir entwickeln uns immer mehr hin zu einem Polizeistaat, diese Überwachung hat seit G 20 nochmal zugenommen. Das darf nicht sein. Aus dem Parlament he­raus möchte ich die Grundrechte und die Demokratie verteidigen.“

In den Nahverkehr investieren: „Der ökologische Umbau muss vorangetrieben werden, damit er sozial gerecht wird. Der Nahverkehr sollte flächendeckend ausgebaut und ticketfrei genutzt werden können. Der Klimawandel findet jetzt statt und nicht erst in 20 Jahren, wenn die Konzerne so weit sind.“

One comment

  1. Der Mann ist gewählt! So einen Auftritt muss man erstmal bringen. Das hat sich seit Oblomow kein Lüneburger mehr getraut.