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Willy Brandt verehrt, aber bei der FDP eine politische Heimat gefunden: Berni Wiemann (62) aus Reppenstedt tritt bei der Landtagswahl für die Liberalen an. Auf deren Liste aber stehe er so weit hinten, dass es für ihn wohl nicht reichen wird. Foto: t&w

Kandidaten zur Landtagswahl/Wahlkreis Lüneburg: Berni Wiemann (FDP)

Reppenstedt. Er stamme aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie, kam als sechstes von sechs Kindern im lippischen Lage zur Welt. Als SPD-Kanzler Willy Bra ndt seine Maxime „mehr Demokratie wagen“ verkündete, fand er das „gigantisch“. Auch von Helmut Schmidt sei er ein Fan gewesen, doch seine eigene politische Heimat fand Berni Wiemann bei der FDP. Zufall habe dabei eine große Rolle gespielt, sagt der 62-Jährige. Der Reppenstedter verwendet den Begiff immer wieder, wenn er seinen Werdegang skizziert. „Das Leben ist halt Zufall“, findet er.

Unterwegs für den größten Gemischtwarenladen der Welt

Nach der Volksschule machte Wiemann erst seine mittlere Reife, dann sein Fachabitur, ehe er BWL studierte. Mit Unilever fand er gleich einen nahmhaften Arbeitgeber, den er als „größten Gemischtwarenladen der Welt“ bezeichnet. 15 Jahre war er dort tätig, ist in dieser Zeit neun Mal umgezogen, lebte mal in München, mal in Dortmund oder auch in Berlin. „Das hat großen Spaß gemacht, zumindest bis die Familie da war. Dann ist es nicht mehr so toll, nur am Wochenende zu Hause zu sein.“

Ein Headhunter lotste ihn später zu Schwarzkopf, dort hielt er es zwei Jahre aus, ehe er sich selbstständig machte – mit Friseurbetrieben. Heute hat er noch ein Friseurgeschäft in Pinneberg, weitaus größer ist seine Hamburger Personalvermittlung mit rund 200 Mitarbeitern. In Reppenstedt heimisch geworden ist der Geschäftsführer der Liebe wegen. Seine zweite Frau lebte hier und wollte bleiben. Und Berni Wiemann war Umzüge schließlich gewohnt.
Inzwischen sind seine fünf Kinder aus zwei Ehen allesamt erwachsen. Und Wiemann hat auch seine politische Familie gefunden. Die Geschichte hängt zusammen mit Fusionsplänen der Sparkasse. „Damals hatte ich nicht verstanden, warum die FDP dagegen war. Also bin ich da mal zum Stammtisch hin.“ Weil es interessante Gespräche gewesen seien, kam er fortan häufiger: „Irgendwann haben sie mir einen Mitgliedsantrag unter die Nase gehalten.“ Zufall eben. Doch Wiemann sagt auch: „Ich stehe für weniger Verordnungen, dafür mehr Freiheit und Bürgerrechte. Das sehe ich nur bei der FDP.“

Er sieht sich aber nicht als Parteisoldat, wolle vielmehr über Parteigrenzen hinweg Kompromisse finden. So wie damals, als er mit zwei Mitstreitern in Gorleben Atomkraftgegner und Befürworter an einen Tisch bringen wollte. Am Ende habe es nicht geklappt, es wurden zwei getrennte Informationsveranstaltungen. Doch für ihn war es lehrreich: „Ich habe mir gedacht: So verblendet kann man doch nicht Politik betreiben, dass man nicht mal zum Gespräch bereit ist.“

Quasi nebenbei setzt er sich noch für Menschen in Sierra Leone ein, damit die sich eine eigene berufliche Existenz aufbauen können – dafür hat er auch eigenes Geld gegeben.

Für Hobbys bleibt da eigentlich kaum Zeit. Dabei habe er ein „Faible für alte Dinge“, in seinem Wohnzimmer stehen hundert Jahre alte Sektkelche und in Handarbeit hergestellte Gläser. Früher hat er mal Fußball gespielt, als junger Kerl auch gegen den heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. „Da haben wir immer gewonnen“, sagt er und lacht. Dass es für ihn auch bei der Wahl zum Sieg reichen könnte, daran mag er dann allerdings selbst nicht glauben: „Ich habe null Chancen.“

Von Alexander Hempelmann

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Nicht immer auf der Landbevölkerung herumhacken: Es gibt kaum jemand, der so nachhaltig handelt wie unsere Landwirte. Und ausgerechnet die werden systematisch kaputtgemacht.

Digitalisierung: Um mithalten zu können, braucht unsere Wirtschaft schnelles Internet. Da sind wir aktuell noch Entwicklungsland. Vor acht Jahren war ich in Estland, da konnte man damals schon das Busfahren mit dem Handy bezahlen, haben Kinder ihre Zeugnisse übers Internet erhalten.