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Valentina (4 Jahre) und Tamino (2 Jahre) brachten Weinkönigin Tanja gemeinsam mit Opa Werner Ladwig Trauben von Häusern am Mühlenweg in Hitzacker. Foto: muchow

Edler Tropfen aus Bürgers Gärten

Hitzacker. „Das wird höchstens für zehn kleine Flaschen à 0,375 Liter reichen.“ Fritz Melsheimer blickt kritisch in die Körbe. Für einen Liter Wein benötigt der Winzer von der Mosel etwa 1,5 Kilogramm Trauben. Ein Weinstock, 99 sind es am Weinberg an der Elbe, könne diese Menge in einem sehr guten Jahr einbringen. Könnte. Gutes Jahr. Beides trifft auf 2017 nicht zu. Denn: Pflanzen und Früchte sind von Mehltau befallen. Vor allem der Regen bot dem Pilz ideale Bedingungen. Mit fatalen Folgen. „Das hat die Trauben zerstört.“

42 Flaschen Wein aus der Ernte 2016

Daher rief die Stadt die Bürger auf, ihre Trauben für den Tropfen zu spenden. Normalerweise heißt der Wein, der aus den verschiedenen Rebsorten des Weinberges gekeltert und daher als Cuvée bezeichnet wird, Hiddes­acker Weinbergströpfchen. Der exklusive Tropfen, den Melsheimer im kommenden Jahr zur Weinlese mitbringen wird, erhält einen eigenen Namen: „Hitz­acker Village 2017. Wein aus den Gärten der Bürgerhäuser von Hitzacker (Elbe) 1. Jahrgang“. Peter Wieczorek hat das Etikett dazu kreiert. Mit Village soll deutlich werden, dass der Wein von den Häusern im Ort und nicht vom Weinberg stammt.

Allerdings sind nur wenige Bürger dem Aufruf gefolgt, ihre Trauben zum Herbstmarkt der Familie Münchow, der die ideale Kulisse für das ausgefallene Weinlesefest bot, zu bringen. Ulrike Bergmann gehörte dazu. Sie ist Patin eines Weinstockes, den die Weinköniginnen zum Abschluss ihrer Regentschaft an die Bürgerhäuser pflanzen. „Und hat immer gute Erträge“, wusste Marianne Baron zu berichten, als Bergmann ihre Trauben brachte. Diese schätzte, dass viele ihre Trauben, auch aus Angst vor dem Verderben, bereits abgeerntet hatten. „Wir haben in diesem Jahr eben Pech“, erklärte Marianne Baron, die für Weinlese und Weinkönigin verantwortlich ist. Von der 2016er-Ernte konnte sie am Wochenende 42 Flaschen à 0,75 Liter entgegennehmen. Der Wein ist repräsentativen Zwecken der Stadt vorbehalten und wird an besondere Gäste verschenkt. Lediglich bei der Weinlese kann der Tropfen verkostet werden. Marianne Baron hofft, dass das kommende Jahr eine bessere Ausbeute bringen wird. Fritz Melsheimer erklärte, dass er dem Gärtner dazu mit seinem Wissen zur Seite stehen werde.

Weinkönigin Tanja muss zweite Amtszeit absolvieren

Keine Weinlese, keine Krönung, keine neue Königin. Tanja, die Hilfsbereite, wird durch das ausgefallene Weinlesefest eine zweite Amtszeit absolvieren. „Es macht Spaß. Und man lernt Land und Leute kennen“, erklärte sie. Am Donnerstag begrüßte sie die frischgekrönte Heidekartoffelkönigin aus Bad Bevensen sowie die Nemitzer Heideblütenkönigin mit ihrer Prinzessin und den Heidemädchen in Hitzacker. Und auch Weinprinzessin Lisa war bei den Ersatzfeierlichkeiten dabei. Sie geht bereits ins vierte Jahr und betonte: „Hitzacker ist eine tolle Stadt. Sie vertreten zu dürfen, ist eine Ehre.“

Auch ohne Weinlese blieben die Zwerge übrigens nicht arbeitslos. Zum einen gestalteten sie das kleine alternative Weinfest mit ihrem Gesang, zum anderen hatten Marianne und Harald Münchow die hauseigenen Trauben noch nicht gelesen, sodass die Rotbemützten mit geübten Handgriffen zur Tat schritten. Die Besucher genossen zu diesem Zeitpunkt bereits Musik von Cedric Hollmeier und seinem Studienkollegen Eduard Schneider, die kulinarischen Offerten der Familie Münchow unter den Sonnensegeln oder erstanden Kunsthandwerk an den fast 20 Ständen des Marktes. Die Königinnen standen für Fragen zu ihren Regionen und Fotos zur Verfügung und verteilten gern Autogrammkarten.

Von Daniela Muchow