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„Die Jeetzel gehört uns allen - und so wird es bleiben. Gerettet!“: Mit diesem Plakat besiegelten 100 Bürgerinnen und Bürger in Hitzacker ihren Erfolg beim Verkauf der Jeetzel. Die hat das Land nun gekauft. Foto: lieske

Hitzackers Happy End

Hitzacker.  Gerd Neubauer ist ganz aus dem Häuschen. Mit legerem Jackett bekleidet, läuft er den Stichweg zwischen Drawehnertorbrücke und dem Parkplatz Bohnenmar kt in Hitzacker auf und ab. Dass er an diesem Abend zusammen mit 100 weiteren Hitzackeranern die „Rettung der Jeetzel“ feiern kann, daran hätte der Vorsitzende des Vereins „Gemeinsam für Hitzacker“ fast nicht mehr zu glauben gewagt. „Wir haben es geschafft“, sagt er freudig. „Ist das nicht toll?“, fragt er und organisiert die letzten Kleinigkeiten für das Spontanfest zur „Jeetzelrettung“ am Ufer eben jenes Flusses.

„Die Jeetzel bleibt in öffentlicher Hand, die Hängepartie hat ein Ende“, ruft Neubauer zur Eröffnung des Festes – 100 Menschen applaudieren ihm. Zuvor hatten Vertreter des Landes Niedersachsen den Kaufvertrag für die 820 Meter Jeetzel in Hitzacker unterschrieben und das Stück Fluss mit einer Größe von 24.310 Quadratmetern dem Bund abgekauft. Damit endet der knapp elfmonatige Kampf des Vereins um die Jeetzel. Gedanken gemacht hatte man sich in der Stadt aber schon seit Anfang 2016. Die Erleichterung ist allen anzusehen, die Freude ist riesig. Über die Kaufsumme herrscht von offizieller Seite Stillschweigen. Gerd Neubauer sagt, er habe über mehrere Ecken einen Preis von 86.000 Euro gehört. Der war ursprünglich einmal angesetzt worden, bevor die mit dem Verkauf beauftragte Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) den Preis nach einem Gutachten auf 95.000 Euro erhöhte. Neubauer betont, dass „wir ohne die Bundestagsabgeordnete Hiltrud Lotze heute bestimmt nicht hier stünden“.

Die Sozialdemokratin aus Lüneburg, die nicht wieder in den Bundestag einziehen wird, habe auf politischer Ebene maßgeblich mitgewirkt, unter anderem damals die Kauffristverlängerung bis Ende März 2017 erwirkt. Nun wird sich der Verein mit den zahlreichen Spendern in Verbindung setzen und ihnen die zweckgebundenen Spenden zurückerstatten. Bis zuletzt waren knapp 60.000 Euro zusammengekommen. Der Verein wolle sich nun der Weiterentwicklung der Stadt und Gliedgemeinden Hitzackers widmen. „Einige Ideen sind schon umgesetzt worden“, sagt Neubauer.

Zeichen gegen die „fortlaufende Privatisierung öffentlicher Güter“

Hiltrud Lotze, die es sich nicht nehmen ließ, mitzufeiern, freut sich über „den gemeinsamen Erfolg. So sind auch viele tolle Verbindungen nach Hitzacker entstanden, die ich halten werde“, verspricht sie. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Miriam Staudte, die dem Verein ebenfalls unter die Arme griff, betont, wie wichtig es sei, dass „hier kein Präzedenzfall für den Verkauf von öffentlichen Wasserstraßen geschaffen wurde“. Sie ist sich sicher: „Hitzacker hat hier etwas für die ganze Republik gemacht.“ Auch Vertreter der Stadt zeigen sich erleichtert: Der stellvertretende Bürgermeister Jürgen Wedler (INI) betont, dass die Stadt es niemals aus eigener wirtschaftlicher Kraft geschafft hätte, das Stück Fluss zu kaufen. Und dessen Kollegin Julie Wiehler (Grüne) freut sich über die von Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) erwirkte Aussage: „Flüsse sind öffentliches Gut.“ Ihrer Meinung nach müsse „das Land einspringen, wenn Kommunen nicht können“.

Am Rande der Feier freut sich Gerd Neubauer vor allem über zwei Dinge: dass man in Hitz­acker ein Zeichen gegen die „fortlaufende Privatisierung öffentlicher Güter“ setzen konnte und dass sich viele junge Menschen mit ihrem Engagement für die Jeetzel demokratienah zeigten wie selten zuvor. „Das bedeutet mir persönlich einfach unglaublich viel“, verrät er. Vor allem, dass „die Stadt Hitzacker mit all ihren Bürgern endlich mal an einem Strang gezogen hat. Das gab es vorher noch nie“, ist Neubauer immer noch überwältigt.

Von Thomas Lieske