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So leer wie auf diesem aktuellen Foto ist es tagsüber selten auf der Bleckeder Landstraße. Wie die Straße sicherer werden könnte, darüber diskutierte jetzt der Verkehrsausschuss des Rates. Foto: lz/phs

Mehr Schutz für die Schwächeren

Lüneburg. Lange Staus, Vorwärtskommen nur im Schritttempo – wer täglich über die Bleckeder Landstraße zur Arbeit fährt, kennt die Situation. Vor allem zu Spitzenzeiten ist die vielbefahrene Verkehrsader zwischen Scholze-Kreuzung und Ostumgehung immer wieder verstopft. Mit dem weiter wachsenden Hanseviertel dürfte sich die Situation wohl noch verschärfen. Wie die Stadtverwaltung der Entwicklung begegnen will, wollte die Jamaika-Gruppe nun im Verkehrsausschuss wissen.

Verkehrsader immer wieder verstopft

„Zwei Kilometer sind kein Pappenstiel“, versuchte Lüneburgs Verkehrsdezernent Markus Moßmann die Wogen wieder zu glätten, die Ausschussmitglied Ulrich Löb (Grüne) zuvor durch seine Unmutsäußerungen ausgelöst hatte. „Was passiert hier eigentlich in der Verwaltung? Warum dauert das so lange? Es muss doch möglich sein, so etwas in drei oder vier Wochen vorzulegen“, war es aus einem spürbar genervten Löb herausgeplatzt, nachdem die Verwaltung zwar den Stand des Verfahrens erläutert, allerdings keine konkreten Pläne für den Umbau der Bleckeder Land­straße präsentiert hatte.

„Ich sehe nicht, dass wir hier willentlich etwas verzögern“, hielt Moßmann dagegen, zumal es „nicht leicht“ gewesen sei, bei der aktuellen Konjunkturlage überhaupt ein geeignetes Planungsbüro zu finden. Hinzu komme, dass die besonderen Bedingungen an der Bleckeder Landstraße mit ihren Verschwenkungen und Allee-Abschnitten berücksichtigt werden müssten.

Als weiteres Planungshindernis nannte Moßmann die noch ungeklärte Situation für die Straßenführung unterhalb der beiden Eisenbahnbrücken: „Hier fehlen noch die genauen Durchfahrt-Querschnitte.“ Ziel sei aber, ein von der Scholze-Kreuzung bis zum Kreisel an der Ostumgehung reichendes Gesamtkonzept vorzulegen, das auch den Radfahrer- und Fußgängerverkehr berücksichtige. Hierzu soll die Straße in Teilbereichen um drei Meter verbreitert werden.

184 Unfälle in fünf Jahren

Dass bei der Bleckeder Landstraße Handlungsbedarf besteht, wurde auch an den von der Stadt vorgelegten Zahlen deutlich: Danach umfasse der Verkehr innerhalb des Hanseviertels aktuell rund 4000 Fahrzeuge täglich, von denen ein Teil in die Landstraße münde. Bis 2030 würde dieser Teil schätzungsweise auf 1900 bis 2800 Fahrzeuge ansteigen. Und: In den vergangenen fünf Jahren habe es 184 Unfälle auf der Bleckeder Landstraße gegeben, davon 76 zwischen Autofahrern sowie 53 zwischen Auto- und Fahrradfahrern.

Die Straße sicherer zu machen, ist auch der Wunsch vieler Ausschussmitglieder. Während Michèl Pauly (Linke) dafür plädierte, den Autoverkehr durch Verlagerung des Radverkehrs auf die Straße zu verlangsamen „und damit zu vergrätzen“, plädierte Timo Lüdeke-Dalinghaus als Vertreter des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (AStA) für Beibehaltung des derzeit geltenden Tempo-30-Limits.

Ulrich Löb wiederum wagte sich mit einem Durchbruch durch den Eisenbahndamm für Radfahrer nach vorn, generelles Ziel müsse sein, den „Schutz der Schwächeren“ zu gewährleisten, „Tempo 30 reicht da nicht“. Dem Appell von Claudia Schmidt, Radfahrer sollten die Straße nutzen, „das ist auch jetzt schon erlaubt“, wollte sich Dirk Neumann (AfD) nicht anschließen: „Das ist dort viel zu eng.“ Das sieht auch Markus Moßmann so. Heiko Meyer (SPD) konnte sich zwar ebenfalls für Tempo 30 auf Dauer erwärmen, „aber nur im Bereich der Brücken“.

