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Leuphana-Präsident Sascha Spoun (l.) und Garabed Antranikian, Präsident der TU Hamburg, bei der Vertragsunterzeichnung. Foto: phs

Der Weg zum Ingenieur 4.0

Lüneburg. Rund 100 Personen tummeln sich im schmalen Seminarraum. Die Aufregung ist auch bei Leuphana-Präsident Sascha Spoun zu spüren, der immer wieder Zettel vor sich zurechtrückt. Dann heißt er seine Gäste willkommen. Neben Mitarbeitern der Universitäten Lüneburg und Hamburg sowie Pressevertretern haben Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić, Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Hamburg, und Garabed Antranikian, Präsident der TU Hamburg, den Weg ins Zentralgebäude gefunden. Für die beiden Hochschulen war es ein besonderer Tag: Sie haben eine Kooperation besiegelt, um den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

Veränderungen werden wohl nicht reibungsfrei verlaufen

Das bedeutet konkrete Veränderungen. Veränderungen, von denen Spoun nicht unbedingt erwartet, dass sie reibungsfrei verlaufen. „Wir werden Menschen mit unterschiedlichen Sozialisationen zusammenbringen, Personen, die sich sonst vermutlich nicht begegnen würden“, sagt er. Mit diesem gemeinsamen Innovationspfad wolle man beide Unis stärken, neue Möglichkeiten für Studenten schaffen.

Die Zusammenarbeit wird beispielsweise zur Einrichtung eines Center für Digital Transformation an der Leuphana führen, es soll zentrale Zukunftsfragen vor dem Hintergrund der Digitalisierung in den Blick nehmen. Die Technische Universität wird sich an der Entwicklung des neuen Zentrums inhaltlich beteiligen, beispielsweise im Bereich Digitale Produktion.

Zudem sind ein gemeinsames Entrepreneurship-Forschungszentrum und ein Promotionsstudium geplant. Konferenzen und Summer Schools sollen gemeinsam ausgerichtet werden, um Angebote für Doktoranden und Studenten zu schaffen. Um sich in der Lehre austauschen zu können, sollen Veranstaltungen im Bachelor- und Masterbereich geöffnet werden.

Auch ein gemeinsamer Studiengang für Ingenieure steht auf der Agenda, der Titel: „Technologie und Gesellschaft“. Diesen Austausch hält Spoun für essenziell: „Studenten der TU sollen nicht-technische Fächer an der Leuphana wählen können. Das ist für uns eine Bereicherung, schließlich tauchen hier dann junge Menschen mit ganz anderen Erfahrungen auf.“ Das Bachelor-Programm wolle man „idealerweise“ im Jahr 2019 anbieten.

Wichtiger Schritt im Wettbewerb um beste Köpfe

Die Notwendigkeit einer solchen Kooperation machte auch Garabed Antranikian deutlich. „Wir wollen Menschen ausbilden, die auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet sind.“ Mit der Digitalisierung, dem Klimawandel und der Ressourcenknappheit nannte er nur einige von vielen Beispielen. „Wir brauchen heute keine einfachen Ingenieure, die gut in Mathe sind. Wir brauchen innovative, gebildete und motivierte Ingenieure“. Und um Studenten mit all diesen Kompetenzen ausstatten zu können, brauche man die Leuphana. „Das ist nun mal ihre Stärke.“

Auch Gabriele Heinen-Kljajić machte deutlich, dass diese Zusammenarbeit mehr sei als ein „Standard-Kooperationsvertrag“. Schließlich gehe sie auch über Ländergrenzen hinaus. Als Negativ-Beispiel nannte die Ministerin die Niedersächsische Technische Hochschule, eine Allianz zwischen der TU Braunschweig, der TU Clausthal und der Uni Hannover. Sie wurde 2009 eingerichtet und nur fünf Jahre später wieder aufgelöst. „Wir haben aus der Vergangenheit gelernt und wissen jetzt, dass so etwas nur mit einer inwendigen Motivation funktionieren kann.“ Von oben herab sei der falsche Weg.

Für Katharina Fegebank stellt die Kooperation eine große Chance dar, „vor allem in Zeiten, in denen der Trend eher in Richtung Abschottung geht“. Zudem sei es wichtig, dass sich Universitäten vergleichbarer Größe zusammenschließen, um im nationalen und europäischen Wettbewerb um die besten Köpfe besser dazustehen.

Von Anna Paarmann