Von Ulf Stüwe

6 Kommentare

  1. Da die Verkehrsentwicklung absehbar war, hätten spätestens bei Erschließung des Hanseviertels Pläne für eine Lösung der schon lange bekannten Probleme vorliegen müssen!

    • Quatsch !!! Wir bauen erstmal… Und gucken dann mal. Lüneburg wurde ja auch nicht an einem Tag gebaut. Wir bauen erstmal ein Audimax… und gucken dann mal (in Ruhe) wie man die Kosten (teilweise) durch Vermietung wieder rein bekommt. Das ist eben Lüneburg !!

      • Wir bauen erstmal ein Audimax … und überlegen dann, wofür wir es gebrauchen könnten. Das ist das Leuphana-Präsidium.

      • Lüneburger und Ron, ich glaube sie erwarten zu viel Weitsicht und verausschauendes denken von Stadtrat und Stadtverwaltung. So hoch darf man die Ansprüche an Politik und Verwaltung nicht schrauben. Das führt nur zu Ernüchterung und Enttäuschung.
        Übrigens ist die Bleckeder Landstrasse nicht das einzige Problem. Viel Verkehr fließt auch über den Meisterweg (miserabler Zustand) zur Erbstorfer Landstrasse und über diese zur Ostumgehung. Besonders zu Zeiten des Berufsverkehrs. Besonders nervig ist dort die Ampelschaltung (Wartezeiten) zur Einfahrt in die Erbstorfer Landstrasse. Auch die Zufahrt aus dem Hanseviertel durch die ehemalige Schlieffenkaserne zur Bleckeder Landstrasse ist eine Zumutung. Keine Markierungen und schlechter Zustand auf dem ehemaligen Kasernengelände. Zudem viele Radfahrer und Fußgänger. Das ist alles nicht ungefährlich. In welche Richtung auch immer. Es wirkt alles sehr provisorisch und unbeholfen.
        Aber wichtig ist doch zuerst, dass das Gelände im Hanseviertel gut vermarktet wurde und die Häuslebauer jetzt alle Grundsteuer zahlen müssen. Da kommt doch Geld ins Stadtsäckel, gell. Ich weiß es jetzt gar nicht. Gibt es dort eigentlich auch sozialen Wohnungsbau mit erschwinglichen Mietpreisen für nicht so gut verdienende Erwerbstätige.
        Doch um fair zu bleiben muss auch gesagt werden, dass ein frühzeitiger guter Ausbau der Zufahrtswege eventuell sehr schnell durch die vielen schweren Baufahrzeuge wieder sanierungsbedürftig geworden wäre. Das macht dann natürlich auch wenig Sinn. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Planungen für die Zufahrtswege längst fertig in der Schublade liegen könnten.

  2. 53 Unfälle zwischen Auto- und Fahrradfahrern auf der Bleckeder Landstraße.  Wie viele davon sind wohl auf dem nicht benutzungspflichtigen Radweg passiert, weil – leider leider – mal wieder ein abgelenkter Autofahrer einem Radfahrer auf dem „sicheren“ Radweg beim Abbiegen die Vorfahrt genommen hat? Würden mehr Fahrradfahrer den Hinweis von Frau Schmidt beherzigen und sich gut sichtbar auf der Fahrbahn bewegen,  gingen die Unfallzahlen deutlich nach unten. Nicht zuletzt auch deswegen, weil sich Fahrradfahrer auf der Fahrbahn wohl kaum trauen würden, links zu fahren.

    Hoffentlich bleibt die Wahlfreiheit auch nach einem wie auch immer gearteten Umbau bestehen. Den Radverkehr an den Rand, auf nachweisbar gefährliche Radwege zu zwingen, nur um den Kfz-Verkehr zu beschleunigen, wäre in einer Stadt, die sich vor einem Vierteljahrhundert dem Vorrang des Radverkehrs vor dem MIV verschrieben hat, geradezu zynisch.